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Annington will Gagfah schlucken

Zwei Schwergewichte am Wohnungsmarkt wollen zusammengehen und künftig für 350 000 Wohnungen verantwortlich sein, etwa 37 000 hat die Gagfah derzeit in Dresden.

© dpa

Bochum/Mülheim. Die deutsche Immobilienbranche steht vor einer Großfusion: Mit der Deutschen Annington und Gagfah wollen zwei der größten Immobilienkonzerne hierzulande zusammengehen, wie beide Unternehmen am Montag mitteilten. Die Deutsche Annington bietet den Gagfah-Aktionären hierfür je Anteilsschein 18 Euro in bar und Aktien. Es müssen mindestens 50 Prozent der Anteile zusammenkommen.

Sollte der Zusammenschluss gelingen, würde Deutschlands größter Immobilienkonzern mit insgesamt rund 350 000 Wohnungen entstehen. Die Gagfah hatte im April 2006 in Dresden 48 000 Wohnungen von der WOBA übernommen, wovon das Unternehmen jetzt noch etwa 37 000 im Bestand hat. „Es werden mehr als eine Million Menschen bei uns wohnen“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Annington, Rolf Buch. Auch die Mieter sollen von dem Zusammengehen profitieren.

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Ein Vorteil auch für die Dresdner Mieter soll laut Deutscher Annigton sein, dass handwerkliche Aufträge konzernintern an eigene Mitarbeiter vergeben werden. Dadurch sollten Reparaturen schneller ausgeführt werden können. Zu den derzeit beschäftigten 1 800 Handwerkern sollen noch einige in Dresden kommen. Zudem sollen die jetzigen Mitarbeiter der Gagfah komplett übernommen werden. Dadurch ändere sich für die Mieter in Gagfah-Wohnungen vorerst gar nichts, sagte Annington-Vorstand Klaus Freiberg gegenüber der SZ. Ein weiterer Vorteil für die Gagfah-Mieter soll die energiebewusste Modernisierung der Wohnungen sein, was Einsparungen bei den Nebenkosten mit sich bringe, sagte Freiberg. Zudem soll mehr altersgerechter Wohnraum geschaffen werden.

Hintergrund: Deutsche Annington und Gagfah

Die Wurzeln der beiden Immobilienkonzerne Deutsche Annington und Gagfah reichen zurück bis ins frühe 20. Jahrhundert. Die heutige Gagfah ist aus der 1918 gegründeten Gemeinnützigen Aktien-Gesellschaft für Angestellten-Heimstätten hervorgegangen. Die Gagfah mit bundesweit 81000 Wohnungen war 2004 von der damaligen Eigentümerin, der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA), an den Finanzinvestor Fortress verkauft worden. Der neue Eigentümer stockte den Immobilienbesitz durch weitere Zukäufe - unter anderem mit 48000 Wohnungen in Dresden - auf, bevor er das Unternehmen 2006 an die Börse brachte.

Die Deutsche Annington hat ihre Wurzeln in den Wohnungsgesellschaften und Genossenschaften, die für Arbeiter, Angestellte und Beamte der damaligen Reichsbahn erschwinglichen Wohnraum bauten. Bei der Privatisierung der Eisenbahnerwohnungsgesellschaften durch das Bundeseisenbahnvermögen sicherte sich die Deutsche Annington GmbH, eine Tochter der vom japanischen Bankkonzern Nomura finanzierten Principal Finance Group, zunächst fast 65000 Wohnungen. Später vergrößerten die Finanzinvestoren den Wohnungsbestand durch Zukäufe. So wurde 2005 die Eon-Immobilientochter Viterra mit 138000 Wohnungen erworben, bevor die Deutsche Annington 2013 an die Börse kam. (dpa)

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Die beiden Unternehmen erhoffen sich durch die Übernahme Kosteneinsparungen in Höhe von 84 Millionen Euro im Jahr - wobei dafür auch erst einmal Belastungen in Höhe von circa 310 Millionen Euro anfallen sollen. Bei der Hebung von Synergien stehe nicht der Abbau von Arbeitsplätzen im Vordergrund, hieß es in einer Mitteilung.

Gagfah-Chef soll Vize in neuer Firma werden

Es soll eine neue Unternehmenszentrale im Einzugsgebiet der beiden jetzigen Unternehmenszentralen in Mülheim/Ruhr und Bochum entstehen. Dabei gebe es aber noch keine Festlegung. Auch über einen neuen Namen sei noch nicht entschieden, sagte Buch.

Die Unternehmen betonten die Vorteile für die Mieter. Annington-Chef Buch sagte laut der Mitteilung: „Ich persönlich stehe dafür ein, dass die Neuausrichtung „Wertsteigerung durch Mieterorientierung“ auch im zusammengeschlossenen Unternehmen konsequent weiter geführt wird.“ Buch soll im neuen Unternehmen Vorstandsvorsitzender werden. Der Vorstandschef der Gagfah, Thomas Zinnöcker, soll sein Stellvertreter werden. Zinnöcker sagte: „Unseren Mietern kann ich versprechen, dass die Gagfah alle abgeschlossen Vereinbarungen einhält, und dass die gemeinsame Gesellschaft sich an ihrem Anspruch als sozial verantwortlicher Vermieter messen lässt.“ (dpa/szo)