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Döbeln

Antennenmast wird zum Storch-Nistplatz 

In Mittelsachsen gibt es zehn Storchenpaare. Tendenz steigend. Auch in Steina sollen sie jetzt brüten können.

Frank Zieger vom Harthaer Bauhof und Jens Wagner vom Natur- und Freizeitzentrum Töpelwinkel haben die Plattform auf dem Mast montiert. Reisigbündel sollen die Attraktivität der Nisthilfe für den Storch erhöhen.
Frank Zieger vom Harthaer Bauhof und Jens Wagner vom Natur- und Freizeitzentrum Töpelwinkel haben die Plattform auf dem Mast montiert. Reisigbündel sollen die Attraktivität der Nisthilfe für den Storch erhöhen. © Dietmar Thomas

Döbeln. Manfred Jobst steht in seinem Garten und schaut nach oben. An einem Betonmast auf seinem Grundstück in Steina montieren zwei Männer eine Plattform aus soliden Balken. „Das war unser Antennenmast. Den haben wir in den 1980er Jahren aufgestellt. Das war ein Strommast der Energieversorgung“, erzählt er. 

Dort, wo früher Antennen für den Empfang der Westsender ARD und ZDF hingen, sollen bald Störche brüten. Als Ortsvorsteherin Carin Lau den Steinaer fragte, ob er den Mast für einen Storchenhorst zur Verfügung stellt, war er gleich einverstanden. „Das fehlt uns noch in unserem Streichelzoo. Wir sehen öfter Füchse. Und die Waschbären fressen den Katzen das Futter weg“, erzählt Jobst. Früher habe schon mal ein Storch auf dem Mast gesessen. Auch beim Nachbarn in der Linde, ohne aber zu brüten.

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Carin Lau ist auch Chefin des Natur- und Freizeitzentrums im Töpelwinkel. Sie betreut die Jungen Naturwächter und ist schon deshalb am Naturschutz interessiert. „Wir haben das ein bisschen initiiert. Unsere Jungen Naturwächter fahren immer mit dem Schulbus daran vorbei. Die sehen dann, wenn ein Storch gelandet ist.“ 

Schon länger sei geplant, in Steina einen Brutplatz für Störche einzurichten. Erst war ein anderer Standort im Gespräch. Dann entdeckte Kai Schaarschmidt den Betonmast auf der Höhe in Richtung Diedenhain. 

Ein idealer Standort. Schaarschmidt, im Brotberuf Zimmermann, ist Naturschutzhelfer und Storchenbetreuer im Landkreis Mittelsachsen. Er sieht gute Chancen, dass der Nistplatz angenommen wird. „Das kann in diesem oder in zehn Jahren sein. Das ist Natur“, meint er.

Sachsen liege in der Zugscheide der Weißstörche auf ihrem Weg in Richtung Westen. Über Spanien ziehen sie bis Afrika, blieben aber über den Winter öfter in Spanien hängen. „Die Störche haben dort super Nahrungsbedingungen. Dadurch entsteht ein Überschuss in der Population. Sie kommen fitter und zeitiger wieder zurück“, erzählt Schaarschmidt. 

Der Bestand an Storchen wachse. „Es werden auch Gebiete besiedelt, die nicht so optimal sind.“ So habe sich ein Brutpaar vor fünf Jahren in Burgstädt angesiedelt. „Im vergangenen Jahr haben sie zum ersten Mal vier Junge hochbekommen“, sagt der Naturschützer. 

Auch in Neuwallwitz bei Geringswalde hatte ein Paar im vorigen Jahr drei Jungstörche aufgezogen. Insgesamt gibt es im Landkreis Mittelsachsen zehn Brutpaare. Und das ziemlich breit verteilt. „Das ist der höchste Bestand, den wir je hatten“, so Schaarschmidt. Störche brüten auch in Polditz, Rochlitz, Altmittweida und Frankenberg.

Für die Jungenaufzucht brauchen Störche im Umkreis von zwei bis drei Kilometern ein ausreichendes Nahrungsangebot. „Dort gibt es für die Störche nichts“, sagt Schaarschmidt und zeigt auf die umliegenden Felder, die jetzt kahl, aber in der Brutsaison dicht bewachsen und damit für die Nahrungssuche unbrauchbar sind. Im Tal der Zschopau und der Mulde, auf Grünland und feuchten Wiesen findet der Storch, was er für seine Jungen braucht.

Harthas Bürgermeister Ronald Kunze (parteilos) war beim Aufbau der Nistmöglichkeit dabei. Er hatte vor etwa zwei Jahren Kontakt zu Schaarschmidt aufgenommen. „Früher muss es in Hartha schon Störche gegeben haben. Ältere Leute erzählen, dass es auf der Esse der ehemaligen Ziegelei ein Nest gab.“

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