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Angst vor der Abschiebung

Eine fünfköpfige Familie soll zurück nach Aserbaidschan. Coswiger kämpfen dafür, dass sie hier bleiben darf.

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© Symbolfoto/dpa

Von Peggy Zill

Coswig. Sie wollen sich nicht fotografieren lassen und auch lieber ihre Namen nicht in der Zeitung lesen. Sie haben Angst, dass es Ärger geben könnte. Und davon hat die Familie schon genug. Nach fünf Jahren in Deutschland droht ihnen die Abschiebung. Ihr Asylgesuch wurde zweimal abgelehnt. Sie sollen zurück nach Aserbaidschan. Dabei ist Coswig ihr neues Zuhause. Hier arbeitet der Vater und soll die Tochter in wenigen Wochen eingeschult werden.

„Das kann doch nicht im Sinne der Gesellschaft sein, dass jahrelang in die Integration der Menschen investiert wird und dann werden sie wieder weggeschickt. Das kann ich nicht verstehen“, schimpft Regina Hille. Sie hat vor über einem Jahr die Patenschaft für die Familie übernommen, übt mehrmals wöchentlich Deutsch mit der Frau und hilft beim Umgang mit den Ämtern. „Es wäre für alle ein Verlust, wenn sie gehen müssen“, sagt Regina Hille. Die Familie habe viele Freunde gefunden. Der Vater macht eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker, die älteste Tochter soll im September eingeschult werden. Die zwei kleineren Kinder sind in Radebeul geboren und die Mutter möchte wieder als Krankenschwester arbeiten, sobald der jüngste Sohn in die Kita geht. Oft wird sie als Dolmetscherin für Flüchtlinge benötigt.

In Aserbaidschan, einem kleinen Land zwischen Russland und Iran, gehört die Familie zu einer Minderheit. Nach ihren Erzählungen mussten sie flüchten, weil sie von Terroristen bedroht wurden. Der Asylantrag wurde im Oktober 2015 und zuletzt im Februar 2016 abgelehnt. Die letzte Chance, dass die Fünf doch noch bleiben dürfen, ist die Härtefallkommission.

Deren Mitglieder können das sächsische Innenministerium bitten, ein Aufenthaltsrecht aus humanitären Gründen zu gewähren. Zuvor muss jedoch ein Mitglied überzeugt werden, dass der Fall in der Härtefallkommission beraten wird. Regina Hille und Sven Böttger von der Initiative Coswig schilderten den Fall dem sächsischen Ausländerbeauftragten Geert Mackenroth, Vorsitzender der Kommission.

„Wir haben besonders darauf abgezielt, dass der Vater eine Ausbildung macht und die Firma ihn danach auch übernehmen möchte“, sagt Böttger. Im Schreiben an Mackenroth beschreiben sie aber auch, dass der Vater aus Angst vor der Abschiebung schlecht schläft und eine psychische Erkrankung droht. „Die beiden sind Muslime, leben aber ganz normal wie junge Familien in Deutschland auch. Sie trägt kein Kopftuch, er hilft im Haushalt und kümmert sich um die Kinder“, heißt es in dem Brief. Es sei absehbar, dass die Familie in ein paar Jahren auf eigenen Füßen steht und somit der Gesellschaft etwas zurückgeben wird.

Gert Mackenroth überzeugte das alles nicht. Aus „übergeordneten Gründen“ könne er den Fall nicht in die Härtefallkommission einbringen. Was das genau bedeutet, erklärt er nicht. Auch nicht auf SZ-Nachfrage. Die Voraussetzungen für einen Härtefall würden nicht vorliegen. Das habe die Prüfung der Unterlagen ergeben.

Regina Hille und Sven Böttger haben dafür kein Verständnis. „Das ist doch keine Antwort. Und darauf haben wir so lange gewartet“, so Hille. Böttger findet, dass so auch die Ehrenamtlichen missachtet werden, die sich an der Basis um die Integration der Flüchtlinge kümmern. Die Coswiger wollen die Geschichte der Familie auch anderen Mitgliedern der Härtefallkommission erzählen, in der Hoffnung sie zu überzeugen. Das hat übrigens auch Gert Mackenroth empfohlen. Es bestehe die Chance, dass ein anderes Mitglied die Sachlage anders bewertet. „Das wäre das Beste, was uns passieren könnte, wenn die Sache gut ausgeht“, sagt Regina Hille, der die Familie sehr ans Herz gewachsen ist.