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Annäherung im Abrisshäuser-Streit

Die Wohnungswirtschaft saniert 20 Wohnungen im Stadtgebiet. Vorzugsweise für Mieter aus dem Papageienviertel.

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© Steffen Unger

Ingolf Reinsch und Gabriele Naß

Bischofswerda. Im Streit mit Mietern, die sich gegen den geplanten Abriss von drei Wohnblocks an der Bautzener Straße in Bischofswerda wehren, macht die städtische Wohnungswirtschaft und Bau GmbH einen Schritt auf die Betroffenen zu. „Wir sanieren in diesem Jahr 20 Wohnungen im gesamten Stadtgebiet komplett. Wir werden diese Wohnungen zuallererst Mietern aus dem Viertel an der Bautzener Straße anbieten“, sagte Geschäftsführer Andreas Wendler auf Anfrage der SZ. Diese Wohnungen befinden sich an anderen WuB-Standorten: an der Heinrich-Mann-, Lessing- und August-König-Straße nördlich der Bahnlinie sowie an Neustädter, Ring-, Garten- und Putzkauer Straße im südlichen Stadtgebiet.

Mit der Hälfte der rund 50 Mieter, die bis spätestens Ende 2016 ihre Wohnungen verlassen müssen, ist der Vermieter im Gespräch. Für etwa 20 stehe eine Lösung bis Ende dieses Jahres in Aussicht, sagt Andreas Wendler. Im kommenden Jahr will die WuB weitere Wohnungen sanieren. Auch bei denen sollen Bewohner aus dem Papageienviertel als Erste zum Zuge kommen, versichert der Geschäftsführer. Er weiß, dass es nicht leicht sein wird, für jeden eine passende Wohnung zu finden. Zumal preisgünstige Zwei- und Dreiraumwohnungen, wie an der Bautzener Straße, in Bischofswerda Mangelware sind, vor allem nördlich der Bahnlinie. Und gerade dort will die Mehrzahl der Bewohner des „Papageienviertels“ – so genannt wegen der einst bunten Fassaden – bleiben.

Individuelle Gespräche mit den Mietern

Bischofswerdas künftiger Oberbürgermeister Dr. Holm Große kündigte auf Anfrage an, dass er sich in die Suche nach Lösungen einbringen werde. Mit dem WuB-Geschäftsführer habe er deshalb bereits einen Gesprächstermin vereinbart. „Es geht für mich in allererster Linie um die Menschen. Das Mindeste ist es, für jeden Bewohner, jede Familie, eine soziale Lösung zu finden, welche den persönlichen Lebensumständen und -planungen entspricht.“ Er werde Andreas Wendler auffordern, mit jedem einzelnen Mieter ein individuelles Gespräch zu führen. Von den Bewohnern wünsche er sich, dass sie offen in diese Gespräche gehen und der WuB die Chance geben, ihnen ein passendes, sozialverträgliches Angebot zu unterbreiten.

Außer den drei Häusern an der Bautzener Straße mit insgesamt 80 Wohnungen und einem weiteren WuB-Block in Großdrebnitz gibt es aktuell in Bischofswerda keine Abrisspläne. Die Wohnungsgenossenschaft ließ nach Auskunft von Geschäftsführer Lothar Wils ihre Absicht fallen, im Stadtteil Süd einen Block abzureißen. Die unteren Etagen in den Genossenschaftshäusern sind durchweg gut vermietet. Der Leerstand konzentriert sich auf die oberen Stockwerke. „Wir lösen das Problem nicht, indem wir ein Haus abreißen“, sagt Lothar Wils – vor allem mit Blick auf die hohe Zahl älterer Mieter. „Wir können ihnen nicht zumuten, in die vierte oder fünfte Etage zu ziehen.“ Außerdem bedeute Wohnungsabriss immer auch eine Vernichtung von Werten. Die Genossenschaft will das verhindern, auch wenn der Leerstand drückt: Von ihren 769 Wohnungen steht etwa jede zehnte leer, vor allem im Neubaugebiet Süd.

Rund 12 Prozent Leerstand

Für die beiden großen Neukircher Vermieter ist ein Wohnungsabriss nach eigenen Angaben kein Thema. Der gemeindeeigene Betrieb Wohnungswirtschaft besitzt 255 Wohnungen und verwaltet weitere 22 Wohn- und Gewerbeeinheiten. Die durchschnittliche Leerstandsquote liegt bei drei Prozent, sagt Betriebsleiterin Petra Goldberg-Hübner. Die Wohnungsbaugenossenschaft hat bei knapp 300 Wohnungen fünf Prozent Leerstand. Zahlen, von denen Bischofswerdas größter Vermieter nur träumen kann. Von den 1 700 WuB-Wohnungen stehen aktuell 11,5 Prozent leer.

Sachsenweit sollen in den kommenden Jahren wieder mehr Wohnungen abgerissen werden, vor allem in kleineren Städten und auf dem Lande. Nach Angaben des Verbandes der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft planen die 127 Mitgliedsunternehmen in den nächsten fünf Jahren den Abriss von rund 3 330 Wohnungen. Als Grund nennt der Verband den Bevölkerungsrückgang im ländlichen Raum.