merken

Anfällige Freileitungen

Dass auch beim jüngsten Sturm in Liegau der Strom ausfiel, weil Bäume die frei hängenden Energieleitungen kappten, wirft Fragen im Ortsteil auf.

© Thorsten Eckert

Von Jens Fritzsche

Anzeige
Berufsbegleitend Pflege studieren

Studieren und weiter berufstätig sein? Bewerben Sie sich jetzt an der Evangelischen Hochschule Dresden!

Liegau-Augustusbad. Nach dem Sturm ist ja mittlerweile längst vor dem Sturm. So jedenfalls sehen das mit Blick auf sich immer mehr häufende Wetter-Unbilden nicht wenige Liegauer. Und sie fragen sich deshalb schon, ob es am Ende nicht doch sinnvoller gewesen wäre, beim jüngsten Ausbau der sich längs durch den Radeberger Ortsteil schlängelnden Rödertalstraße endlich auch mal die Stromkabel unterirdisch zu verlegen. Noch ziehen sich die Leitungen ja – ein wenig historisch – an hölzernen und einigen steinernen Masten durch den Ort. Und als nun jüngst Sturmtief Friederike über Deutschland und natürlich auch über Liegau-Augustusbad tobte, fiel der eine oder andere Baum auf die Freilandleitung. Folge: Die Stromverbindung war gekappt, etliche Liegauer saßen stundenlang im Dunklen und Energieversorger Enso musste ran, um den Schaden zu reparieren.

„Wir hatten vor dem Ausbau der Straße bei der Enso angefragt, ob sie im Zuge des Baus auch gleich die Leitungen in die Erde verlegen wollen – aber dafür sah das Unternehmen keinen Bedarf“, sagt Liegaus Ortsvorsteher Gabor Kühnapfel (SPD). Und er kann dabei beide Seiten verstehen, fügt er an. „Ich habe natürlich Verständnis dafür, dass die Leute sagen, es wäre doch sinnvoll Leitungen unterirdisch zu verlegen, damit nicht ständig der Strom ausfällt und die Verbindung repariert werden muss, wenn Bäume auf die Leitungen fallen …“ Aber gleichzeitig sieht Gabor Kühnapfel eben auch den wirtschaftlichen Aspekt, den die Enso ins Feld geführt hatte, als sie die Verlegung im Zuge des Straßenbaus ablehnte. „Das ist eine ganz pragmatische Kostenanalyse“, sagt der Ortsvorsteher. Es sind zu wenige Grundstücke, die angeschlossen werden können, um die hohen Kosten für eine Verlegung in der Erde kurzfristig zu decken.“ Noch dazu sind die Abstände zwischen den Grundstücken sehr weit, weiß er. Da sei es für die Enso einfach preiswerter, „regelmäßig Schäden zu reparieren und eine zerrissene Leitung zu flicken“, macht er eine einfache unternehmerische Rechnung auf. Die Masten stehen, „und kosten nicht wirklich viel, die Leitungen hängen auch, es gibt also aus Sicht des Energieversorgers keinen wirklichen Bedarf, der sich wirtschaftlich darstellen lassen würde“, kennt Gabor Kühnapfel die Argumente. Nichtmal im Bereich der alten Rödertalschänke, auf deren Areal ja zahlreiche schmale Häuser entstanden sind, sah die Enso Änderungs-Bedarf, fügt er an.

Dennoch werde Liegau nun auch beim in diesem Jahr anstehenden Bau des dritten noch zu sanierenden Abschnitts der Rödertalstraße noch einmal anfragen, ob die Enso plant, die Leitungen zumindest hier unterirdisch verlaufen zu lassen. Gebaut werden soll ja im Kurven-Bereich zwischen Peter-Adler-Park und der Brücke über die Röder. „Wenn die Ausschreibungen für die Baumaßnahme rausgehen, werden wir auch die Enso noch einmal anschreiben“, sagt der Ortsvorsteher. Übrigens werde auch die Telekom angefragt, „ob sie hier die hochmodernen Glasfaserkabel verlegen will, um die Internetanbindung Liegaus zu verbessern“, verspricht Gabor Kühnapfel. Aber auch hier kann und will er keine Prognose abgeben, wie die Antwort ausfallen könnte. „Deutschland hat ja ohnehin das digitale Zeitalter in den vergangenen Jahren weitgehend verschlafen“, ist der Liegauer Ortschef hörbar sauer.