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Dresden

Angriffslustige Dobermänner

Keiner weiß, wie oft die Hunde einer 62-jährigen Frau in der Heide zugebissen haben. Sechs Vorfälle hat sie nun zugegeben.

© dpa

Pico und Topo sind zwei Dobermänner, inzwischen sieben Jahre alt und machen, was sie wollen. Seit Jahren fallen die Rüden immer wieder Passanten in der Dresdner Heide an. Sie sind weder angeleint, noch tragen sie einen Maulkorb. Dafür verantwortlich ist Frauchen Petra K., eine 62-jährige Fotografin, die inzwischen in Dippoldiswalde-Schlottwitz lebt – mit ihren beißwütigen Tieren. Seit Montag steht Frauchen unter anderem wegen „fahrlässiger“ Körperverletzung in sechs Fällen vor dem Amtsgericht Dresden, immer geht es um Attacken ihrer Dobermänner von Januar 2016 bis Februar 2018, meist im Bereich Mordgrundbrücke/Parkhotel am Weißen Hirsch.

Staatsanwalt Steffen Leite hat drei Anklageschriften verlesen. Gebissen wurden unter anderem ein 64-jähriger Rentner, dem die Angeklagte nach dem Vorfall falsche Personalien genannt hatte, und ein 74-jähriger Wanderer, der gerade seine Wasserflasche aufgefüllt hatte, als ihn einer der Hunde angefallen und in den rechten Oberschenkel gebissen hat. Die Frau habe sich nicht zu einem Gespräch mit ihm herabgelassen, berichtete der Zeuge: „Sie hat mich stehen lassen, als wäre ich nicht vorhanden.“ Der Wanderer berichtete jedoch, er habe etwa ein Jahr zuvor bereits eine erste unheimliche Begegnung mit einem der Tiere der Angeklagten gehabt. Damals sei ihm von dem Dobermann die Softshell-Jacke zerbissen worden.

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Auch ein fünfjähriges Mädchen wurde angefallen. Als es aus dem Waldkindergarten zum Chinesischen Pavillon lief, schnappte ein Hund dem Kind in den Po. Seine Mutter, eine Reitlehrerin, stürzte sich auf das Tier, um ihre Tochter zu schütten, und wurde zweimal in den Rücken gebissen. Es ist der einzige Fall, in dem von einer Hundeleine die Rede war. Doch statt ihre Papiere zu holen, sei die Angeklagte in ihrem Mercedes einfach weggefahren.

Auch noch Diebstahl mit Waffen

Staatsanwalt Leite wirft der 62-Jährigen auch zwei Diebstähle vor. In einem Biomarkt habe die Frau im September 2017 Lebensmittel für Tier und Mensch im Wert von 192 Euro gestohlen, aber nur Waren für 7,82 Euro an der Kasse gezahlt. Im März 2018 wurde sie in der Biowelt Weißig erwischt. Dort hatte sie Fleisch für 82 Euro gestohlen. „Ich sah, wie ihre Beutel am Wagen sich füllten und füllten“, sagte Marktleiter Robert W. (31). Er kannte die Frau, weil er ihr ein unbefristetes Hausverbot ausgesprochen hatte, nachdem sie schon früher dort beim Stehlen erwischt worden war. Bei der Durchsuchung fand die Polizei ein Klappmesser in der Tasche der Angeklagten, weshalb ihr nun neben der bisswütigen Angriffe ihrer Hunde auch Diebstahl mit Waffen vorgeworfen wird.

Nach einem Rechtsgespräch, über dessen Inhalt das Gericht schwieg, erklärte Verteidiger Karsten Brunzel, seine Mandantin räume alle Vorwürfe umfassend ein. Das hinderte die Frau jedoch nicht, schnippisch zu reagieren, als Zeugen schilderten, wie sich „Frauchen“ in der Heide verhalten habe. Laut Brunzel habe seine Mandantin die Tiere noch und halte sich an die Vorgaben der Behörden. Angeblich sei nur einer der Rüden stets mit Maulkorb und Leine zu sichern. Der Prozess wird fortgesetzt.

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