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Ein Schuppen, eine Schreibmaschine und ganz viel Gründergeist

Oder: Wie Steffen Hillig über Umwege zum Küchenhaus-Inhaber wurde.

Steffen Hillig (2. v. r.) gründete 1990 das Unternehmen.
Steffen Hillig (2. v. r.) gründete 1990 das Unternehmen. © Küchenhaus Hillig

Das für den Osten Deutschlands wichtigste Jahr des vergangenen Jahrhunderts war rückblickend sicher 1989: Grenzöffnung in Ungarn, Demonstrationen, ein turbulenter Wendeherbst, der in der Öffnung der innerdeutschen Grenze gipfelte. Für die ostdeutschen Unternehmer aber war das Jahr 1990 mindestens genauso wichtig. Denn erst mit der Einführung der D-Mark auf dem Gebiet der Noch-DDR und der drei Monate später erfolgten deutschen Wiedervereinigung konnten geschäftstüchtige Ostdeutsche das lähmende Kleinklein der Planwirtschaft endgültig hinter sich lassen und in eine vielversprechende Zukunft starten.

Steffen Hillig, Inhaber des Dresdner Küchenhauses gleichen Namens, ist hier keine Ausnahme. Er gründete sein Unternehmen exakt am Tag der Währungsunion, also am 1. Juli 1990. Die ersten Monate seiner Unternehmerexistenz waren – wie bei so vielen „Neustartern“ der damaligen Zeit – geprägt von Gründergeist, kreativem Chaos und vielen Erlebnissen, die noch immer anekdotentauglich sind. „Ich wollte mich schon immer selbständig machen“, sagt Steffen Hillig, „aber hatte kaum Startkapital für mein Unternehmen. Ich ging also zu einer Bank, und schrieb dann auf einer alten Erika-Schreibmaschine ein sehr laienhaftes Konzept. Innerhalb von vier Wochen bekam ich ohne jegliche Probleme das Geld, und es konnte losgehen“.

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Die gute Stube des 21. Jahrhunderts
Die gute Stube des 21. Jahrhunderts

Die Küche wird immer mehr zum Zentrum der Wohnung. Küchenhaus-Inhaber Steffen Hillig weiß, warum.

Bescheidener Start, große Resonanz

Die Küche stand im ersten Jahr der Selbständigkeit noch gar nicht im Fokus – Steffen Hillig handelte zunächst mit Elektrogeräten aller Art. „Man kann sich das heute kaum noch vorstellen, aber mein erstes Ladengeschäft war der Schuppen auf unserem Grundstück. Die einzige Werbung war Mundpropaganda und eine Anzeige in der MOPO, und schon standen die Leute bei mir Schlange“, erinnert sich der Küchenhaus-Inhaber, der gelernter Maschinen- und Anlagenmonteur ist, später aber auch als Elektronikfacharbeiter und Flugzeugmechaniker tätig war.

Das Technische hat Steffen Hilligs Leben also auf vielfältige Weise immer begleitet. Wann aber bog er endgültig auf den Weg ein, der ihn zum Inhaber eines erfolgreichen Unternehmens für Küchenbau werden ließ? „1991 bekamen wir eine Anfrage zum Einbau eines Geschirrspülers in eine DDR-Küche. Das machte Lust auf mehr, und außerdem gab es zu dieser Zeit in der Branche nur ein weiteres nennenswertes Unternehmen in der Region“, so Hillig. „Wir waren also fast die Ersten in unserem Geschäftsfeld. Von dieser Riesenerfahrung aus 30 Jahren und dem damit verbundenen Wettbewerbsvorteil profitieren wir noch heute!“

Familienunternehmen mit 20 Mitarbeitern

„Noch im selben Jahr, genauer gesagt am 1. Juni 1991, eröffneten wir das erste Küchenstudio in Medingen – in einer Baracke“, blickt Steffen Hillig zurück. „Die Sächsische Zeitung hatte im Vorfeld davon berichtete, und wieder standen die Leute bei uns Schlange. Heute wäre so etwas unvorstellbar“. Genauso unvorstellbar wie die Tatsache, dass das Küchenhaus Hillig zu Anfang seines Bestehens nur zwei Mitarbeiter hatte. Wie sich die Zeiten doch ändern: Heute sind im Unternehmen 20 Menschen beschäftigt, darunter ein Auszubildender. Trotz dieses Wachstums ist die Firma Steffen Hillig zufolge noch immer ein „astreines Familienunternehmen“.

Schon seit einigen Jahren wird in Weixdorf an der Unternehmensnachfolge gearbeitet. Tochter Katrin wird ab 2022 Anteile des Geschäfts übernehmen. Ihr Mann arbeitet im Verkauf und der strategischen Unternehmensplanung, der andere Schwiegersohn ist in der Montage tätig, und auch Steffen Hilligs Frau ist noch im Kundendienst tätig, obwohl sie sich jetzt immer mehr den Enkeln widmet. Wirklich ein Familienbetrieb, wie er im Buche steht. Trotz aller Etablierung nichts, worauf sich die Hilligs ausruhen würden. „Vor dreißig Jahren, das war eine wilde Zeit. Damals mussten wir viele Erfahrungen sammeln, und vor allem lernen, wie Marktwirtschaft funktioniert. Aber das Lernen hört ja nicht auf. Heute geht es dabei um die strategische Ausrichtung, um Zielgruppenmarketing, Digitalisierung und zunehmend auch um Mitarbeiterfindung und -bindung“.

Handwerk für Wohlfühlorte

Und wie hat sich eigentlich der typische Kunde des Küchenhauses Hillig in den vergangenen 30 Jahren entwickelt? „Die Kunden sind viel anspruchsvoller geworden. In den Neunzigern ging es um eine neue Küche, fertig. Heute geht es um Raumlösungen, ergonomisches Arbeiten, Innenarchitektur, hochwertigste Technik und anspruchsvollste Materialien. Unsere Arbeit ist dadurch viel komplexer geworden, aber auch interessanter“, sagt Steffen Hillig. Und eine interessante, fordernde Materie ist eben die beste Basis eines Handwerks, dessen Ziel es ist und bleibt, Küchen in Wohlfühlorte zu verwandeln.

www.hillig.kuechen.de

Küchenhaus Hillig, Königsbrücker Landstr. 300, 01108 Dresden-Weixdorf, Telefon +49 (0)351 8 80 47 65, E-Mail [email protected]