merken
Deutschland & Welt

Wieder Großfeuer im Hafen von Beirut

Mehr als einen Monat nach der Katastrophe brennt es erneut im Hafen von Beirut. Viele fliehen in Panik vor einem neuen Feuer.

Rettungskräfte kämpfen am Donnerstag im Hafen von Beirut gegen die Flammen.
Rettungskräfte kämpfen am Donnerstag im Hafen von Beirut gegen die Flammen. © Hussein Malla/AP/dpa

Beirut. Mehr als einen Monat nach der verheerenden Explosion in Beirut hat ein neuer Großbrand im Hafen die libanesische Hauptstadt in Angst und Schrecken versetzt. Livebilder im libanesischen Fernsehen zeigten am Donnerstag hohe Flammen und dichte schwarze Rauchwolken, die kilometerweit zu sehen waren. Viele Menschen fühlten sich an die Katastrophe Anfang August erinnert.

Die libanesische Armee teilte mit, in der Freihandelszone des Hafens sei ein Lager für Öl und Reifen in Brand geraten. Die Ursache des Feuers war zunächst unklar. Feuerwehr und Zivilschutz kämpften über Stunden gegen die Flammen. Die Armee setzte Helikopter ein, die aus der Luft Wasser niedergehen ließen.

Anzeige
Zwei Patienten, ein Beatmungsgerät
Zwei Patienten, ein Beatmungsgerät

Und nun? Mit Covid-19 kam die Thematik der Triage, dem Sichten und Klassifizieren von Patienten, erneut auf. Ein Interview mit Medizinrechtsexperte Prof. Dr. Erik Hahn.

Der Generalsekretär des libanesischen Roten Kreuzes, George Kattanah, sagte dem libanesischen Sender MTV, ein Mensch habe Atemprobleme. Die Armee rief die Menschen auf, die umliegenden Viertel zu verlassen.

"Alle Menschen sind sofort abgehauen"

Augenzeugen berichteten, Menschen in den Vierteln um den Hafen seien in Panik geflohen. "Alle Menschen sind sofort abgehauen", sagte ein Mann dem libanesischen Sender LBCI. "Sie haben Angst, Beirut ist sehr müde. Wir können so etwas nicht mehr ertragen." Auf einem Video in den sozialen Medien war zu sehen, wie Arbeiter aus dem Hafen rannten.

Bei der Explosionskatastrophe am 4. August waren mehr als 190 Menschen getötet und mehr als 6.000 verletzt worden. Große Teile des Hafens und umliegender Viertel wurden völlig zerstört. Betroffen waren vor allem die Stadtteile, die für ihre historischen Gebäude, aber auch für ihre Restaurants, Bars und kulturelle Einrichtungen bekannt sind. Dort gibt es praktisch kein Haus, das nicht beschädigt wurde. Bis zu 300.000 Menschen haben ihre Wohnungen verloren.

Ausgelöst worden sein soll die Explosion durch große Mengen der hochexplosiven Chemikalie Ammoniumnitrat, die der Regierung zufolge über Jahre ohne Sicherheitsvorkehrungen im Hafen lagerten. Auch damals brach zunächst ein Feuer aus, bevor es zu der Explosion kam.

Schon der zweite Brand nach der Explosion

Das neue Feuer war bereits der zweite Brand im Hafen nach der verheerenden Explosion. Anfang der Woche waren dort nach Angaben der Armee Müll, Holzreste und alte Reifen in Flammen aufgegangen.

Weiterführende Artikel

Beirut: 4 Tonnen Ammoniumnitrat entdeckt

Beirut: 4 Tonnen Ammoniumnitrat entdeckt

Die Explosion am 4. August soll durch große Mengen Ammoniumnitrat verursacht worden sein. Nicht weit vom Ausgangsort wurden weitere Mengen gefunden.

Sachse in Beirut: "Man denkt, jetzt ist es vorbei"

Sachse in Beirut: "Man denkt, jetzt ist es vorbei"

Der Pirnaer Politiker Oliver Wehner wurde Augenzeuge der katastrophalen Explosion. Im Interview erzählt er, wie die Lage in der Stadt jetzt ist.

Deutsche Diplomatin in Beirut getötet

Deutsche Diplomatin in Beirut getötet

Nun ist es traurige Gewissheit: Unter den mehr als 130 Toten durch die Explosion in Beirut ist auch eine Deutsche. Sie arbeitete für die Botschaft.

Beirut: Zerstört, verzweifelt, verraten

Beirut: Zerstört, verzweifelt, verraten

Eine Explosion erschüttert am Dienstag Beirut. Mindestens 135 Menschen sterben, Tausende werden verletzt - unter ihnen sind auch Deutsche.

Der Libanon erlebt seit Monaten eine der schwersten Wirtschaftskrisen seiner Geschichte. Die Corona-Pandemie und die Explosion haben die Lage verschärft. Viele Menschen sind in Armut abgerutscht. In den vergangenen Wochen kam es zugleich zu Protesten gegen die politische Elite, die viele Libanesen für die Krise verantwortlich machen. (dpa)

Mehr zum Thema Deutschland & Welt