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Anwohner haben Ruine satt

Das Haus an der Rottwerndorfer Straße 6 verfällt. Das liegt auch an den Eigentumsverhältnissen. Die Stadt Pirna handelt jetzt.

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© Norbert Millauer

Von Mareike Huisinga

Pirna. Sonja Pick zeigt auf das Gebäude und schüttelt den Kopf. „Das sieht doch aus, als ob hier eine Bombe eingeschlagen hätte“, sagt die Anwohnerin der Mühlenstraße. Ganz unrecht hat sie mit dieser drastischen Einschätzung nicht. Das Haus an der Rottwerndorfer Straße 6 gleicht einer Ruine. Das Dach ist eingerissen, Wände sind zusammengestürzt. Unkraut wuchert auf dem gesamten Gelände. Von der Straße aus gibt es ebenfalls ein jämmerliches Bild. Eigentlich steht nur noch die Frontfassade.

Die Anwohnerin schämt sich fremd für den Anblick. „Oft werden wir von Passanten angesprochen, was das für ein Schandfleck sei“, erklärt Sonja Pick. Ebenso erbost ist ihr Nachbar Peter Wenk, der in dem Hinterhaus der Rottwerndorfer Straße 8 wohnt. „Es sieht schlimm aus“, sagt der Rentner. Ihn stört allerdings nicht nur die Optik. Schon öfter habe er bemerkt, dass sich Unbefugte Zutritt zu dem Gebäude verschafft haben. „Es wurde auch schon mal gekokelt“, sagt Wenk, der sich um die Sicherheit der Anwohner sorgt.

Wenk weiß einiges über die Geschichte des Hauses. Zu DDR-Zeiten hatte er als damaliger Bezirksschornsteinfegermeister das Erdgeschoss angemietet. Unter anderem befanden sich hier sein Büro, Umkleiden und Duschräume. Nach der politischen Wende von 1989 wurde das Gebäude dem Alteigentümer zugesprochen. Der verkaufte das Anwesen an einen Investor aus den alten Bundesländern. Nach Wenks Kenntnissen sei eine Sanierung geplant gewesen. „Doch offensichtlich zerschlug sich dieses Projekt“, sagt er. Die Mieter zogen nach und nach aus. Seit Anfang der 90er-Jahre stehe das Haus leer.

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Von dem Leerstand und dem Verfall ist seine Familie ganz unmittelbar betroffen. Denn seine Tochter, der Schwiegersohn und die zwei Enkel wohnen in dem Vorherhaus der Nummer 8. Die Ruine grenzt also direkt an das Wohnhaus der jungen Familie. Beide Häuser teilen sich eine Brandmauer. „Durch den kaputten Zustand der Nummer 6 dringt auch Feuchtigkeit in das Haus meiner Tochter“, sagt Wenk. Der Putz im Hausflur sei aus diesem Grunde schon abgebröckelt. Ebenso gebe es eine feuchte Stelle in der eingemieteten Bäckerfiliale, die sich im vorderen Bereich der Nummer 8 befindet. Die Familie habe alles dokumentiert und sich bereits an die Stadtverwaltung Pirna gewandt. „Wir hoffen, dass sie den Eigentümer auffordert, zu handeln“,sagt Peter Wenk. Der Wunsch der Nachbarn ist offensichtlich. „Entweder muss das Gebäude abgerissen oder instandgesetzt werden. So kann es jedenfalls nicht bleiben“, betont Wenk und seine Nachbarin nickt.

Die Stadtverwaltung Pirna ist an dem Problemgebäude bereits dran. Da Gefahr im Verzug war, ließ sie im März das Dach einreißen und einen Sicherheitszaun aufstellen, informiert Stadtsprecher Thomas Gockel. Es handele sich dabei um eine sogenannte Ersatzvornahme. „Momentan geht keine Gefahr von dem Grundstück aus“, betont Gockel. Das Problem sei, dass keine klaren Eigentumsverhältnisse vorliegen. Die Stadt versuche, den Kontakt mit den Besitzern aufzunehmen, so der Sprecher. Bislang ohne Erfolg.

Das hört Sonja Pick nicht gerne. „Wie lange müssen wir diesen Anblick noch ertragen?“, fragt sie sich.