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AOK-Versicherte sollen ihren Ärzten Noten geben

Chemnitz. Die Versicherten der AOK Plus sollen ihre Ärzte ab 2011 zensieren. Allein in Sachsen werden knapp zwei Millionen AOK-Mitglieder aufgefordert, auf einem Fragebogen im Internet die Noten 1 bis...

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Chemnitz. Die Versicherten der AOK Plus sollen ihre Ärzte ab 2011 zensieren. Allein in Sachsen werden knapp zwei Millionen AOK-Mitglieder aufgefordert, auf einem Fragebogen im Internet die Noten 1 bis 6 zu verteilen, sagte Kassensprecherin Hannelore Strobel der Chemnitzer „Freien Presse“ (Dienstag). Beurteilt werden sollen etwa Einrichtung und Personal der jeweiligen Praxis, Terminvergabe, Wartezeiten und die Behandlung. Ziel sei es, damit den Patienten bei der Arztsuche zu helfen.

Dem Bericht zufolge wollen die Ortskrankenkassen ihre Mitglieder bundesweit um die Bewertung von Ärzten bitten. Tests gebe es in Hamburg, Berlin und Thüringen. Ärzte sehen das Vorhaben skeptisch, Sachsens Gesundheitsministerin Christine Clauß (CDU) hingegen bewertete die Benotung als durchaus sinnvoll - sofern sie für die Ärzte freiwillig sei. „Man muss da keinen Pranger initiieren“, sagte sie am Dienstag in Dresden. Denkbar sei aber beispielsweise, die Wartezeiten in den Praxen und den Umgang damit zu bewerten. Das könne aber nur zusammen mit den Ärzten geschehen, damit es die ohnehin schwierige Situation nicht noch mehr belaste.

Der Vorstandschef der Kassenärztlichen Vereinigung KV Sachsen, Klaus Heckemann, bezweifelte die Belastbarkeit der Zeugnisse. „Vermutlich nehmen vor allem Patienten an der Benotung teil, die aus unterschiedlichen Gründen unzufrieden mit ihrem Praxisbesuch waren“, sagte er der Zeitung. Zum Problem könne zudem für Mediziner mit Bestnoten ein „Massenandrang“ werden. Immerhin gebe es Ärztemangel statt Wettbewerb. (dpa)