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Festivalstimmung in der Lausitz

80 Veranstaltungen an 50 Orten: Das Lausitz Festival will Kultur erlebbbar machen. Mit Vielfalt, bekannten Namen und dem feinen Gespür für Zwischentöne.

Opernstar Elīna Garanča ist bekannt für ihre begeisternden Auftritte. Mit ihrem Konzert im Staatstheater Cottbus startet das Lausitz Festival am 25. August.
Opernstar Elīna Garanča ist bekannt für ihre begeisternden Auftritte. Mit ihrem Konzert im Staatstheater Cottbus startet das Lausitz Festival am 25. August. © PR

Was haben Frauen aus Kamerun mit der großen Philosophin Hannah Arendt gemeinsam? Wo treffen sich die Schauspiel-Ikone Iris Berben und der Jazz-Posaunen-Virtuose Nils Wogram? Wie finden junge Poeten, Klavierromantik und Lesungen über Allzumenschliches eine gemeinsame Bühne? Die Antwort gibt es vom 25. August bis 18. September an 50 Orten in der Lausitz. Das Lausitz Festival findet zum zweiten Mal länderübergreifend statt und will zeigen, welche künstlerischen Impulse aus dem Osten Sachsens und dem Süden Brandenburgs kommen. Dabei steht der Austausch über Grenzen hinweg immer im Fokus. Kunst lebt von Begegnung, von Inspiration und Vielfalt.

Das Lausitz Festival will eben dieses auf Kunst und Kultur begründetes Selbstverständnis fördern. Ob Konzert, Theater, Liederabend, Jazz, Ausstellung, Film, Gespräch oder Lesung - das Programm ist mit knapp 80 Veranstaltungen gut gefüllt. Vor allem aber zeigt es eine beeindruckende Bandbreite, die bekannte Stars und Nachwuchskünstler ebenso selbstverständlich vereint wie die großen Themen unserer Zeit. Politik und Geschichte, Debatten und Zweifel - Kunst lebt nicht zuletzt auch von den Widersprüchen im Großen und im Kleinen.

Nicht von ungefähr lautet das diesjährige Motto "Zwischensamkeit". Ein Kunstwort, das zum Nachdenken und Nachspüren anregen will. Festival-Intendant Daniel Kühnel erklärt es so: "Auch wenn diese Wortneuschöpfung so natürlich klingt wie Aufmerksamkeit, Einsamkeit, Wirksamkeit oder Achtsamkeit, irritiert das Wort, das keine Richtung oder Bewegung vorgibt, sondern vielmehr einen Zustand beschreibt, der den Moment des Erstaunens ob der Realisation bevorstehender Veränderungen einfängt."

Und so will das Festival im Südosten Deutschlands auch Mut zur Leichtigkeit machen - und Plädoyer sein für die Inspiration über innere und äußere Grenzen hinweg.

Das bietet das Lausitz Festival (Auswahl):

Argentinisches Lebensgefühl in der Oberlausitz

Gidon Kremer und seine Kremerata Baltica sind gleich zwei Mal beim Lausitz Festival zu erleben
Gidon Kremer und seine Kremerata Baltica sind gleich zwei Mal beim Lausitz Festival zu erleben © PR

Für Tanzliebhaber ist er der Inbegriff des argentinischen Tango Nuevo: Der Komponist und Bandoneon-Spieler Astor Piazzolla hätte in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert. Gidon Kremer und seine Kremerata Baltica würdigen den wohl berühmtesten Argentinier neben Diego Maradona mit einem Konzert. 2018 hatte der Geiger mit der Neueinspielung der Piazzolla-Oper "María de Buenos Aires" begeistert. Nun präsentiert er gemeinsam mit der Kremerata Baltica einen Querschnitt durch das Werk Piazzollas.

29. August, 18.30 Uhr Dorfkirche Cunewalde, Gidon Kremer und Kremerata Baltica sind außerdem am 31. August ab 19.30 Uhr mit Werken von Kancheli, Pärt und Vasks in der Klosterkirche Guben zu erleben.

