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Was die Fassaden am QF erzählen

Glas, Beton, Stuck und Schmuck: Ein Bummel durch die QF-Passage ist auch architektonisch spannend. Die Geschichten dahinter lassen das alte Dresden aufleben.

Vorn das Erdmannsdorfsche Haus, daneben die "Bogen-Fassade" am einstigen Hotel "Stadt Berlin", dann das Weigelsche Haus und dahinter der Goldene Ring - ein Bummel durch die QF-Passage ist auch eine architektonische Entdeckungsreise.
Vorn das Erdmannsdorfsche Haus, daneben die "Bogen-Fassade" am einstigen Hotel "Stadt Berlin", dann das Weigelsche Haus und dahinter der Goldene Ring - ein Bummel durch die QF-Passage ist auch eine architektonische Entdeckungsreise. © PR/ QF-Passage

Eine Einkaufspassage, die gleichzeitig Erlebniswelt ist – dafür steht die QF-Passage am Dresdner Neumarkt. Ihren besonderen Charme verdankt sie auch der einzigartigen Architektur zwischen Töpfer-, Augustusstraße und Neumarkt. Wer hier essen oder bummeln geht, ein Kleid für den Urlaub kauft, die neue Brille abholt oder im einzigen Ladengeschäft der Meißener Porzellan-Manufaktur nach einem Geschenk mit sächsischem Esprit sucht, spaziert – oft unbemerkt – durch mehrere Jahrhunderte Dresdner Geschichte. Aber was steckt eigentlich hinter den Fassaden, die heute ein harmonisches Ensemble bilden, aber trotzdem ihren ganz eigenen Charakter bewahrt haben?

Das Weigelsche Haus

Das zentrale Gebäude der QF-Passage ist das Weigelsche Haus. Beim Wiederaufbau des Neumarkt-Quartiers wurde es als Leitbau und damit prägend für das gesamte Areal festgelegt. Seine Geschichte reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück. Damals standen auf dem besagten Platz allerdings noch zwei kleinere Gebäude, die ab 1761 vom eigentlichen Weigelschen Haus abgelöst wurden. Unter Regie des Hofmaurermeisters Christian Bormann entstand eines der bedeutendsten großbürgerlichen Häuser der damaligen Zeit. Sein achteckiger Innenhof, die profilierten Gewände, formschöne Stuckelemente und das charakteristische Mansardendach gaben dem Weigelschen Haus seinen ganz eigenen Charakter. Benannt wurde es übrigens nach seinem ersten Besitzer Karl Christian Leberecht Weigel, einem echten Multi-Talent. Weigel war praktischer Arzt, Philosoph, Sprachkundler, wissenschaftlicher Schriftsteller und Hofbeamter im Rang und mit Titel eines kaiserlich-russischen sowie herzoglich-Sachsen-Weimarischen Hofrats.

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Zur After Work-Party in die QF-Passage
Zur After Work-Party in die QF-Passage

Am 9. September wird die Einkaufs-Passage am Dresdner Neumarkt zur entspannten Lounge - mit Musik, Händler-Aktionen und vielem mehr.

Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das imposante Gebäude komplett zerstört. Im Zuge des Wiederaufbaus der Neumarkt-Quartiere begann die Rekonstruierung des Hauses nach historischem Vorbild mit originalen Fassaden und Grundrissen. Heute ist es das Herzstück der QF-Passage.

Das Hotel "Stadt Berlin"

Wer von weitem auf die QF-Passage zu spaziert, staunt meistens zuerst über das „Bogenhaus“. Der halbrunde Bau ist heute Sitz des Hotels Townhouse Dresden und verbindet so Tradition und Moderne. Denn auch früher nächtigten in dem prestigeträchtigen Bau Dresden-Besucher – damals freilich unter dem Dach des Hotels „Stadt Berlin“. Das war um 1770 eigentlich als Wohnhaus für den damaligen Dresdner Bürgermeister Christoph Bormann gebaut worden. Architekt war der spätere Ratsbaumeister Christian Heinrich Eigenwillig, dem mit der gebogenen Fassade ein echtes Meisterstück gelang. Der Bürgermeister soll damals allerdings nur eine Etage bewohnt haben, im Rest des Hauses schuf er einen Beherbergungsbetrieb, den er „Lindenbergs Gasthof“ nannte. Bormanns Enkel machte später aus dem Gasthof eines der nobelsten Hotels Dresdens. Weil sein favorisierter Name „Zum Chur-Prinz“ vom Stadtrat abgelehnt worden war, wurde das Haus schließlich zum Hotel „Stadt Berlin“.

Genächtigt haben hier einst unter anderem der Komponist Frédéric Chopin und der Schriftsteller Fjodor Dostojewski. Auch das „Bogenhaus“ überstand die Bombenangriffe 1945 nicht. Es wurde ebenfalls im Zuge der Neumarkt-Rekonstruktion nach historischem Vorbild aufgebaut.

Das Erdmannsdorfsche Haus und der Goldene Ring

Nur wenige Schritte entfernt, an der Augustusstraße, liegt das einstige Erdmannsdorfsche Haus. Als so genanntes Adels-Palais entstand es 1738/39 für den königlichen Hausmarschall Ernst Ferdinand von Erdmannsdorf. Das siebenachsige Gebäude war für sein aufwändiges Rokoko-Dekor bekannt. Nach dem Tod des ersten Besitzers kaufte Heinrich Graf von Brühl das Palais, das anschließend im Neubau des Palais Brühl aufging.

Am anderen Ende des Quartiers schließt der „Goldene Ring“ das bauliche Ensemble ab. Der einstige hochbarocke Bau wurde nach 1740 errichtet, wenig später zerstört und später im Stil der Neorenaissance verändert. Er war lange auch unter den Namen "Kirchenhaus" bekannt, weil hier einst die Pfarrer der Frauenkirche wohnten.

Ein Blick auf die einstigen Fassaden des heutigen Quartier F. Schon damals prägend: die "gebogene" Fassade des Hotels "Stadt Dresden".
Ein Blick auf die einstigen Fassaden des heutigen Quartier F. Schon damals prägend: die "gebogene" Fassade des Hotels "Stadt Dresden". © SZ-Archiv

Allgemeine Kontaktinformationen:

QF-Passage
Neumarkt 1
01067 Dresden
Tel: 03514843389755

Internet: www.qf-passage.com

Reguläre Öffnungszeiten:

Montag–Samstag: 10 – 19 Uhr, die Restaurants öffnen täglich ab 11 Uhr bzw. 11:30 Uhr.