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Anwohner wollen Tempo 10

In der Hotherstraße ist es für Passanten kreuzgefährlich, klagen Anwohner. Alles im grünen Bereich, sagt aber die Stadt.

© Pawel Sosnowski/80studio.net

Von Daniela Pfeiffer

Die eigene Tochter hat es schon erwischt. Trat aus der Tür und wurde von einem Radfahrer angefahren. Zum Glück ist nichts weiter passiert. Aber der Vorfall mit seiner Tochter ist nicht der erste auf der Hotherstraße, über den Andreas Neumann-Nochten zu berichten weiß. Erst vor Kurzem sei wieder ein Kind von einem Auto erfasst worden, auch da mit glimpflichem Ausgang. Neumann-Nochten ist Anwohner und CDU-Stadtrat und möchte, dass die Gefahren dieser Straße endlich mal ernst genommen und beseitigt werden. Da geht es nicht nur um die Enge der Einbahnstraße, die für viele Autofahrer eine gute Umfahrung der Innenstadt und ein schneller Weg nach Königshufen oder Ludwigsdorf darstellt. Sondern auch um die Geschwindigkeit. Zwar gilt hier nur Tempo 30. Aber daran halten sich viele nicht, so der Eindruck der Anwohner. Die Geschwindigkeit werde außerdem zu selten kontrolliert. Noch gefährlicher mache die Situation, dass der Neißeradweg auf der schmalen Straße verläuft, und zwar in gegensätzlicher Richtung zum Verlauf der Einbahnstraße. Zwar gibt es auf beiden Seiten der Hotherstraße einen schmalen Fußweg. Aufgrund des Parkplatzmangels ist der aber oft zugeparkt, weiß Anwohner Ludwig Stalf. „Und dann kommt man wieder mit dem Fahrrad nicht aus dem Haus raus.“ Im Moment ist die Lage noch verschärfter, weil der Fußweg auf einer Seite wegen Bauarbeiten gesperrt ist. Darüber hätten die Anwohner nicht mal Bescheid bekommen, schimpfen beide Herren.

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Ein weiterer Anwohner, der die Situation ebenfalls arg bedenklich findet, hat sich die Mühe einer eigenen Verkehrszählung gemacht. Zehn Tage lang hat er zu den Stoßzeiten jedes Fahrzeug erfasst. 160 bis 200 Autos und Lkw pro Stunde hat er gezählt. Auch Andreas Neumann-Nochten hat noch mal gezählt, auch er kommt auf 1 800 bis 2 400 Fahrzeuge täglich. Zu viel für die schmale Straße, in der jedes Haus unter Denkmalschutz steht. Keine andere Straße mit so hoher Denkmalstufe sei dem Verkehr so ausgesetzt und das in einem reinen Wohngebiet, wo in den vergangenen Jahren sehr viele junge Familien hergezogen sind. Neumann-Nochten plädiert nicht nur für Tempo 10, sondern fordert sogar eine verkehrsberuhigte Zone einzurichten – und zwar bis zum Stadtpark. Gerade in Höhe des Spielplatzes sei die Gefahr nämlich ähnlich groß.

Die Chancen sind eher gering, wenn man hört, wie das Rathaus die Sache bewertet. Man habe die Schilderungen überprüft, heißt es von Ordnungsamt und Sachgebiet Straßenverkehr. Zum Glück seien sie nicht bestätigt worden. 2015 habe es laut Polizei keinen Unfall gegeben, 2016 sei ein Radfahrer selbstverschuldet gegen einen Baustellencontainer gefahren und verletzte sich. Ende August habe in Höhe Vierradenmühle ein Radfahrer eine Fußgängerin angefahren, die gerade die Straße überschreiten wollte. Es seien überhaupt keine Unfälle mit Autos registriert, auch keine, bei denen Kinder von Fahrzeugen erfasst wurden. Zwei Geschwindigkeitsmessungen in diesem Jahr hätten nur geringe Verstöße nachgewiesen. Am 10. August wurden demnach von 47 Fahrzeugen nur zwei festgestellt, die schneller als 40 km/h waren. Am 21. August wurden in zwei Stunden 234 Fahrzeugen registriert, bei „fünf verwertbaren Übertretungen“. Unter diesen Bedingungen dürfe derzeit kein Tempo 20 angeordnet werden. „Dies ist nach der Sach- und Faktenlage nicht erforderlich. Die vorhandene Tempo 30-Zone ermöglicht einen normalen Verkehrsablauf, ohne dass eine besondere Gefahrenlage in der Hotherstraße herrscht“, heißt es. Eine Langzeitmessung vom 29. Juli bis 2. August sei noch nicht ausgewertet, mit dem Ergebnis wird Ende Oktober gerechnet. Weitere Langzeitmessungen seien in der Überlegung. Das ist für die Anwohner immerhin ein Hoffnungsschimmer. Andreas Neumann-Nochten und Ludwig Stalf jedenfalls wollen so schnell nicht aufgeben. „Sonst ist es nur eine Frage der Zeit, bis Schlimmeres passiert“, sagt Ludwig Stalf.