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Ansturm auf selbstgezapfte Milch

Die frische Milch aus dem Automaten in Volkersdorf findet großen Zuspruch – zu großen.

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© Norbert Millauer

Von Sven Görner

Es ist Mittwochnachmittag kurz vor halb drei. Frank Lorenz öffnet den großen Edelstahlkasten, der in einem Container gleich gegenüber der Einfahrt zur Johne & Lorenz GbR in Volkersdorf bei Moritzburg steht. Seine Vermutung war richtig. Die 50 Liter fassende Kanne, die gut gekühlt im Inneren des Milchautomaten steht, ist fast leer. Da heißt es jetzt schnell für Nachschub sorgen.

„Die Zeit zwischen 15 und 18 Uhr ist unberechenbar“, weiß der Geschäftsführer des Landwirtschaftsbetriebes. „Viele holen sich auf dem Nachhauseweg von der Arbeit noch schnell frische Milch. Da bleibt man am besten gleich neben dem Automaten stehen.“ Erst einmal geht Frank Lorenz aber quer über den Hof zum Kuhstall. Aus dem großen Tank zapft er dort eine neue Kanne Rohmilch. Gewissermaßen Natur pur. Denn die Milch kommt direkt aus dem Stall, hat einen Fettgehalt von etwa vier Prozent und ist nicht behandelt.

Deckel drauf, damit nichts verschweppert und dann mit der Karre zurück zum Automaten. Wenig später ist der Automat wieder bereit. Kaum dass Frank Lorenz die Tür geschlossen hat, fährt schon der nächste Kunde auf den Hof.

In seinem Korb stehen fünf leere Flaschen. Die gibt es für einen Euro an einem zweiten Automaten, der ebenfalls in dem Container steht. Genau so viel kostet auch ein Liter Milch. Zum Milchholen können die Kunden aber auch andere Gefäße nutzen. Hauptsache, sie passen unter den Einfüllstutzen.

Seit Mai läuft der Milchautomat auf dem Hof in Volkersdorf nun schon im Dauerbetrieb rund um die Uhr. Nur einmal am Tag gibt es eine kurze Pause, wenn das Gerät mit all seinen Schläuchen gereinigt wird. Frank Lorenz ist mit der Kundenresonanz sehr zufrieden. In der Regel viermal am Tag muss er den Automaten neu bestücken. „Ich habe vorsichtig
mit einem Verkauf von 100 Litern täglich geplant“, sagt der Landwirt. Dass
es jetzt die doppelte Menge ist, freut ihn natürlich.

Ein bisschen Sorge bereitet ihm die große Nachfrage trotzdem. „Leider bietet der Hersteller kein Zusatzmodul an, mit dem ich den aktuellen Füllstand abrufen kann“, sagt Frank Lorenz. „Es gibt nur die Möglichkeit, eine Info aufs Handy geschickt zu bekommen, wenn die Kanne leer ist. Das nützt mir aber nichts, wenn ich da nicht gerade in der Nähe bin.“

Damit die Kunden immer ihre frische Milch bekommen und er trotzdem nicht ständig in der Nähe des Gerätes sein muss, soll der Automat im Herbst umgesetzt werden. Im Stallgebäude wird von Handwerkern dafür gerade ein neuer Raum hergerichtet. Der ist dann gefliest, was auch die Reinigung erleichtert, und soll neben dem Milch- und dem Flaschenautomaten auch noch einem Milchtank Platz bieten. Der wird mit dem Automaten verbunden und sorgt dann permanent für Nachschub.

Der Erfolg des Milchverkaufs auf dem Hof lässt Frank Lorenz indes über weitere Vermarktungsideen nachdenken. Etwa die Verarbeitung kleinerer Mengen Milch im eigenen Betrieb. Allerdings bergen solche Pläne viele Risiken. „Wenn wir Milch in größeren Märkten anbieten wollten, müssten wir diese pasteurisieren“, sagt Lorenz. „Aber dann ist es eben keine frische Milch mehr, wie hier auf dem Hof.“ Zudem müsste dann ein Pfandflaschensystem aufgebaut oder Tetrapaks befüllt werden. Doch die sind beim möglichen Kundenkreis eher weniger nachgefragt.

Eine andere Schiene wäre die Joghurtproduktion. Mit rein natürlichen Zutaten, ohne den bei der Großproduktion meist reichlich eingesetzten Zucker. „Die Frage ist aber auch hier, ob es genügend Nachfrage gibt.“ Entschieden sei daher noch nichts. Sicher ist indes, dass das Futter so umgestellt werden soll, dass es kein Gensoja mehr enthält und die Milch damit künftig als genfrei verkauft werden kann.

Milchautomat Volkersdorf, Moritzburger Straße 1, 01471 Radeburg/Volkersdorf