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Professorin an der TU Dresden und Familienleben

Familie und Forschung lassen sich wunderbar kombinieren, beweist Juniorprofessorin Merle Fairhurst.

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Merle Fairhurst arbeitet als
Neurowissenschaftlerin an
der TU Dresden.
Merle Fairhurst arbeitet als Neurowissenschaftlerin an der TU Dresden. © null

Merle Fairhurst könnte heute auch auf der Opernbühne stehen. Schließlich studierte sie an der renommierten Juilliard School of Music in New York klassischen Gesang. Sie liebt die Musik. Ihre Leidenschaft für die Wissenschaft war jedoch stärker. „Musik ist etwas für die Liebe, aber nicht für das Leben“ – so empfindet es die promovierte Neurowissenschaftlerin.

An der TU Dresden arbeitet sie heute als Juniorprofessorin an der Professur für Akustik und Haptik. Im Zentrum ihrer Forschung stehen die menschlichen Sinne. Sie möchte verstehen, wie wir die Welt um uns herum wahrnehmen und was unsere Beziehungen zu anderen Menschen beeinflusst: „Dass ich das alles hier an der TU Dresden tun darf, ist ein Jackpot.“ Merle Fairhurst hat die Welt gesehen. Geboren und aufgewachsen ist sie in Südafrika. Später lebte sie auch in der Schweiz und Hongkong. Im Anschluss an die Gesangsausbildung in New York ging sie nach England. An der berühmten Universität von Oxford studierte sie Physiologie, beschäftigte sich intensiv mit den natürlichen Prozessen in Organismen. In Oxford lernt sie die Neurowissenschaftlerin und Professorin Irene Tracey kennen, bei der sie später Doktorandin wird. Für ihre Arbeit nutzt Tracey MRT-Aufnahmen, um die Vorgänge im Gehirn zu erforschen. Merle Fairhurst beschäftigt sich in ihrer Doktorarbeit mit dem Thema Schmerz und was bei solchen Empfindungen im Hirn passiert. „Das war unglaublich spannend“, sagt sie. Das Zusammentreffen mit Irene Tracey prägt nicht nur ihr wissenschaftliches Leben. Die Professorin ist Mutter dreier Kinder. „Sie war der Beweis, dass sich Forschung, Karriere und ein Familienleben nicht ausschließen.“ Die Familie ist Merle Fairhurst sehr wichtig. Nach vielen Jahren, die sie rundum den Erdball führten, sehnte sie sich nach Heimat. 2007 kam sie mit ihrem Mann, den Kindern und den Großeltern nach Sachsen. „Ich liebe den Freistaat und die Menschen hier.“

In der Nähe von Wurzen kauften sie ein altes Herrenhaus. Dort ist heute auch genug Platz für die fünf Kinder. „Die Ruhe dort und die Möglichkeit, Zeit für meine Familie zu haben, das ist einfach ein riesiges Glück für mich.“ Sie liebt ihre Arbeit, aber die Familie darf den Takt vorgeben. Wenn Kindergeburtstage oder ein Zuckertütenfest anstehen, ist sie dabei. Dann arbeitet sie eben noch bis in die späten Abendstunden hinein. „Diese Freiheit zu haben, das genieße ich.“

Die Nähe zu Menschen ist ihr wichtig. Ihr aktuelles Thema überrascht deshalb nicht. Sie beschäftigt sich mit Berührungen und dem, was sie auslösen. Welche Mechanismen laufen ab? Und was passiert, wenn wir uns, wie etwa in Zeiten von Corona, einsam fühlen, weil uns Begegnungen und Berührungen fehlen? „Wenn wir all das besser verstehen, können wir es beispielsweise bei der Behandlung von Depressionen oder Schizophrenie nutzen.“ Sie spricht deshalb von Berührungsmedizin. Die Bedingungen all das zu ergründen, seien an der TU Dresden perfekt.

Die Zukunft könnte noch ganz andere Dinge möglich machen. Merle Fairhurst ist Teil des Exzellenzclusters CeTI, des „Zentrums für taktiles Internet mit Mensch-Maschine-Interaktion“ der TU Dresden. Auch dort geht es um Berührungen, um die Frage, wie sie in neuen Technologien Anwendung finden. „Wir arbeiten an einer Weste für die Physiotherapie“, erklärt sie. Der Therapeut müsste nicht mehr direkt beim Patienten sein, könnte sie daheim über Kamera und Bildschirm sehen. Über die Weste könnten die Patienten seine Berührungen auch über große Distanzen hinweg spüren. Ganz ohne Musik geht es dann aber doch nicht. Selbst zu musizieren, dafür fehlt ihr heute die Zeit. „Aber ich singe meinen Kindern vor.“ Das inspirierte sie wohl zu einem aktuellen Forschungsprojekt. Sie und ihr Team wollen herausfinden, welche Rolle Berührungen und Singen beim abendlichen Einschlaflied spielen.

© TU Dresden