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Anwohner machen gegen Kahlschlag mobil

Am Stresemannplatz wurde die Säge gestoppt. Fünf von acht Kastanien können stehen bleiben. Woanders aber wird gefällt.

© Norbert Neumann

Von Kay Haufe und Nora Domschke

Wenn Bäume vor der Haustür fallen, lässt das die wenigsten Dresdner kalt. Viele erfreuen sich am Grün, das im Sommer Schatten spendet und Lebensraum für Tiere bietet. Hinzu kommt, dass viele alte und große Bäume den Charakter eines Stadtteils entscheidend prägen. Deshalb ist es für viele ein geradezu persönlicher Einschnitt, wenn ein Baum der Säge zum Opfer fällt. Diese Entscheidung trifft jedoch nie ein Mitarbeiter des Amtes für Stadtgrün allein, wie Amtsleiter Detlef Thiel erklärt. Vor der Fällung stehe ein langer Weg. „Zuerst schätzt ein Kontrolleur den Zustand des Baumes ein. Ist der schlecht, werden Pflege- und Schnittmaßnahmen veranlasst. Nur wenn das nichts bringt oder der Baum in naher Zeit umzustürzen droht, entscheiden wir, ihn zu fällen“, sagt der Amtsleiter. Das sei stets eine Zwei-Personen-Entscheidung. Sind sich die Mitarbeiter unsicher, wird außerdem ein externer Gutachter hinzugezogen. Das sei im vergangenen Jahr aber nur in 42 Fällen, und damit sehr selten passiert, so Thiel. Manchmal machten es allerdings Bauvorhaben notwendig zu fällen.

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Rettung in letzter Minute: Kastanien am Stresemannplatz bleiben stehen

Im konkreten Fall des Stresemannplatzes konnte Detlef Thiel am Mittwochabend in der Sitzung des Blasewitzer Ortsbeirates eine gute Nachricht verkünden. Dort sollten im Oktober vergangenen Jahres 14 große, etwa 100 Jahre alte Kastanien gefällt werden. Reiner Doepelt, der seit 43 Jahren am Stresemannplatz wohnt, schritt damals ein und bewegte die Arbeiter zum Aufhören. Kurz danach wurde in einer Bürgerversammlung vor Ort mit Thiel festgelegt, dass die acht noch verbliebenen Bäume von einem Gutachter auf ihre weitere Lebenserwartung untersucht werden sollen. Inzwischen steht fest, dass fünf von ihnen zunächst stehenbleiben können. Zwei von ihnen haben laut Gutachter noch eine Lebenserwartung von bis zu zehn Jahren, andere könnten länger bestehen. Leider habe sich bei der Untersuchung gezeigt, dass ein Baum von einer Rindenkrankheit befallen ist, die vor allem den neu gepflanzten Bäumen gefährlich werden kann. Mit regelmäßigen Kontrollen soll der Zustand des Baumes ständig überprüft werden.

Fällung beschlossen: Linden in Striesen und Strehlen sind zu krank

Keine Rettung gibt es indes für zwei großen Linden in Striesen und Strehlen. Bei dem Baum auf der Glasewaldtstraße in Höhe der Hausnummern 20 bis 24 wurden bei einer Kontrolle erste Symptome einer Krankheit festgestellt. Bei einer sogenannten Bohrwiderstandsmessung bestätigte sich, dass die Rinde nicht mehr tragfähig genug ist und der Baum umzustürzen droht. Um den Autoverkehr und die Fußgänger nicht zu gefährden, müsse der Baum gefällt werden, sagt Thiel. Derzeit wird geprüft, ob die kahle Stelle am Straßenrand neu bepflanzt werden kann. Das gleiche Schicksal wird nun eine Linde in der Gustav-Adolf-Straße ereilen. Der große Baum mitten im Strehlener Villenviertel muss demnächst ebenfalls aus Sicherheitsgründen fallen. Auch für ihn sei ein Gutachten erarbeitet worden.

Neupflanzungen nicht geplant: Anwohner ärgern sich über Stümpfe

Im Frühjahr 2014 wurden entlang der Tronitzer Straße in Zschieren neue Bäume gepflanzt. Wenige Monate später wurden elf von ihnen von Unbekannten abgesägt. Warum, ist bislang ungeklärt. Der Schaden beläuft sich auf 25 000 Euro – Geld, das die Stadt an dieser Stelle nicht noch einmal investieren will. Nun fordern die Anwohner, dass die Baumstümpfe entfernt werden, damit der Seitenstreifen wenigstens als Gehweg genutzt werden kann. Der fehlt auf diesem Abschnitt der Straße. Über fehlendes Grün ärgert sich Heidi Gärtner seit Jahren. Vor ihrer Haustür in der Lockwitztalstraße 21 wurden mehrere Linden gefällt – ebenfalls aus Sicherheitsgründen. Derzeit lässt die Stadt prüfen, ob fünf neue Bäume gepflanzt werden können.