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Anflug auf den Pott

DSC-Kapitän Myrthe Schoot spricht vor dem ersten wichtigen Endspiel dieser Saison über neue Technik, die eigenen Fans und ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit dem …

© Robert Michael

Von Alexander Hiller

Einen persönlichen Termin mit Myrthe Schoot? In dieser Woche? Unmöglich. Die Volleyballerinnen des Dresdner SC tanzten bis zum Mittwoch auf drei Hochzeiten. Training, rein in den Flieger, Spiel, raus aus dem Flieger, Training, rein in den Flieger. So ungefähr lässt sich stark verkürzt die Woche zusammenfassen. Am Telefon – natürlich auf dem Weg zum Flughafen – gewährt die 29-jährige Holländerin dann doch noch Einblicke in ihr Seelenleben und den Motivationsbogen in ihrer Mannschaft.

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Frau Schoot, Ihr Team reist mit dem Flugzeug nach Mannheim, das klingt beinahe protzig. Weshalb ist das nötig?

Das ist sinnvoll, weil Wiesbaden die ganze Woche frei hatte. Wir dagegen bestritten am Mittwoch ein Auswärtsspiel in Stuttgart. Wenn wir da jetzt wieder stundenlang im Bus verbracht hätten, wäre es einerseits schon schwierig, entsprechende Trainingszeiten zu planen, andererseits beinahe unmöglich, am Sonntag fit und frisch im Pokalfinale zu stehen. Das macht schon einen Unterschied, ob man eine Stunde im Flugzeug sitzt oder sieben, acht Stunden im Bus verbringt. Jeder Prozentpunkt zählt.

Den Finalgegner Wiesbaden hat der DSC zuletzt Ende Januar im Punktspiel 3:0 besiegt. Spielt das am Sonntag noch eine Rolle?

Nein, gar nicht. Wir sollten das Pokalfinale als Einzelerlebnis betrachten, ganz egal, was vorher passiert ist. Das ist das Schwierige und Besondere am Pokalfinale. Man kann vorher 50 Mal gewonnen oder verloren haben. Das ist dann völlig egal. Das Finale ist das Einzige, was zählt. Der Tag und der Moment. Na klar gibt es Vertrauen, wenn wir wissen, was Wiesbaden draufhat und dass wir letztens gegen sie gewonnen haben. Wir haben daraus gelernt, das kann man als Gepäck mitnehmen.

Es könnte aber sein, dass Ihnen Wiesbaden als Gegner einfach gut liegt?

Das kann sein. Aber Wiesbaden kann sich auch verändert, verbessert haben.

Sie und Katharina Schwabe sind mit dem DSC bereits 2016 Pokalsieger geworden. Transportieren Sie diese Erfahrung an die Mannschaft weiter?

Ich denke, dass wir uns noch mal zusammensetzen und das eine oder andere durchsprechen. Ich stand 2012 mit Vilsbiburg im Pokalfinale, da prasselten so viele Eindrücke auf mich ein und ich war so überfordert, dass ich zwei Sätze brauchte, um wieder zurück auf die Erde zu finden. Ich hoffe, dass das den anderen nicht passiert und dass Schwabi und ich ihnen unsere Erfahrungen mitgeben können. Ich habe keine Angst, dass das schieflaufen wird.

Finalspiele gelten häufig als Kopfsache. Kann man das trainieren?

Teilweise. Ich studiere ja Psychologie, das kann man schon ein Stück weit trainieren. Aber das Wichtigste ist, dass man an so einem Tag nie aufgibt und weiß, dass es immer mit dem nächsten Ball weitergeht. Die Mannschaft, die sich am meisten pushen kann, gewinnt den Pokal.

Der DSC ist gerade in zwei Spielen relativ deutlich im CEV-Cup an Stuttgart gescheitert. Befürchten Sie, dass sich das am Sonntag mental auswirkt?

Natürlich ist es nie schön, zu verlieren. Kein Sportler mag das. Aber es geht um die Art und Weise, wie man damit umgeht, wie man darauf reagiert. Ich habe das Gefühl, dass wir das als Mannschaft gerade total gut machen, hart trainieren und dadurch wieder Vertrauen zueinander und für uns selbst finden. Ich glaube nicht, dass das Mittwochspiel Auswirkungen hat.

Gegner Wiesbaden kommt mit dem Schwung eines 3:2-Erfolges beim deutschen Meister Schwerin zum Finale …

Einen Monat vor unserem Punktspiel gegen Wiesbaden hatte der VC auch gegen Schwerin gewonnen. Da waren wir auch gut vorbereitet und scharf drauf, zu gewinnen. Es ist immer ein schönes Gefühl, wenn man mit so einem Flow zum Pokalfinale kommt. Aber auch für uns war es total positiv, dass Wiesbaden in Schwerin gewonnen hat, weil wir dadurch in den Meisterschafts-Play-offs wahrscheinlich eine viel bessere Ausgangslage haben. Wir konzentrieren uns auf unser Spiel und unsere Emotionen. Wir sollten wissen, was auf der anderen Seite los ist, aber entscheidend für uns ist, was wir machen.

Aus Dresden reisen offiziell 823 DSC-Fans an. Ist das wichtig, weil auf dem Feld für Sie spürbar?

Na klar, es wird ohnehin eine Riesenstimmung sein, aber je mehr eigene Fans man mit dabei hat, desto angenehmer ist es zu spielen. Wenn man weiß, wie viele Fans mitgekommen sind, kann das noch einen Extrakick an Motivation geben. Das ist etwas Produktives für uns.

Im Finale erfassen in die Trikots eingearbeitete Sensoren erstmals alle Leistungsdaten. Haben Sie Angst, am Ende als lauffaul identifiziert zu werden?

(lacht) Nee, ich werde da noch einige Runden rennen, um das ein bisschen zu kompensieren. Ich habe davon gehört und bin sehr gespannt darauf.

Wie sinnvoll finden Sie den Technik-Einsatz?

In Holland sagen wir: „Meten it weten.“ Messen ist Wissen. Ich denke schon, dass es hauptsächlich im Training viele neue Erkenntnisse geben kann. Für die Fernsehzuschauer könnte es interessant sein, aber für uns ist es erst relevant, wenn wir Vergleichsdaten haben.

TV-Tipp: So., 16.30 Uhr auf Sport1