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Angst vor Verkehr und Pestiziden

Die Agrar-Gesellschaft erweitert ihre Hopfenanlage von 35 auf 50 Hektar – das stößt nicht überall auf Gegenliebe.

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© privat

Von Udo Lemke

Scharfenberg. Ein Traktor kommt die Kirchstraße in Reichenbach heruntergefahren. Auf dem Hänger liegen zwei lange Betonmasten. Sie sind für die neue Hopfenanlage bestimmt, die oberhalb des Wolfsteichbaches Richtung Elbe in der Gemarkung Reppnitz angelegt wird. „Das werden etwa 15 Hektar“, sagt Karsten Herrmann, Geschäftsführer der Agrarproduktions- und Handelsgesellschaft mbH Scharfenberg.

Die neue Anlage, die ersten Masten sind inzwischen errichtet, ergänzt die bereits bestehende der Agrargesellschaft in Scharfenberg, die 35 Hektar groß ist. Anders als in Gävernitz, auf der anderen Elbseite, wo die bestehende Hopfenanlage um acht Hektar erweitert wurde – „da gab es keine einzige negative Stimme“ – wird die im Aufbau befindliche beargwöhnt. Ines Kellner, deren Haus gegenüberliegt, befürchtet Beeinträchtigungen durch Spritzmittel wie Pestizide. „Acht Meter feuern die das hoch, und es braucht zwei Wochen, bis das wieder abgebaut ist.“ Karsten Herrmann erklärt dazu: „Wir bewegen uns bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln im gesetzlichen Rahmen.“

Auf Nachfrage beim Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) erklärt dessen Sprecherin Karin Bernhardt. „Wenn ein Schaden an den Hopfenpflanzen nicht mit anderen praktikablen Möglichkeiten abgewehrt werden kann, dann ist der Einsatz von zugelassenen Pflanzenschutzmitteln möglich.“ Gespritzt werden kann etwa gegen Pilzbefall, Pflanzenschädlinge und Unkraut. „Bei allen Spritz- bzw. Sprühanwendungen in Hopfen und anderen Raumkulturen ist ein Mindestabstand von fünf Metern zu Wohngrundstücken, Gärten und öffentlichen Grünflächen einzuhalten. Abtrift ist zu vermeiden.“

Ines Kellner und andere Bürger, die sich an den Verein Lebensraum Scharfenberg gewandt haben, befürchten zudem eine Verunreinigung des Grundwassers und Erosion, weil der Boden zwischen den Reihen der Hopfenpflanzen am Hang wie ein Kanal wirke. Dazu erklärt Karin Bernhardt, „in Deutschland gelten besonders strenge Vorschriften zum Schutz von Oberflächengewässern und zum Schutz des Grundwassers. Viele Mittel dürfen zum Schutz von Gewässern, Biotopen oder anderen Flächen nur mit einer amtlich geprüften Abdrift mindernden Technik angewendet werden. Alle Anwender müssen sachkundig sein, regelmäßig Fortbildungen besuchen, wo sie geschult werden.“ Karsten Herrmann erklärt, dass das Hopfenfeld bevor die Pflanzen eine bestimmte Größe erreicht haben und nach der Ernte mit einer Deckfrucht bestellt wird, „um Erosion zu vermeiden“.

Was Auswirkungen auf Schutzgebiete, wie etwa das an die neue Hopfenanlage angrenzende Landschaftsschutzgebiet „Elbtal zwischen Dresden und Meißen mit linkselbischen Tälern und Spargebirge“ betrifft, so ergab eine SZ-Nachfrage beim Landkreis, dass am Mittwoch „ein Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde die Fläche in Augenschein genommen hat, die Prüfung ist aber noch nicht abgeschlossen“, so Kreissprecherin Kerstin Thöns.

Ines Keller befürchtet Lärm und Staub, wenn die Erntefahrzeuge künftig an ihrem Grundstück vorbeifahren, so wie jetzt schon die Baufahrzeuge. „Wir bemühen uns, langsam zu fahren, um die Anlieger so wenig als möglich zu belästigen“, erklärt Karsten Herrmann und verweist auf die extreme Wetterlage mit viel Sonne und wenig Regen. Die Ernte selbst dauere nur einige Tage. „Wir bemühen uns um Wertschöpfung in der Region, damit der Hopfen nicht nur aus Bayern kommt, damit sichern wir auch Arbeitsplätze.“

Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt (CDU) erklärte auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion im Sächsischen Landtag zur neuen Hopfenanlage, dass aus Naturschutzgründen eine „Verträglichkeitsprüfung erforderlich werden kann“.