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Antje Hermenau verlässt die Grünen

Sie ist Gründungsmitglied und gilt als Ikone der sächsischen Grünen, Antje Hermenau. Schon vor Monaten zog sie sich aus der aktiven Politik zurück. Jetzt kehrt sie der Partei ganz den Rücken. Das hat auch mit der CDU zu tun.

© dpa

Dresden. Die sächsische Grünen-Ikone Antje Hermenau tritt aus der Partei aus. „Nach einem Vierteljahrhundert verlasse ich die Grünen“, sagte die langjährige Fraktionsvorsitzende der Wochenzeitung „Die Zeit“. „Mein Versuch, mich an die Grünen anzupassen, ist gescheitert.“

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Hermenau, Grünen-Gründungsmitglied im Freistaat, hatte sich im September vergangenen Jahres bereits aus der aktiven Politik zurückgezogen, nachdem ihre Partei nach der Landtagswahl ein schwarz-grünes Bündnis ausgeschlossen hatte. Die 50-Jährige ist eine Verfechterin einer engeren Zusammenarbeit mit der CDU.

„Ich habe ein Vierteljahrhundert meines Lebens dafür gestritten, entspannt mit der CDU umzugehen“, sagte sie der „Zeit“. „Ein schwarz-grünes Bündnis ist für die Partei existenziell. Man muss das wirklich wollen, aus freien Stücken, und darf nicht wahltaktisch herummanövrieren. Aber dafür gibt es bei den Grünen einfach keine Mehrheiten.“ Sie halte den Kurs der Partei für falsch und fühle sich „politisch heimatlos“. Einen Eintritt in die CDU erwäge sie aber nicht.

Flath wusste es seit Monaten

Antje Hermenau - Urgestein der sächsischen Grünen

Der Name Antje Hermenau ist mit den Grünen in Sachsen so fest verbunden wie kein anderer. Die heute 50-Jährige ist in Leipzig geboren, war Gründungsmitglied der Partei im Freistaat und saß für sie schon von 1990 bis 1994 im ersten Sächsischen Landtag.

Als die Grünen danach den Wiedereinzug verpassten, wechselte sie in den Bundestag, kehrte zehn Jahre später zurück und führte ihre Partei als Spitzenkandidatin zurück ins Parlament an der Elbe. Bis zu den Landtagswahlen im vergangenen Jahr stand sie an der Spitze der Fraktion.

Als ihre Partei sich nach Sondierungsgesprächen mit der CDU gegen ein schwarz-grünes Bündnis in Sachsen aussprach, schmiss sie hin und verkündete ihr Ausscheiden aus der aktiven Politik. Seither ist die Sprachlehrerin und Verwaltungswissenschaftlerin selbstständig als Politikberaterin tätig.

Hermenau hat sich vor allem als Finanzexpertin einen Namen gemacht. Für ihren Anteil daran, dass der Freistaat inzwischen ein Neuverschuldungsverbot in seiner Verfassung verankert hat, wurde die Mutter eines schulpflichtigen Sohnes im Mai vergangenen Jahres mit der Sächsischen Verfassungsmedaille ausgezeichnet - zusammen mit den Fraktionschefs von CDU, SPD und FDP. (dpa)

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Grünen-Fraktionschef Volkmar Zschocke bedauerte den Parteiaustritt seiner langjährigen Vorgängerin. „Ich habe viel von ihr gelernt“, sagte er. „Sie wird uns nun mit ihrer langjährigen Erfahrung als Abgeordnete nicht mehr zur Verfügung stehen.“ Allerdings habe sich Antje Hermenau in vielen Punkten zunehmend von dem entfernt, was grüne Mehrheitsmeinung sei.

Ihr ehemaliger Amtskollege von der CDU, Steffen Flath, hat laut der Chemnitzer „Freien Presse“ offenbar seit Monaten von Hermenaus Absichten gewusst. „Ich habe seit September versucht, sie eher von diesem Schritt abzuhalten, in der Hoffnung, eine schwarz-grüne Regierungsoption zu erhalten“, sagte er laut einem Bericht. Aber sie lebe und handele nach der Devise „ganz oder gar nicht“. Flath und Hermenau gelten als befreundet.

„Antje Hermenau hat häufig über den grünen Tellerrand hinausgeschaut“, sagte der sächsische CDU-Generalsekretär Michael Kretschmer. „Auch ohne grünes Parteibuch hoffe ich, dass Antje Hermenau als ein streitbarer Geist für die sächsische Landespolitik erhalten bleibt.“ (dpa)

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