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Angst vor Kahlschlag am Scheibischen Berg

Am Königsbrücker Stadtrand wird derzeit in größerem Stil abgeholzt. Das gefällt nicht jedem.

© privat

Von Annett Kschieschan

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Es ist lichter geworden am Scheibischen Berg am Königsbrücker Stadtrand. Und das liegt nicht nur daran, dass die Bäume derzeit naturgemäß keine Blätter tragen. Es liegt vielmehr daran, dass hier deutlich weniger Bäume stehen als noch vor einigen Wochen. Der Grund ist offensichtlich: Am Scheibischen Berg wird derzeit abgeholzt. Neben den von den Erntemaschinen durchfurchten Waldwegen türmen sich die bereits geschlagenen Stämme übermannshoch. Es gibt mehrere solcher Berge aus dünneren und dickeren Bäumen. Sind es zu viele? Diese Frage treibt derzeit Naturfreunde im Königsbrücker Land um. Sie beobachten den Holzeinschlag an ihrem Hausberg mit wachsendem Argwohn. Vor allem, weil hier offenbar Holz in Größenordnungen geerntet wird.

Arthur Richter schätzt den Scheibischen Berg als Erholungs- und Freizeitgebiet am Rande der Stadt. Was er seit Ende des vergangenen Jahres hier sieht, macht ihm deshalb Sorgen. „Etwa eine Woche vor Weihnachten begannen massive Baumfällarbeiten plötzlich mit schwerem Gerät wie Harvester und Forwarder“, so Arthur Richter. Wie es denn sein könne, dass in einem Landschaftsschutzgebiet „derart rabiat“ Bäume gefällt werden dürften, will er wissen. Eine Frage, mit der er sich bereits an diverse Ämter gewandt hatte. Eine befriedigende Antwort habe er nicht erhalten. „Auf mein späteres Nachfragen hin wurde mir mitgeteilt, es hätte schon alles seine Richtigkeit“, so der Naturfreund, der aber genau daran noch immer Zweifel hegt. „Auch landschaftsprägende, gesunde Eichen mit einem Stammumfang von bis 1,80 Meter wurden gefällt“, kritisiert Arthur Richter. Im Bautzener Landratsamt ist die Aufregung um die Arbeiten am Scheibischen Berg bekannt. Berechtigt sei sie aber nicht, heißt es aus der Behörde. „Bei den Baumfällungen am Scheibischen Berg in Königsbrück handelt es sich um eine reine Durchforstungsmaßnahme. Das Waldgebiet wurde vor Kurzem privatisiert und der neue Eigentümer führt zulässige waldbauliche Maßnahmen durch“, so Pressesprecher Gernot Schweitzer auf Anfrage. Der Scheibische Berg sei Bestandteil des Flora-Fauna-Habitatgebietes „Pulsnitz und Haselbachtal“. „Eine forstliche Nutzung auf der Grundlage des Waldgesetzes ist auch im FFH-Gebiet zulässig. Da hauptsächlich eine Durchforstung des Nadelwaldbereiches stattgefunden hat, stehen der Maßnahme naturschutzrechtliche Aspekte nicht entgegen“, so der Kreissprecher weiter. Beim Verein „Naturbewahrung Westlausitz“, in dessen Kerngebiet der Scheibischer Berg liegt, sieht man die Sache ähnlich. „Für manche Königsbrücker ist das jetzt ein ungewohnter Anblick, weil jahrzehntelang quasi nichts in dem Wald passiert ist. Dass der neue Eigentümer nun Forstwirtschaft betreibt, ist aber normal und im gesetzlichen Rahmen“, schätzt der Vereinsvorsitzende Thomas Peper ein.

In dem betroffenen Areal befinden sich demnach auch geschützte Steilhänge. Sie liegen in der Nähe des Mahnmals, das an die Opfer des Zweiten Weltkrieges erinnert. „Der neue Waldeigentümer weiß von den geschützten Zonen“, so Thomas Peper. Ärgerlich für Spaziergänger sei sicher der aktuelle Zustand der Waldwege. Aber die ließen sich in Ordnung bringen. Unberührt bleibt der Bereich um das Mahnmal, das sich trotz des Waldverkaufs weiterhin im Besitz der Stadt Königsbrück befindet.

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