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Feuilleton

Anna Netrebko in der Semperoper gefeiert

Die Semperoper meldet sich spektakulär nach der langen Corona-Zwangspause zurück: Mit 22 Musikern und Sängern beim Mini-Verdi – traumhaft schön.

Erst musizierten sie gemeinsam, beim Beifall warfen sie sich gegenseitig Kusshände der Anerkennung zu: Sopranistin Anna Netrebko und Staatskapellen-oboist Sebastian Römisch.
Erst musizierten sie gemeinsam, beim Beifall warfen sie sich gegenseitig Kusshände der Anerkennung zu: Sopranistin Anna Netrebko und Staatskapellen-oboist Sebastian Römisch. © Daniel Koch / Semperoper Dresden

Nichts ist wie sonst. Kein Gedränge vor der Semperoper Dresden, keines in den Gängen, Mund- und Nasen-Schutz ist Pflicht bis zum Platz im Zuschauersaal, dessen Anblick verwirrte. Die ersten fünf Reihe waren gesperrt, dann jede weitere zweite. Mindestens zwei leere Plätze zwischen den Zuschauerpaaren. Das Gefühl: War das eine gute Idee, dass die Semperoper als erstes Opernhaus der Welt den Spielbetrieb unter Corona-Bedingungen wieder aufnimmt? 

Nur 330 der 1.300 Plätze durften laut Abstandsauflagen verkauft werden. Auf der Bühne vor dem Schmuckvorhang agierten gerade mal acht Musiker sowie – nie gemeinsam – sieben Choristen und sieben Solisten. Und das, obwohl mit Verdis „Don Carlo“ eine der ganz großbesetzten Opern ansteht. „Konzertante Höhepunkte“ nannte sich das Angebot, das das vierstündige Werk auf anderthalb Stunden verkürzte. 

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Nach diesen 90 Minuten zur Premiere am Freitag und weiteren Aufführungen bis einschließlich Montag war klar: Diese 90 Minuten waren ein Paukenschlag der Semperoper, der für Furore sorgt. Das Netz überschlägt sich bereits, denn Superstar Anna Netrebko brillierte bei ihrem Rollendebüt als Elisabetta und an der Seite ihres Mannes Yusif Eyvazov als Don Carlo.

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Dabei ist die Partie mit sehr langen Phrasen im mittleren Register stimmlich heikel für den Sopran der in Wien lebenden Russin. Doch wie auch bei anderen Rollendebüts war die 48-Jährige bestens vorbereitet und ließ sich vom Kammerensemble der Staatskapelle unter Leitung von Johannes Wulff-Woesten tragen.

Schon nach Sekunden beim ersten Auftritt „Io vengo a domandar“ bannte sie alle. Es mag Interpretinnen geben, die schöner singen und zuweilen weniger forcieren. Aber wie sie die Gefühle ihrer Rollen in der Musik transportiert, dass der Text unwichtig wird und man Freude wie Trauer der Partien teilt, das ist unvergleichlich. Obwohl konzertant musiziert, mied die Sängerin die Rampe, spielte mit kleinen Gesten und eindrücklicher Mimik starke Szenen. Und steigerte sich bis zur Schmerzensarie „Tu che la vanità – Im irdischen Wahn“ so, dass das Publikum lange, lange applaudierte. Die Künstlerin dankte gerührt.

Überhaupt: Anne Netrebko ist nur alle paar Jahre in Dresden, aber stets hier glücklich, wie sie betont. Die von ihr auf Instagram für die gut 600.000 Abonnenten eingestellten Bilder und Videos aus Dresden und Moritzburg zeigen eine lachende Diva – beste Werbung für sie und für Sachsen.

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