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Antiquitätendieb erhält Bewährungsstrafe

Die Verhandlung um den Raub im Zittauer Antikladen ist jetzt zu Ende gegangen. Die Antiquitäten spielten beim jetzigen Urteil gar keine Rolle mehr.

© Peter Endig/dpa

Von Jens-Rüdiger Schubert

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Zittau. Nachdem das Görlitzer Landgericht im Fall des Raubes in einem Zittauer Antiquitätenladen vor gut zwei Jahren das Verfahren gegen zwei von drei mutmaßlichen Dieben eingestellt hatte, wurde nur noch gegen den Jüngsten weiterverhandelt. Zunächst hatte der Diebstahl aus dem Antikladen im Fokus der Anklage gestanden. Nachdem aber das Gericht zur Erkenntnis kam, dass die Beweislage gegen die Angeklagten dünn ist, wurde das Verfahren gegen Joachim Müller* und seinen Bruder Friedrich Müller* eingestellt (Die SZ berichtete).

Das Gericht ging dabei aber auch von prozessualen Gesichtspunkten aus. Da Joachim Müller derzeit aufgrund anderer Urteile noch bis 2020 in Haft sitzt, würde sich eine erneute Verurteilung gering auswirken. Jetzt saß sein 22-jähriger Neffe Tom Müller* allein auf der Anklagebank. Der Diebstahl in dem Antikhaus von Mitte Dezember 2015 war aber nur einer von fünf Anklagepunkten. Bei Tom Müller ging es auch um die Beteiligung beim Einbruch ins betreute Wohnen in Zittau vom November 2014, um eine Körperverletzung vom 3. Januar 2015, um Fahrraddiebstahl von Anfang Oktober 2014 in der Zittauer Rathenaustraße, um eine Sachbeschädigung, weil er am 22. August 2015 einen Opel Astra mit schwarzer Lackfarbe besprühte, um einen Einbruch in ein Haus in Zittau vom 23. August 2015 und eine Körperverletzung in der Lückendorfer Straße in Zittau vom 25. Oktober 2015. Nachdem sich Tom Müller zu Beginn des Prozesses nur auf eine der Körperverletzungen eingelassen hatte, gelang es dem Gericht, den Angeklagten während der Beweisaufnahme zu einem umfassenderen Geständnis zu bewegen. Aber, wie bei seinen beiden Onkels auch, war die Beweislage in Bezug auf das Antikhaus sehr dünn. Deshalb spielte der Vorfall letztlich beim Urteil keine Rolle mehr. Übrig blieben noch zwei Diebstähle. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Tom Müller Fahrräder und Handy gestohlen hatte. Der Gesamtwert der Beute wurde auf rund 850 Euro geschätzt. Nach der Beweisaufnahme plädierte die Staatsanwaltschaft dafür, Tom Müller zu einer Haftstrafe von 16 Monaten zu verurteilen. Dabei sollte das Jugendstrafrecht zur Anwendung kommen und die Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden. Die Verteidigung sah keinen Grund für eine Jugendstrafe und plädierte darauf, dass Auflagen und Weisungen zum Tragen kommen. Nach der Beratung folgte das Gericht nahezu beiden Anträgen. Es verurteilte Tom Müller, unter Einbezug eines anderen Urteils, zu einer Jugendstrafe von zwölf Monaten. Die Strafe wurde unter Auflagen auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Das Gericht sah beim Angeklagten keine schädliche Neigung, wohl aber erhebliche Entwicklungsdefizite. Zudem machte er den ungefestigten Eindruck eines Jugendlichen, der sich schnell auch zu strafbaren Handlungen anstiften oder verleiten lässt.

Nach Rechtskraft des Urteils muss Tom Müller die Konsequenzen aus seinem bisherigen Verhalten tragen. Einerseits die Bewährungsstrafe, die verstärkte staatliche Führung durch einen Bewährungshelfer, sowie die 80 Stunden gemeinnütziger Arbeit, die Tom Müller innerhalb von fünf Monaten, ab Rechtskraft des Urteils, ableisten muss. Und andererseits den Einzug des durch die Diebstähle erlangten Vermögensvorteils von knapp 850 Euro, um den sich die Staatsanwaltschaft zukünftig kümmern wird. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Offen bleibt allerdings die Verfolgung des Diebstahls im Zittauer Antikhaus vom Dezember 2015. Der Inhaber hatte den Wert der gestohlenen Gegenstände auf etwa 25 000 Euro beziffert. Da in diesem Verfahren die Beweislage der Ermittlungsbehörde mehr als dünn war, bleibt zwar der Hauch eines Verdachts, aber nichts Greifbares.

*Namen von der Redaktion geändert