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Ansturm auf neuen Kinderladen

Jeanette Thielemann eröffnete Freitag ein Geschäft in Bischofswerda. Zwei Anbieter der Gesundheitsbranche ziehen um.

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© Steffen Unger

Carolin Menz

Bischofswerda. Schon halb neun standen die Kunden Schlange. Also öffnete Jeanette Thielemann ihr neues Second-Hand-Geschäft „No1“ am Freitagmorgen anderthalb Stunden früher als geplant. Sofort war Trubel im Laden. Vor allem junge Familien sind gekommen. „Ruckzuck hatten wir Kinderbett, Hochstuhl und Babyschale verkauft“, sagt sie. Eine junge Mama mit Baby bringt zwei Kisten ausrangierte Babykleidung. Jeanette Thielemann stellt sie auf den Berg Kisten, die sich schon stapeln hinter der Kasse. Die Kundin startet derweil ihren Rundgang durchs neue Geschäft in der Kirchstraße 15.

Der Schneeanzug ist wie neu. Zu haben für nur ein paar Euro. Das Shirt mit Mädchens Liebling Hello Kitty ist fleckenfrei für ein Drittel des Originalpreises zu haben. Die guten Sympatex-Schuhe sind noch nicht weit gelaufen. Die Sohle tipptopp. Und das alles für 6,99 Euro. „Warum denn teuer kaufen, wenn es auch sehr gut preiswert geht?“, sagt Jeanette Thielemann. Es ist ihr Motto als dreifache Mutter und Geschäftsfrau. Sie eröffnete im ehemaligen Bettenhaus Heber auf der Kirchstraße in Bischofswerda eine Filiale ihres Ladens „No1“ – ein Second-Hand-Geschäft für Kinder, Frauen und je nach Angebot für große Jungs. „Die Kunden in meinem Bautzener Geschäft haben immer wieder gefragt, ob wir nicht auch mal nach Bischofswerda kommen können“, sagt Jeanette Thielemann. Viele kommen von hier, aus Neukirch oder Rammenau. „Also probieren wir es einfach aus.“ Lage und Zustand des Geschäfts auf der Kirchstraße 15 seien ideal. Bis auf ein paar kleine Reparaturen und Ausbesserungen musste die neue Mieterin hier nicht viel tun. Dafür musste sie umso mehr Kisten auspacken in den vergangenen Tagen. Ware, die sie zunächst aus ihren Filialen Görlitz, Bautzen und Hoyerswerda hierher mitbrachte.

Buntes Angebot

Das Geschäft mit gebrauchter Kleidung boomt. Deshalb hafte Second-Hand-Läden wie ihrem längst kein Schmuddelimage an, wie früher, sagt Jeanette Thielemann. Berührungsängste gibt es nicht mehr. Zu ihr kommen Familien mit wenig Geld, klar. Aber auch die, die sich keine Sorgen wegen Geldes machen müssen. Finden werden alle etwas. Es gibt Damensachen und Accessoires und – vor allem – alles fürs Kind. Vom Baby bis zum Teenager. Von der Unterwäsche bis zum Schneeanzug. Und Kinderwagen, Babyschalen, Laufgitter, Bettnestchen, Spielzeug, Roller und Laufräder. Eben alles das, was in Familien mit Kindern anfällt, was zu klein geworden ist und noch viel zu schade zum Wegwerfen. Jeanette Thielemann räumt ihren Laden immer nach Saison ein – deshalb ist jetzt Herbst und Winter im „No1“. Jederzeit können Sachen abgegeben werden, gerne auch kistenweise. Eine Annahmebeschränkung gibt es nicht. So schnell es geht, werden die Sachen ausgepreist und einsortiert. „Wir nehmen nur gute, gewaschene, fleckenfreie und moderne Ware“, sagt Jeanette Thielemann. „Eben das, was Eltern guten Gewissens ihren eigenen Kindern anziehen würden.“ Bevor die Kleidung in den Laden kommt, wird ein Preis vereinbart, den der Verkäufer gern erzielen will. Jeanette Thielemann legt endgültig fest, was es kosten soll. Erfahrungssache. Markensachen bringen natürlich immer etwas mehr.

Für sechs Wochen lang nimmt die 43-jährige Bautzenerin die Teile in Kommission. Die Erfahrungen aus den bisherigen Filialen zeigen, dass die Verkäufer nur selten etwas wieder abholen müssen. Meist läuft der Verkauf sehr gut. Und dennoch sei der Laden nie ausverkauft. Auch mitten im Winter gebe es noch Stiefel und Schneeanzüge. „Wir bekommen einfach ständig Nachschub“, so die Chefin. Viele Kunden bringen die ausrangierten Klamotten ihrer Kinder – und kleiden sie im Second-Hand-Geschäft prompt mit der nächsten Größe gleich wieder ein. „Wer einmal kauft, kommt wieder. Viele sind erstaunt, wie viel sie sparen können“, sagt Jeanette Thielemann, die für die Schiebocker Filiale eine neue Mitarbeiterin einstellte. „Viele Kunden schwören auch deshalb auf gebrauchte Kleidung, weil sie sichergehen können, dass alle Schadstoffe aus der Kleidung herausgewaschen sind. Es gibt ja immer mehr Allergien bei Kindern.“ Als Mutter habe sie ihre Erfahrungen damit. Geöffnet ist montags, dienstags und donnerstags 10-12 Uhr und 14-18 Uhr sowie freitags 10-16 Uhr, mittwochs und sonnabends bleibt das Geschäft geschlossen.

Neustart an neuem Ort

Diese Woche ist die Woche der Geschäftseröffnungen in Bischofswerda. So viele Veränderungen in zwei Tagen wie an diesem Donnerstag und Freitag –  nämlich drei –  gab es hier lange nicht. Oder noch nie? Neben dem Second-Hand-Laden von Jeanette Thielemann betrifft es das Gesundheitszentrum Adermann und den Laden von Fuß & Schuh. Fuß & Schuh teilt sich seit Donnerstag an der Dresdener Straße einen Laden mit dem Sanitätshaus Kalauch, das es dort schon lange gibt. Adermann eröffnete am Donnerstag neu in den früheren Räumen des Peppermint-Studios an der Lessingstraße, hat hier mehr Platz und nutzt unter anderem die Kabinen des ehemaligen Solariums nach. Kunden können hier nun in einem abgeschlossenen Raum Mieder oder Kompressionsstrümpfe probieren. Bisher teilten sich Adermann sowie Fuß & Schuh ein Geschäft im Ärztehaus an der Weberstraße. Dort läuft der Mietvertrag für Adermann aus und wird nicht verlängert. Fuß & Schuh war Untermieter. Im Herbst zieht im Ärztehaus ein neuer Anbieter mit ähnlichem Angebot ein, sagte die Vermieterin auf Anfrage.