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Oberlausitz: Kurzarbeit rettet Tausende Jobs

Ein Jahr wie 2020 gab es auf dem regionalen Arbeitsmarkt seit 1990 nicht. Beim Rückblick fallen vor allem vier Zahlen auf.

Von Tilo Berger
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„Wir haben 2020 viel gelernt“, sagt Kathrin Groschwald, die Chefin der Arbeitsagentur Bautzen, über das Corona-Jahr.
„Wir haben 2020 viel gelernt“, sagt Kathrin Groschwald, die Chefin der Arbeitsagentur Bautzen, über das Corona-Jahr. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Das vergangene Jahr brachte dem Oberlausitzer Arbeitsmarkt einen neuen Rekord: Noch nie seit 1990 setzten so viele Firmen und Behörden in den Landkreisen Bautzen und Görlitz auf Kurzarbeit. Hätten sie das nicht getan, wäre eine andere Zahl viel höher ausgefallen: die der Arbeitslosen.

Erste Zahl: 18.278 Arbeitslose im Jahresdurchschnitt

Im Jahresdurchschnitt 2020 waren im Arbeitsagenturbezirk Bautzen 18.278 Menschen arbeitslos gemeldet. Das waren 662 Personen oder 3,8 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Ende Dezember 2020 waren im Arbeitsagenturbezirk Bautzen insgesamt 18.135 Menschen arbeitslos gemeldet - 379 mehr als Ende November und 1.411 Personen mehr als zwölf Monate zuvor. Die Agentur spricht von einem saisonbedingten Anstieg im Dezember.

Die Corona-Krise riss im vergangenen Jahr Hunderte Oberlausitzer aus ihren Arbeitsverträgen. Das zeigt sich darin, dass die Arbeitsagentur im Jahresdurchschnitt 1.268 mehr Menschen betreute als 2019. Die Agentur kümmert sich vor allem um Personen, die neu arbeitslos geworden sind. Die Jobcenter der Landkreise Bautzen und Görlitz hingegen sind Ansprechpartner vor allem für Langzeitarbeitslose. Die Zahl der von den Jobcentern Betreuten sank im Jahresdurchschnitt 2002 um 607 im Vergleich zu 2019.

Im Corona-Jahr ist die Zahl der Arbeitnehmer, welche sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind, unter die 200.000er-Marke gesunken. Zum jährlichen Stichtag im Juni waren in der Oberlausitz 199.825 Personen fest angestellt, 824 weniger als zwölf Monate zuvor.

Zweite Zahl: 86.552 Namen auf Kurzarbeiter-Anträgen

Die Zahl der Arbeitslosen wäre vermutlich viel höher ausgefallen, hätten nicht Firmen und Behörden auf Kurzarbeit zurückgegriffen. So blieben den Beschäftigten immerhin die Arbeitsverträge erhalten, der Verdienstausfall konnte zumindest teilweise ausgeglichen werden.

Seit März, als die Corona-Krise die Oberlausitz erreichte, wurden im Agenturbezirk Bautzen insgesamt 8.132 Anzeigen auf Kurzarbeit gestellt und geprüft. Hinter dieser Zahl stehen 86.552 Arbeitnehmer. Das heißt: Für mehr als 43 Prozent aller Beschäftigten in der Oberlausitz wurde vorsorglich Kurzarbeit beantragt.

Ob tatsächlich kurz gearbeitet wurde, lässt sich erst nach frühestens drei Monaten sagen. So lange haben die Arbeitgeber Zeit, bei der Agentur die erforderliche Abrechnungsliste einreichen. Die bis jetzt vorliegenden Zahlen belegen, dass im vergangenen Jahr Zehntausende Menschen in der Oberlausitz verkürzt arbeiteten. Im März waren das 15.713, im April 33.180, im Mai 28.802, im Juni 20.706, im Juli 14.963, im August 11.019. Für die letzten Monate des vergangenen Jahres gibt es noch keine Kurzarbeiterzahlen.

In der Jahresbilanz der Arbeitsagentur Bautzen für 2019 war das Wort Kurzarbeit überhaupt nicht vorgekommen.

Dritte Zahl: 10.068 freie Stellen gemeldet

Während die Zahl der Arbeitslosen deutlich und die Zahl der Kurzarbeiter sprunghaft stieg, blieb eine andere Größe auf dem Arbeitsmarkt nahezu stabil: die Stellenmeldungen. Arbeitgeber meldeten der regionalen Agentur im vergangenen Jahr insgesamt 10.068 sozialversicherungspflichtige Arbeitsstellen. 2019 waren es 10.640 freie Jobs gewesen.

Sowohl 2019 als auch 2020 meldeten vor allem Zeitarbeitsfirmen, das Gesundheits- und Sozialwesen sowie das verarbeitende Gewerbe - das sind praktisch alle Waren-Produzenten - freie Stellen an die Agentur. Einen Unterschied zwischen beiden Jahren gab es: 2019 brauchte der Handel noch viele Mitarbeiter, 2020 schickte er sie zu Tausenden in Kurzarbeit.

Im Dezember 2020 meldeten Arbeitgeber insgesamt 733 freie Stellen. Das waren zwar 152 weniger als im November, aber 45 mehr als zwölf Monate zuvor.

Vierte Zahl: 22,6 Millionen Euro für Qualifizierungen

Noch eine Zahl änderte sich von 2019 zu 2020 wenig: die Ausgaben, um Menschen für Arbeit oder Ausbildung fit zu machen. Im vergangenen Jahr investierte die Bautzener Agentur dafür rund 22,6 Millionen Euro. Der Schwerpunkt lag dabei auf Qualifizierung. Allein dafür gab die Arbeitsagentur rund 10,3 Millionen Euro aus. Im Jahr 2020 begannen 1.171 Frauen und Männer Weiterbildungsmaßnahmen.1.113 Beschäftigungsaufnahmen wurden mit Eingliederungszuschüssen unterstützt.2019 hatte die Agentur für diesen Bereich etwa 25 Millionen Euro ausgegeben.

Die Bautzener Agenturchefin Kathrin Groschwald bezeichnete 2020 rückblickend als „ein Jahr der Herausforderungen. Es mussten Entscheidungen getroffen werden, die für jeden Einzelnen große Umstellungen und Einschränkungen bedeuteten. Die stetige Ungewissheit im Zuge der Pandemie bedeutete für viele Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren oder den Betrieb schließen zu müssen.“

Trotzdem sei der Ausbildungsmarkt im Agenturbezirk Bautzen stabil geblieben, ebenso wie die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen. „Wir, die Agentur für Arbeit Bautzen, haben viel gelernt. Die Auszahlung der Geldleistungen war und bleibt eine Priorität unserer Arbeit“, bekräftigt Kathrin Groschwald.

Der Beitrag wurde am 5. Januar 2020 um 14.15 Uhr aktualisiert.

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