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Sein Revier: „Alles, was Schuppen hat“

Vom Falschen Chamäleon bis zum Sunda-Gavial: Die vielfältigen Schützlinge von Michael Hoffmann sind im Zoo verteilt.

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Im Revier von Michael Hoffmann leben unter anderem die Falschen Chamäleons.
Im Revier von Michael Hoffmann leben unter anderem die Falschen Chamäleons. © Sven Ellger

Bis auf die Körperform hat es mit seinem „echten“ Namensvetter wenig zu tun: Das Falsche Chamäleon ist kleiner, hat keine so auffällige Zunge und kann seine Farbe nur geringfügig ändern. „Das heißt jedoch nicht, dass es weniger spannend ist“, sagt Revierleiter Michael Hoffmann. „Unsere Scouts zeigen die Tiere gern bei Zooführungen und Kindergeburtstagen.“

Ihre natürliche Heimat haben die Falschen Chamäleons auf Kuba; in europäischen Zoos werden sie nur ganz selten gehalten. Michael Hoffmann betreut die Art in Dresden seit 2004. „Das derzeitige Pärchen kam erst im vergangenen Jahr von privaten Züchtern. Trotzdem hat es schon mehrfach für Nachwuchs gesorgt.“

Das Weibchen, so der Revierleiter, legt in Abständen jeweils nur ein Ei, das dann 37 Tage bei 29 Grad im Brüter bleibt. Schon kurz nach dem Schlüpfen können die Jungtiere selbstständig fressen und bekommen Schnecken wie ihre Eltern. „Die sammeln wir bei günstigem Wetter an speziellen Plätzen im Zoo. Für trockene Tage bewahren wir sie im Kühlschrank auf – und für den Winter in der Tiefkühltruhe.“

Die Falschen Chamäleons im Zoo Dresden haben schon mehrfach für Nachwuchs gesorgt.
Die Falschen Chamäleons im Zoo Dresden haben schon mehrfach für Nachwuchs gesorgt. © Sven Ellger

Viel auf Achse

Nicht nur die Falschen Chamäleons sorgen dafür, dass Hoffmann und seine beiden Kollegen viel auf Achse sind und nicht ohne Fahrräder auskommen würden. Von den über 30 verschiedenen Arten, die sie betreuen, leben längst nicht alle im Terrarium selbst. Zu den „Externen“ gehören etliche Fische, die Riesenschildkröten, die Präriehunde – und allen voran der Sunda-Gavial De Gaulle im Prof. Brandes-Haus.

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Er ist nicht nur der größte und prominenteste unter Hoffmanns Schützlingen, sondern auch der einzige, der die Stimme seines Betreuers erkennt. „Ganz so gut wie Max reagiert er allerdings nicht“, sagt der Revierleiter und meint damit das 2015 verstorbene Leistenkrokodil. Mit ihm verbinden sich besonders viele Erinnerungen aus Hoffmanns 43 Arbeitsjahren im Zoo Dresden: „Max war zuletzt 4,90 Meter lang, so was erlebt man nicht noch mal. Sein Umzug aus dem Terrarium ins Prof. Brandes-Haus war ein Großereignis. Schließlich musste er ganz behutsam an die Transportkiste gewöhnt und mit Futter hineingelockt werden.“ Max‘ Tod und die Anteilnahme der Dresdner berührten Michael Hoffmann sehr: „Ich bin sogar mit nach Berlin zum Sezieren gefahren.“

Nie langweilig

Ins Schwärmen gerät der 66-Jährige auch, wenn er vom Tierpflegeraustausch 1995 in Columbus/Ohio erzählt oder von der „Amtshilfe“ fürs Landeskriminalamt, als ein Verdächtiger mit einer Grünen Mamba drohte: „Die entpuppte sich dann als harmlose Würgeschlange.“ Ebenso gern unterstützte er Ärzte bei der Therapie von Phobien und unterwies die Tierretter der Feuerwehr – doch auch im ganz normalen Alltag sei es in seinem Revier niemals langweilig.

„Jeder Tag ist anders, und man weiß vorher nie genau, was einen erwartet“, fasst Michael Hoffmann zusammen. Wohl auch deshalb ist er „allem, was Schuppen hat“ von seiner Ausbildung im Tierpark Berlin bis heute fast durchgehend treu geblieben.

Und der Abschied wird sicher nicht ganz leicht: Noch in diesem Monat hat der mittlerweile älteste Tierpfleger im Zoo seinen letzten Arbeitstag.

Kontakt und weitere Informationen

Zoo Dresden GmbH
Tiergartenstraße 1
01219 Dresden

Telefon 0351 - 47 80 60
[email protected]
www.zoo-dresden.de

Hier geht es zur Zoowelt auf sächsische.de