merken

Angeklagter bereut Überfälle auf Rentnerinnen

Tat im März, Prozess im Mai – manchmal sind Polizei und Justiz erfrischend schnell.

© dpa

Von Alexander Schneider

Nachdem er mit einem Komplizen zwei Rentnerinnen in Striesen überfallen hat, sitzt der 21 Jahre alte Haythem G. in Untersuchungshaft. Das war erst am 23. März dieses Jahres, einem Freitag. Nur zwei Monate nach den Überfällen stand der Asylbewerber aus Tunesien am Mittwoch vor dem Amtsgericht Dresden – wegen Raubes und sieben weiterer Diebstähle.

Augusto
Leben und Genuss
Leben und Genuss

Für Genießer genau das Richtige! Leckere Ideen, Lebensart, Tradition und Trends gibt es in der Themenwelt Augusto.

Der Prozess hat mit guten Nachrichten begonnen. So wurde auch G.s Komplize ermittelt. Er lebte zuletzt wie der Angeklagte in der Asylunterkunft in der Hamburger Straße. Haythem G. hat ausgesagt, dass er erst seit Anfang dieses Jahres in Deutschland sei. Zuvor habe er dreieinhalb Jahre in Italien gelebt, acht Monate in Frankreich und einen Monat in der Schweiz – und will vor seiner Flucht aus Tunis eine Tischler-Lehre abgeschlossen haben.

Das klang nicht glaubhaft, doch andere Angaben und sein Geständnis waren schlüssig und haben das Schöffengericht beeindruckt. Laut Anklage wurde G. im Februar im Karstadt erwischt, wie er ein Parfüm im Wert von 130 Euro in den Rucksack gesteckt hatte. Anfang März stahl er dort wieder Parfüm und ein 30 Euro-Basecap in einem Sportgeschäft und in der Altmarktgalerie eine Jacke für 60 Euro und und ein weiteres Parfüm für 90 Euro.

Dann der 23. März. Da hatte er mit dem Komplizen Rentnerinnen in Striesen überfallen. Zunächst fingen sie eine 88-jährige Mieterin in einem Hauseingang in der Müller Berset-Straße ab. Die Dame kam mittags von der Apotheke und betrat den Vorraum, als G. ihr die Handtaschen vom Rollator schnappte und wegrannte. Sein Komplize soll die Frau beim Wegrennen umgestoßen haben – die Rentnerin erlitt einen Beckenbruch. Nur Minuten später überfiel das Duo eine 67-Jährige in der Comeniusstraße wieder in einem Hauseingang. Dort schlug der Komplize die Frau nieder und trat auf sie ein. Wieder raubten die Täter die Handtasche. Nur eine Stunde später riss G. am Krankenhaus Friedrichstadt die Tür eines VW auf und bestahl die Fahrerin. Einem Mieter fiel auf, wie der Fremde mit auffälliger Damenhandtasche in einem Hauseingang in der Schäferstraße verschwand. Der 40-jährige Nigerianer überwältigte G. und rief die Polizei.

Am Mittwoch bat der Angeklagte die 67-jährige Geschädigte um Entschuldigung. Als Motiv für seine Diebstähle nannte er den Wunsch, endlich auch ein großes Handy haben zu wollen. Seine Angaben passten zu den Schilderungen der Zeugen. Angeblich hatte er mit dem Komplizen schon am Abend vor den Überfällen Ecstasy genommen, Alkohol getrunken und die Nacht durchgemacht.

Das Schöffengericht verurteilte H. zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten. Sieben Monate weniger, als von der Staatsanwältin gefordert.