Wenn Pop und Jazz zusammentreffen

Das Tingvall-Trio kommt nach Zittau.
Das Tingvall-Trio kommt nach Zittau. © PR

Martin Tingvall, Omar Rodriguez Calvo, Jürgen Spiegel bringen Vielfalt und Esprit auf jede Bühne. Der Schwede, der Kubaner und der Deutsche erschaffen gemeinsam ihren ganz eigenen, unverwechselbaren Sound aus melodischer Eleganz und energetischen Rhythmen, ohne die Nähe zu Rock oder Pop zu scheuen. Als Jazz-Trio befinden sie sich seit 18 Jahren auf Erfolgskurs - drei ECHOS und sechs Jazz Awards zeigen, dass hier echte Spitzenkünstler auf der Bühne stehen.

29. August, 18 Uhr Freilichtbühne Weinau, Zittau

Posaunen-Virtuose in Hoyerswerda

Nils Wogram kommt nach Hoyerswerda,
Nils Wogram kommt nach Hoyerswerda, © PR

Nils Wogram gilt als der bekannteste Posaunenvirtuose in der deutschen Jazzlandschaft. Auf seinem Instrument beherrscht er eine atemberaubende Bandbreite an Techniken und Zwischentönen. Sein Ende 2020 erschienenes Album "Bright Lights" zeigte das bereits eindrucksvoll. In der Lausitzhalle Hoyerswerda wird Wogram sowohl solistisch als auch mit seinem Quartett »Root 70« auftreten.

30. August, 19.30 Uhr, Lausitzhalle Hoyerswerda

Hannah Arendt im doppelten Register

Die Philosophin Juliane Rebentisch fragt mit Bezug auf Hannah Arendt nach der demokratischen Öffentlichkeit.
Die Philosophin Juliane Rebentisch fragt mit Bezug auf Hannah Arendt nach der demokratischen Öffentlichkeit. © PR

Sie ist eine Ikone der Philosophie und war überdies aufmerksame Chronistin ihrer Zeit. Hannah Arendt, streitbare Intellektuelle und kluge Theoretikerin, hat viele bis heute aktuelle Thesen und Einschätzungen abgegeben. Einige der kulturkritischen Interventionen Arendts können in einem doppelten Register verstanden werden. Der Vortrag der Philosophin Juliane Rebentisch an der Hochschule Cottbus-Senftenberg geht in diesem Zusammenhang auch der brandaktuellen Frage nach einer demokratischen Öffentlichkeit nach.

2. September, 17 Uhr BTU Cottbus-Senftenberg

Iris Berben liest Granach

Schauspierin Iris Berben kommt nach Cottbus.
Schauspierin Iris Berben kommt nach Cottbus. © PR

Sie gehört zu den mit Abstand bekanntesten und erfolgreichsten Schauspielerinnen in Deutschland. Iris Berben wurde vielfach ausgezeichnet – nicht nur für ihre Arbeit, sondern auch für ihre klare Positionierung gegen Antisemitismus und für Toleranz. Beim Lausitz Festival liest sie aus Alexander Granachs Autobiografie "Da geht ein Mensch". Erzählt wird die Geschichte des jüdischen Bauernjungen aus einem ostgalizischen Schtetl über den gefeierten Theatermimen und expressionistischen Stummfilmstar bis hin zu seiner Zeit in Hollywood erzählt.

2. September, 19.30 Uhr Filmtheater Weltspiegel Cottbus

Von Indien über New York nach Löbau

Kaushiki Chakraborty trat schon der Carnegie Hall in New York auf.
Kaushiki Chakraborty trat schon der Carnegie Hall in New York auf. © PR

Sie ist eine Meisterin ihres Fachs: Kaushiki Chakraborty ist eine der bekanntesten und meisterhaftesten Interpretinnen des klassischen indischen Gesangs. Begleitet von ihren musikalischen Partnern auf dem Harmonium, der Tanpura (indische Langhalslaute) und der Tabla (indische Trommel), bewegt sie sich gleichermaßen stilsicher in der Hindustani-Tradition wie in der Karnatischen Musik. Chakrabortys trat bereits in der Carnegie Hall in New York oder in der Milton Court Concert Hall in London auf. Sie ist Preisträgerin des BBC Radio 3 World Music Awards.

