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Angeklagte wurde selbst zum Opfer

Eine Dresdnerin wurde wegen Betrügern zur Geldwäscherin. Auch eine Harthaer Firma war davon betroffen.

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© Symbolfoto: dpa

Döbeln. Rund 60 000 Euro einer Harthaer Firma sind durch Geldwäscher auf einem falschen Konto gelandet. Das Unternehmen hat einen Geschäftspartner in Indien. In dessen Computer hackten sich die Täter ein und überwiesen über 59 000 Euro auf ein Konto in Zgorzelec/Polen. Der Firma in Indien sagten sie, dass der Harthaer Betrieb das Konto gewechselt habe. Das war aber nicht der Fall. Der Geschäftsführer selbst erkannte die falsche Transaktion und erstattete Anzeige.

Schuld an der Geldwäscherei war eine 61-Jährige aus Dresden. Sie musste sich jetzt vor dem Schöffengericht am Döbelner Amtsgericht wegen des Vorwurfes in neun Fällen verantworten. Mitte 2010 hatte die Frau per Internet Kontakt zu Unbekannten. Um eine Erbschaft zu erhalten, sollte sie den Männern 85 000 Euro zahlen. Als sie kein Geld mehr hatte, hätten ihr die Männer vorgeschlagen, im Ausland Konten zu eröffnen. Das habe sie im Februar und März 2015 bei verschiedenen Banken in Zgorzelec getan. Auf diese wurden von den Hintermännern Gelder überwiesen. Die Banknoten zahlte die Angeklagte später nach Weisung der Unbekannten in Stückelungen auf verschiedenen Banken im Ausland, unter anderem in Südafrika, ein. Von den Geldern, so war es vereinbart, konnte sie zehn Prozent für sich behalten. Doch dann flog die Sache aufgrund der Anzeige aus Hartha auf.

Hintermänner auf freiem Fuß

Die Taten gesteht die Angeklagte, die bisher nicht vorbestraft ist. 2010 zog sie nach einer Scheidung nach Dresden und habe über das Internet einen Mann gesucht. Es meldete sich ein Antony. Unter dem Vorwand, nach Deutschland zu kommen, bat der die Frau um Geld. Immer wieder überwies sie ihm Beträge in Höhe von 2 000 bis 4 000 Euro. Das Geld hätte sie geerbt. Insgesamt habe sie dem Unbekannten rund 100 000 Euro überwiesen. Ein geplantes Treffen scheiterte. Deshalb flog die Frau nach Großbritannien. Dort habe sie anstatt Antony Männer mit dunkler Hautfarbe getroffen. Die hätten ihr einen Geldkoffer gezeigt. In dem sollte das Geld sein, das sie überwiesen hatte. Um ihr verlorenes Geld zurückzuerhalten, sei sie auf das Angebot der Männer eingegangen. Sie habe im Ausland sowie in Deutschland Konten eröffnet und auch eigene Konten mit einbezogen. Mit den Unbekannten habe sie einen Vertrag abgeschlossen. Darin sei auch ihre Provision geregelt gewesen. Auf den Deal eingelassen habe sie sich, weil sie ihr Geld zurückhaben wollte, so die Angeklagte.

Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Karin Fahlberg verurteilt die Beschuldigte zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren, ausgesetzt auf zwei Jahre Bewährung. Für das Strafmaß hatten auch Staatsanwaltschaft und Verteidigung plädiert. Zudem muss die Angeklagte für den Schaden in Höhe von 233 500 Euro aufkommen. Obwohl sie der Polizei half, die Hintermänner ausfindig zu machen, wurden die nicht gefasst, die Ermittlungen abgebrochen. Das Urteil ist rechtskräftig. (DA/hk)