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Geteiltes Echo auf Mindestlohn-Erhöhung ab 2017

Freude bei sächsischen Geringverdienern, Sorgenfalten bei Handwerkern und Gastwirten: Die Lohnuntergrenze steigt um 34 Cent auf 8,84 pro Stunde.

© dpa (Symbolfoto)

Dresden. Von der Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns Anfang 2017 können in Sachsen nach Einschätzung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zwischen 10 000 und 15 000 Menschen zusätzlich profitieren. Bisher gebe es etwa 260 000 Geringverdiener, erklärte der stellvertretende DGB-Vorsitzende Markus Schlimbach. Da zwischenzeitlich einige auch besser bezahlte Jobs bekommen hätten und andere durch die Erhöhung neu hinzukommen werden, werde sich die Zahl dieses Mal nur leicht erhöhen. Kritik gibt es dagegen von Handwerkern sowie Hoteliers und Gastwirten. Sie fürchten, dass die höheren Lohnkosten nur schwer erwirtschaftet werden können.

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Von 2017 an steigt der Mindestlohn um 34 Cent auf 8,84 Euro pro Stunde. Ein Verlust von Arbeitsplätzen ist laut DGB dadurch nicht zu befürchten. „Das ist 2015 nicht passiert, obwohl der Sprung der Löhne teilweise ziemlich groß war, und das wird auch 2017 nicht passieren.“ Seit Einführung des Mindestlohns ist den Angaben zufolge die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Freistaat um 3,6 Prozent gestiegen, die Löhne haben einen Sprung von durchschnittlich 11,3 Prozent gemacht. Schlimbach: „Für sächsische Niedriglöhner war der Mindestlohn ein Segen.“

Auch das Dresdner Ifo-Institut rechnet angesichts der brummenden Wirtschaft nicht mit nennenswerten Negativeffekten. Für 2017 prognostizieren die Wirtschaftsforscher sogar einen leichten Anstieg der Zahl der Erwerbstätigen im Freistaat um 12 000 (+0,6 Prozent).

Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) bezeichnete die Erhöhung des Mindestlohns als „gute Nachricht“ für die Beschäftigten. Derzeit erhalte jeder vierte Beschäftigte den Mindestlohn. „Ich bin froh und glücklich, dass wir den Mindestlohn haben und dass es diese schrittweise Erhöhung gibt. Die Lohnentwicklung nach unten wurde aufgehalten“, erklärte der Minister. Dennoch könne man mit dem Niveau noch lange nicht zufrieden sein. Dulig forderte daher von der sächsischen Wirtschaft mehr Tarifabschlüsse.

Der Landesverband des Hotel- und Gaststättengewerbes, Dehoga, steht der Erhöhung der Lohnuntergrenze dagegen kritisch gegenüber: Dabei sei weniger der Mindestlohn an sich das Problem, aber die daraus folgende Lohnerhöhung für andere Mitarbeiter. Schon bisher hätten die Gastwirte vielerorts mit kürzeren Öffnungszeiten und mehr Ruhetagen reagiert, erklärte Dehoga-Hauptgeschäftsführer Jens Vogt. Er rechnet im neuen Jahr mit weiteren Einschränkungen für die Gäste.

Zwar belaufe sich der Anstieg mit dem neuen Mindestlohn nur auf 60 Euro im Monat. „Aber bei 20 Mitarbeitern, plus Arbeitgeberanteil für Sozialversicherung sind das aufs Jahr gerechnet schnell 10 000 Euro“, rechnet Vogt vor. Das müsse erst einmal erwirtschaftet werden. Vor allem Gastwirte auf dem Land mache die Lohnerhöhung zu schaffen.

Im Handwerk liegen die Löhne in vielen Branchen zwar ohnehin über dem gesetzlich verankerten Mindestlohn, so der Präsident des Sächsischen Handwerkstages, Roland Ermer. Dennoch sei eine Anhebung vor allem für Betriebe in strukturschwachen, ländlichen Regionen ein „echter Kraftakt“. Neben Bäckereien und Fleischereien sind auch im Erzgebirge ansässige Kunsthandwerker und Spielzeughersteller betroffen.

Zudem habe der Mindestlohn-Aufschlag zur Folge, dass die Kostenschere zwischen industriell und handwerklich gefertigten Produkten weiter auseinandergehe, erklärte Ermer. Gerade in personalintensiven Unternehmen würden höhere Lohnkosten die Preise für Produkte und Dienstleistungen nach oben treiben. (dpa)