4. September, 19:30 Schlosstheater im Neuen Palais Potsdam und 5. September, 18.30 Uhr Kulturzentrum Johanniskirche Löbau

Allzumenschliches im Bildungsgut

Schauspieler Roman Knižka nimmt gemeinsam mit Thomas Arnold am Lausitz Festival teil.
Schauspieler Roman Knižka nimmt gemeinsam mit Thomas Arnold am Lausitz Festival teil. © Tom Solo

Auf anderes Terrain begeben sich die besonders durch das Fernsehen bekannten Schauspieler Roman Knižka aus Bautzen und Thomas Arnold aus Freiberg. In ihrer Lesung widmen sich beide jüdischen Autoren wie Stefan Zweig und Joseph Roth. Sie erwecken die Erzählungen von Isaac Bashevis Singer und Scholem Alejchem zu Leben und wollen die ganze Vielfalt des menschlichen Lebens in ernsthafter Reflexion und charmant gewitzten Geschichten aufzeigen.

7. September, 19.30 Uhr Bildungsgut Schmochtitz

Poetische Liebeserklärung im Film

Marina Zwetajewas "Über Deutschland" von 1919 ist Grundlage eines besondern Films.
Marina Zwetajewas "Über Deutschland" von 1919 ist Grundlage eines besondern Films. © Marina-Zwetajewa-Museum Moskau

Der Lausitzer Produzent Reiner J. Nagel hat gemeinsam mit dem Filmemacher Bernhard Sallmann die Filmbiographie eines Textes kreiert. Marina Zwetajewas "Über Deutschland" von 1919 ist eine poetische Liebeserklärung. Der Film ist nach Aussage der Veranstalter "kein Film über Zwetajewa und auch nicht ein Film über Deutschland, sondern eine unmögliche, aber notwendige Liebeserklärung, die uns von einer unsagbaren 'Zwischensamkeit' erzählt, die gerade in der Lausitz sehr aktuell scheint."

10. September, 20.30 Uhr Evangelisch Lutherische Kirche Crostau

Weltklasse-Pianistin zum zweiten Mal dabei

Martha Argerich setzt auf die Sprache der Musik.
Martha Argerich setzt auf die Sprache der Musik. © PR

Sie ist eine Pianistin von Weltformat: Martha Argerich weiß "Musik sagt uns, was keine andere Sprache sagen kann. Daran müssen wir uns gerade jetzt erinnern." Nach ihren umjubelten Auftritten beim letztjährigen Festival kommt die Künstlerin dieses Mal mit dem romantischen Klavierkonzert von Schumann in die Lausitz und wird erstmals zusammen mit dem Philharmonischen Orchester des Staatstheaters Cottbus spielen.

11. September, 19.30 Uhr Großes Haus, Staatstheater Cottbus

Wie das Haus des Schweigens eine Stimme bekommt

Eine Musiktheaterinszenierung von Aron Kitzig widmet sich dem Gefängnis Bautzen 2.
Eine Musiktheaterinszenierung von Aron Kitzig widmet sich dem Gefängnis Bautzen 2. © PR

"Ab nach Bautzen" - Worte, die das Schicksal zahlreicher politischer Gefangener in der DDR besiegelten. Die besondere Geschichte des ehemaligen Gefängnisses Bautzen 2 wird beim Lausitz Festival zum Hinter- und Vordergrund einer Musiktheaterinszenierung von Aron Kitzig. Grundlage sind Interviews mit ehemaligen Gefangenen über ihre Träume während und nach der Gefangenschaft. Durch die Kraft der Musik von Salvatore Sciarrino, Olivier Messiaen und Peter Maxwell Davies bekommt das einstige "Haus des Schweigens" eine eigene Stimme.

17. September, 19.30 Uhr Gedenkstätte Bautzen

Infos zu allen Veranstaltungen und Tickets gibt es hier.