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Anschläge auf Linke und Asylwohnung

In Freital explodieren zwei illegale Böller, Scheiben gehen zu Bruch. Die Polizei schließt politische Motive nicht aus.

© Roland Halkasch

Von Andrea Schawe

Freital. Den Montagmorgen verbringt der Freitaler Linken-Stadtrat Michael Richter damit, auf den Glaser zu warten. Bis der kommt, müssen Holzplatten das Fenster des Büros der Linkspartei auf der Dresdner Straße 190 verschließen. Am Sonntagabend gegen 23 Uhr sprengten Unbekannte mit einem Feuerwerkskörper die Fenster. Glassplitter waren im gesamten Raum und auf der Straße verteilt, Teile des Rahmens und das Mauerwerk wurden beschädigt. Verletzte gab es nicht. „Die Nachbarn haben mich angerufen und gesagt, es habe einen Anschlag auf unser Büro gegeben“, sagt Michael Richter. Noch in der Nacht untersuchten Kriminaltechniker und Sprengstoffspezialisten des Landeskriminalamtes den Tatort.

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Schon in der Nacht zuvor hatten Unbekannte auf der Bahnhofstraße 26 mit einem Böller einen Anschlag auf eine Wohnung für Asylbewerber verübt. Die Masche war die Gleiche: Sie hatten den Feuerwerkskörper gegen Mitternacht auf dem Fensterbrett im Erdgeschoss angezündet, woraufhin die Scheibe explodierte. Von dem Fenster ist nichts mehr übrig. „Bei dem angegriffenen Zimmer handelt es sich um die Gemeinschaftsküche, in der sich zum Tatzeitpunkt keine Personen aufhielten“, sagt Anke Müller, Sprecherin des Operativen Abwehrzentrums (OAZ) der Polizei. Die für politischen Extremismus zuständigen Beamten haben in beiden Fällen die Ermittlungen übernommen. Im Zimmer selbst entstand kein Sachschaden. „Die Wohnung ist weiterhin bewohnbar“, sagt Tilo Georgi, der zuständige Abteilungsleiter im Landratsamt. In der Wohnung leben Flüchtlinge aus Eritrea. Den Männern geht es so weit gut, sie seien aber sehr verängstigt, so eine Sprecherin des Willkommensbündnis Freital.

Täter werden als Helden gefeiert

Die Ermittler gehen davon aus, dass beide Anschläge mit in Deutschland nicht zugelassener Pyrotechnik verübt wurden, so das OAZ. Es ermittelt nun wegen des Verdachts der Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion. „Es wird intensiv in alle Richtungen ermittelt, wobei eine politische Motivation nicht auszuschließen ist.“ Ob die beiden Fälle zusammenhängen, ist unklar. „Eine Aussage dazu kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht getroffen werden“, sagt Anke Müller. „Tatsache ist jedoch, dass derartige Pyrotechnik zu erheblicher Eigen- und Fremdgefährdung führen kann, da die Wirkung der Treibladung nicht vorhersagbar ist.“

Auf den einschlägigen Seiten in den sozialen Netzwerken werden die Täter unterdessen als „Helden“ gefeiert: „Danke an die Täter“ und „Ihr seid Helden in unserer Stadt“, heißt es auf der Facebook-Seite der rechtsradikalen Gruppe „Widerstand Freital“. „So kann Widerstand aussehen. Ohne Verletzte in allen Fällen, zeugt von professioneller Planung und Weitsicht“ (!).

Anschläge häufen sich

Die Linke will sich davon nicht beeindrucken lassen. „Ein solcher Anschlag auf ein Wahlkreisbüro zeigt uns, dass dem politischen Gegner die Argumente ausgehen“, sagt Jörg Kühnast, der Vorsitzende des Stadtverbands Freital, Tharandt und Wilsdruff. „Wir räumen auf, machen weiter und setzten uns für die Benachteiligten in der Gesellschaft ein, egal ob es Einheimische oder Geflüchtete sind“, sagt auch Sachsens Linkenchef Rico Gebhardt. „Wir lassen uns weder vertreiben, noch lassen wir uns einschüchtern. Weder in Freital noch in Pirna oder in Neukieritzsch oder sonst wo in Sachsen.“

Schon Ende Juli war das Auto von Michael Richter Ziel einer Attacke. Ein illegaler Böller zerstörte Karosserie und Scheiben des Golfs. Unbekannte hatten eine Scheibe eingeschlagen und den Sprengsatz in das Auto geworfen. Im August wurden die Geschäftsstellen der Linkspartei in Riesa und Pirna angegriffen, kürzlich warfen Unbekannte auch die Scheiben des Tagungsortes der Linken in Neukieritzsch ein. Im Juli hatte es außerdem in Pirna einen Anschlag auf die Geschäftsräume des linksalternativen Vereins Akubiz gegeben – mehrere Granitpflastersteine flogen in die Scheiben. Mitte September hatten Unbekannte auch einen Buttersäure-Anschlag auf ein Abgeordnetenbüro der SPD in Dresden-Plauen verübt.

Hinweise zu Personen oder Personengruppen, Fahrzeugen oder andere Wahrnehmungen nimmt die Polizeidirektion Dresden unter 0351 4832233 oder jede andere Polizeidienststelle entgegen.