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Ein besonderer Start

Für Faultiernachwuchs Lele wurde die Tierpflegerin zur „Ersatzmutter“. Eine solche Entscheidung fällt heute aber eher selten.

Das kleine Zweifingerfaultier Lele hat sich gut entwickelt und wiegt jetzt schon über 400 Gramm.
Das kleine Zweifingerfaultier Lele hat sich gut entwickelt und wiegt jetzt schon über 400 Gramm. © Foto: Zoo Dresden/Katrin Kretschmer

Gemächlich, wie es sich für ein Faultier gehört, hebt Lele den Kopf und vergewissert sich der Nähe von Nicole Brzoska. Denn die Tierpflegerin ist die „Ersatzmutter“ des am 11. September im Zoo Dresden geborenen Jungtiers. Sie kümmert sich aufopferungsvoll um ihren anfangs nur 280 Gramm leichten Schützling, weil Faultierweibchen Marlies keine Milch für ihre Tochter hat. „Inzwischen ist die kritische Zeit überstanden“, sagt Nicole Brzoska. „Lele bekommt nur noch sieben Mahlzeiten am Tag – neben Ziegenmilch sogar schon gedünstetes Gemüse.“

Lele im Alter von rund einem Monat mit Tierpflegerin Nicole Brzoska
Lele im Alter von rund einem Monat mit Tierpflegerin Nicole Brzoska © Foto: Zoo Dresden/Anke Wolten-Thom

Wohl überlegt

Im Moment ist Lele der einzige Zoobewohner, der auf diese Weise umsorgt wird, denn eine Handaufzucht muss wohl überlegt sein. „Nicht jede Art eignet sich dafür“, sagt der Zoologische Leiter Dr. Wolfgang Ludwig. „Bei manchen Tieren besteht die Gefahr, dass sie sich Pflegern und Artgenossen gegenüber später problematisch verhalten.“ Zudem brauche es jemanden wie Nicole Brzoska, der sich den anstrengenden 24-Stunden-Job auferlegt. „Ähnlich wie mit Menschenbabys wird auch mit Wildtiersäuglingen die Nacht zum Tag.“

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Die Tamanduas freuen sich über Daria
Die Tamanduas freuen sich über Daria

Mutter Kiwi brachte ihr drittes gesundes Jungtier im Februar zur Welt.

Ein weiteres Entscheidungskriterium ist laut Ludwig der Schutzstatus der jeweiligen Tierart: Sei sie vom Aussterben bedroht, werde natürlich um jedes Jungtier gekämpft. „Ansonsten ist es nicht mehr verpönt, der Natur ihren Lauf zu lassen.“

In den 1980-ern, so berichtet der Zoologische Leiter, habe es noch viele Handaufzuchten gegeben – was aus jetziger Sicht nicht optimal gewesen sei. „Heute liegt der Fokus auf den Lebensbedingungen der Mütter. Denn die Natur sieht nicht vor, dass sie ihren Nachwuchs nicht selbst aufziehen. Das passiert vor allem dann, wenn sie sich durch äußere Umstände gestresst fühlen – oder das Jungtier, zum Beispiel wegen Krankheit, den Mutterinstinkt nicht auslöst.“ Bei Marlies habe vermutlich das fortgeschrittene Alter zu Problemen bei der Milchbildung geführt. Das Zuchtweibchen, das insgesamt acht Jungtiere zur Welt brachte, habe sich bisher immer als gute Mutter erwiesen.

2020 hatte sich Revierleiter Olaf Lohnitz zeitweise eines verletzten kleinen Kaiserschnurrbarttamarins angenommen. 2014 betreuten Tierarzt Dimitri Widmer und Tierpflegerin Josefine Bruse ein Rotes Riesenkänguru, das von seiner Mutter aus dem Beutel geworfen worden war. Nur Vögel werden im Zoo Dresden etwas häufiger von Menschenhand aufgezogen.

Kontakt und weitere Informationen

Zoo Dresden GmbH
Tiergartenstraße 1
01219 Dresden

Telefon 0351 - 47 80 60
[email protected]
www.zoo-dresden.de

Details zur Geburt des Faultiers Lele gibt's auf der Website des Zoos.

Hier geht es zur Zoowelt auf sächsische.de