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Wirtschaft

Sachsens Arbeitslosenquote fast auf deutschem Schnitt

Kneipen, Kinos und Geschäfte sind wieder geöffnet: Der Aufschwung nach der Corona-Pause ist zu spüren. Allerdings droht die Sommerpause.

Die Gastronomie und andere wieder geöffnete Branchen sorgen für einen Rückgang der Arbeitslosigkeit.
Die Gastronomie und andere wieder geöffnete Branchen sorgen für einen Rückgang der Arbeitslosigkeit. © dpa/Annette Ried

Dresden. Normalerweise ist der Juli kein guter Monat für den Arbeitsmarkt. Viele befristete Stellen laufen zur Jahresmitte aus, zugleich sind viele Personalchefs in Urlaub und stellen weniger Menschen ein. Doch im Jahr nach der Corona-Krise ist vieles anders: Die Zahl der Arbeitslosen ist weiter gesunken, anders als im Juli üblich.

In Sachsen sind nun 121.389 Menschen arbeitslos gemeldet. Das sind über 3.200 weniger als noch vor einem Monat und fast 13.000 weniger als im vorigen Jahr. Damit ist allerdings die Corona-Krise noch nicht bewältigt: Voriges Jahr um diese Zeit meldeten Sachsens Arbeitsagenturen, dass die Zahl der Arbeitslosen im Jahresvergleich um rund 20.500 gestiegen war.

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Vor allem Minijobber verloren die Stellen, weil es für sie kein Kurzarbeitergeld gibt. Langzeitarbeitslose hatten während der Krise kaum Möglichkeiten, an geförderte Jobs oder Schulungen zu kommen. Nun sind in Sachsen 52.100 Menschen länger als ein Jahr ohne Arbeit. Das sind über 10.000 Langzeitarbeitslose mehr als voriges Jahr im Juli.

Die Arbeitslosenquote in Sachsen liegt im Juli leicht über dem deutschen Durchschnitt.
Die Arbeitslosenquote in Sachsen liegt im Juli leicht über dem deutschen Durchschnitt. © SZ Grafik

Arbeitslosigkeit kleiner als in Hamburg und NRW

Doch das Wachstum der Beschäftigung geht weiter, sagte am Donnerstag in Nürnberg der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele. In Chemnitz sagte Siegfried Bäumler, ein Geschäftsführer der sächsischen Regionaldirektion, „alle drei Arbeitsmarktindikatoren“ seien positiv: Die Arbeitslosigkeit sinkt, die Beschäftigung steigt, und die Zahl der gemeldeten Arbeitsstellen ist auf sehr hohem Niveau.

Längst gehört Sachsen nicht mehr zu den Schlusslichtern auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Die sächsische Arbeitslosenquote von 5,7 Prozent ist fast gleichauf mit dem deutschen Durchschnitt von 5,6 Prozent. Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen und in Hamburg ist die Arbeitslosigkeit jetzt höher.

Allerdings wies Bäumler darauf hin, dass in Sachsen wegen der späten Schulferien in diesem Jahr die „saisonalen Effekte“ der Sommerpause noch kommen.

Neue Kurzarbeit in Sachsens Autoindustrie

Bäumler kündigte an, das zweite Halbjahr stehe im Zeichen „der Aktivierung und Qualifizierung“. Die Arbeitsagentur biete jetzt wieder mehr persönliche Beratung und Zuschüsse zu Lohnkosten für Menschen mit Handicaps. Im Juli wurden gut 7.000 Sachsen mit Weiterbildungen gefördert, rund 5.600 bekamen Arbeitsgelegenheiten. Aus der Arbeitslosigkeit fanden rund 9.500 Sachsen in Erwerbstätigkeit.

Die Unternehmen melden erheblich mehr freie Stellen als im schwachen Juli 2020. Jetzt sind den sächsischen Arbeitsagenturen und Jobcentern 41.522 freie Stellen bekannt. Das sind über 8.000 mehr als vor einem Jahr.

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Zugleich nehmen viele Betriebe aber noch Kurzarbeit in Anspruch - und es kommen noch neue hinzu: Im Juli haben 231 sächsische Unternehmen Kurzarbeit neu angezeigt, für rund 17.000 Beschäftigte. Der Großteil dieser neuen Kurzarbeit entfällt auf Industriebetriebe, etwa in der Auto- und Autoteileproduktion.

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