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Angriff auf den Handwerker-Bonus

Experten plädieren dafür, dass Handwerkerleistungen steuerlich nicht mehr absetzbar sein sollen. Auch der SPD-Fraktionsvize denkt so. Aber nur er.

© dpa

Berlin. Eine der populärsten und zugleich teuersten Steuerermäßigungen, der sogenannte Handwerkerbonus, steht auf dem Prüfstand. SPD-Fraktionsvize Carsten Schneider stellte die steuerliche Absetzbarkeit von Handwerkerleistungen infrage. Die mit der Vergünstigung verbundenen Ziele würden teils verfehlt, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“.

Zuvor hatten Wissenschaftler empfohlen, den 2006 eingeführten Bonus wieder abzuschaffen, da die Steuerermäßigung das Ziel, die Schwarzarbeit zu bekämpfen sowie Handwerk und Mittelstand zu stärken, nur unzureichend erfüllt habe. In der Studie der Universität Freiburg sowie der Beratungsfirma Ernst&Young wurde deutlich, dass 90 Prozent der Haushalte, die das Privileg nutzten, die Handwerkerleistung auch ohne steuerlichen Anreiz geordert hätten.

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Dass die Begünstigung wirklich gestrichen wird, ist mehr als fraglich. Vor allem die CSU stemmt sich gegen jeglichen Abbau von Steuersubventionen. Sie argumentiert, dies seien letztlich Steuererhöhungen, die wiederum abgelehnt würden. Aber auch das Bundesfinanzministerium sieht keinen Handlungsbedarf. Gestern meldete sich auch Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) und lehnte die in der eigenen Partei erhobene Forderung nach einer Abschaffung der steuerlichen Absetzbarkeit von Handwerkerleistungen ab. Ebenso stellte sich Sachsens SPD-Chef Martin Dulig gegen Schneider. „Das Handwerkerprivileg hat sich bewährt und sollte eher noch ausgebaut werden“, sagte er.

Die Länder hingegen pochen parteiübergreifend darauf, dass zumindest Handwerkerrechnungen unter 300 Euro nicht mehr beim Fiskus geltend gemacht werden können. Das würde relativ viele Steuerzahler treffen. Dem Staat brächte dies Mehreinnahmen von 400 Millionen Euro.

Seit 2006 können Bürger ihre Steuerlast durch Handwerkerleistungen senken. Dies kostet den Staat jährlich 1,52 Milliarden Euro. Sie ist damit eine der teuersten Steuerermäßigungen.

Der 2009 erweiterte Steuerbonus für Handwerkerleistungen beträgt 20 Prozent der Aufwendungen, höchstens 1.200 Euro pro Jahr. Begünstigt sind die Arbeitskosten einschließlich Umsatzsteuer, aber nicht die Materialkosten. (dpa)