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Wie Städte in der Krise funktionieren

Ein europäisch-chinesisches Projekt fragt, wie Städte nachhaltig entwickelt werden können – und trifft dabei einen Nerv.

Was kann Europa von chinesischen Städten lernen? Und welche Ideen aus Europa ließen sich gut nach Asien exportieren? Die Antwort will ein internationales Projekt geben, das an der TU Dresden koordiniert wird.
Was kann Europa von chinesischen Städten lernen? Und welche Ideen aus Europa ließen sich gut nach Asien exportieren? Die Antwort will ein internationales Projekt geben, das an der TU Dresden koordiniert wird.

Dass es der letzte persönliche Kontakt für eine lange Zeit sein würde, ahnte im November 2019 noch niemand. Bernhard Müller, Seniorprofessor an der Fakultät Umweltwissenschaften der TU Dresden, und sein Team reisten damals nach Wuhan. In die Millionenmetropole Chinas, die nur wenige Wochen später Schlagzeilen machen sollte – als erste Stadt, die den Kampf gegen das Corona-Virus aufnehmen musste. Für die TUD-Wissenschaftler ist Wuhan viel mehr als Corona. Es ist eine Metropole, die ihr Stadtbild in den vergangenen Jahren verändert hat. Verändern musste, weil immer mehr Menschen dort leben und arbeiten wollen. Wuhan ist eine von mehreren chinesischen Städten in einem EU-finanzierten Forschungsprojekt, das ergründet, wie sich Städte nachhaltig und zum Wohl ihrer Einwohner entwickeln können. Koordiniert wird das Projekt von Bernhard Müller.

Neue Stadt in China folgt den besten Beispielen

Es glich einer Vorahnung. Thema des Treffens im Herbst 2019 war auch, wie Städte mit Krisen und Katastrophen umgehen können, wie sie sich gut darauf vorbereiten. „Als wir von dem Corona-Ausbruch in Wuhan erfuhren, waren wir natürlich in Gedanken bei unseren Partnern vor Ort“, schildert Müller. Seit 2018 kooperieren 14 europäische und chinesische Einrichtungen im Forschungsvorhaben miteinander. Neben der TU Dresden ist auch das Dresdner Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung dabei, dessen Direktor Müller lange war. „Auf chinesischer Seite beteiligen sich unter anderem mehrere nationale Akademien und renommierte Universitäten“, erklärt er weiter. Sie stehen wiederum in enger Verbindung zu Städten weltweit, die ihre Erfahrungen und Ideen ins Projekt einbringen.Nun also digital. Seit Beginn der Pandemie treffen sich die Teilnehmer und Projektgruppen online. „Wir haben komplett umgestellt“, sagt Müller. Und er ist selbst ein bisschen überrascht, wie gut das funktioniert. Das klappe aber nur, weil auf allen Seiten Vertrauen und Wertschätzung vorhanden seien. Während das Thema Stadtentwicklung in Europa eine lange Tradition hat, hat sie in China erst in den vergangenen Jahren an Bedeutung zugenommen. „Es wurde erkannt, dass sich Stadtplaner mehr an den Bedürfnissen der Menschen orientieren sollten.“ Die chinesischen Partner wollen lernen, sind wissbegierig. Südlich von Peking soll bald eine neue Stadt entstehen. Müller hat die Pläne dazu schon gesehen. „Mich hat beeindruckt, wie die Verantwortlichen dafür weltweit nach den besten Beispielen suchen.“

Krisen-Management zum Abschauen

Doch was haben die europäischen Projektpartner von der Zusammenarbeit? „Aktuell wäre in dieser Frage vor allem interessant, wie chinesische Städte mit Krisen umgehen“, sagt der Professor. Die Organisation in Stadtquartiere mache solche Situationen dort einfacher. Der Gesundheitszustand der Einwohner kann so einfacher kontrolliert werden. Apps werden für die Nachverfolgung von Infektionsketten eingesetzt. Nachbarschaftshilfe findet in den Quartieren wie selbstverständlich statt, sie muss nicht erst mühsam aufgebaut werden. Im Dezember 2020 endet das Projekt. Wahrscheinlich muss auch die geplante Abschlusskonferenz in Peking online stattfinden. „Ich bin aber auch dann nicht pessimistisch, ich bin optimistisch“, sagt Bernhard Müller. Forschung in Krisenzeiten hieße nun einmal auch, flexibel zu sein. Europa und China treffen sich eben online.

Jana Mundus

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