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Angst vor noch mehr Bahnlärm im Elbtal

Bürgermeister, Touristiker und Anwohner seheneinen weiteren Ausbauder Bahnstrecke skeptisch.

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Christian Eißner

Ein schweres Grollen schiebt sich durchs Elbtal, schwillt an zu einem Donnern, immer lauter, bis schließlich der Güterzug zwei Meter hinter Roland Guhrs Haus vorbei rattert. Wir sitzen auf der Terrasse, inmitten einer grünen Idylle mit Blick auf die Elbe. Eine Unterhaltung aber ist bei dem Lärm unmöglich.

Wer im engen Elbtal zwischen Pirna und Bad Schandau wohnt, so wie Roland Guhr seit 30 Jahren, muss sich mit der Eisenbahn arrangieren. „Wir haben ja gewusst, worauf wir uns einlassen“, sagt Guhr. „Schlimmer darf es allerdings nicht mehr werden“, fügt er hinzu. Vor allem die Güterzüge nerven.

Für Sachsens Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich (CDU) ist es eines der wichtigsten Infrastrukturvorhaben: der Bau einer schnellen Schienenverbindung zwischen Dresden und Prag. Erst Mitte März hatte Tillich Brüssel und Berlin aufgefordert, die Bahn-Pläne mit mehr Nachdruck zu verfolgen.

Mit seinem Vorstoß hat Sachsens Regierungschef die Bürgermeister und Touristiker in der Sächsischen Schweiz aufgeschreckt. Denn allein der Gedanke an einen Ausbau der Schienentrasse durchs Elbtal in der Sächsischen Schweiz – das ist eine der möglichen Varianten – bringt sie sprichwörtlich um den Schlaf.„Es erschreckt mich, dass eine Hochgeschwindigkeitsstrecke durch das Elbtal derart offen diskutiert wird“, sagt Kurort Rathens Bürgermeister Thomas Richter (parteilos). Denn höhere Fahrgeschwindigkeiten bedeuten mehr Lärm. Und den macht die Bahn seiner Ansicht nach schon mehr als genug. „Seit der Streckensanierung nach der Flut wird schneller gefahren, dadurch ist die Bahn wesentlich lauter geworden“, gibt Richter zu bedenken. „Wenn sich Gäste wegen des Bahnlärms nicht richtig erholen können, kratzt das an unserer Lebensgrundlage als Kurort.“ Richter möchte den weiteren Ausbau der Elbtalstrecke schon aus den Plan-Unterlagen tilgen, bevor er überhaupt drin steht. „Wehret den Anfängen dieser kreuzgefährlichen Entwicklung“, fordert er.

Lärmschutz fehlt

Er steht damit nicht allein. Auch Bad Schandaus Bürgermeister Andreas Eggert (ptl.) kann sich einen Strecken-Ausbau nur schwer vorstellen. „Man darf nicht noch mehr und noch schnelleren Verkehr auf diese Strecke bringen“, sagt Eggert. Falls es die Super-Schienenverbindung nach Prag geben soll, dann nur mit der angedachten Untertunnelung des Elbsandsteingebirges.

Eine Idee, die Matthias Opitz, Direktor des Vier-Sterne-Hotels Elbresidenz in Bad Schandau, vernünftig findet. „Es sollten keine infrastrukturellen Maßnahmen blockiert werden, aber es darf auch auf keinen Fall noch lauter werden im Elbtal“, sagt Opitz. Die Elbresidenz sei mit höchstem Lärmschutz ausgestattet, weil dieser an der Bahnlinie eben fehlt. „Ich würde gern mal auf unserer wunderschönen Terrasse eine Veranstaltung anbieten. Das geht wegen der Bahn aber nicht.“

In gewisser Weise ist Roland Guhr auch im Tourismusgeschäft: Er vermietet eine Ferienwohnung. Mit einer Hochgeschwindigkeits-strecke hinterm Haus könnte er das wohl vergessen. Deshalb findet er den Vorstoß von Rathens Bürgermeister Richter gut, schon jetzt für die Interessen der Anwohner und des Tourismus zu kämpfen. „Sonst stehen wir irgendwann vor vollendeten Tatsachen und es heißt: Es hat je keiner was dagegen gesagt.“