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Belastung in der Pflege steigt

Die Bundesanstalt und Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin warnt vor höherem Druck im Pflegebereich. Eine Folge: Immer mehr Stellen bleiben unbesetzt. Auch in Sachsen.

Von Annett Kschieschan
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Viel Stress, wenig Anerkennung: In der Pflege bleiben viele Stellen unbesetzt. In Sachsen soll ein neues Angebot gegensteuern.
Viel Stress, wenig Anerkennung: In der Pflege bleiben viele Stellen unbesetzt. In Sachsen soll ein neues Angebot gegensteuern. © AdobeStock

Die Zahl ist gewaltig: Pro Monat werden nach einer Information des Job-Portals Indeed 40.000 freie Stellen im Pflegebereich neu ausgeschrieben. Jede vierte davon blieb im vergangenen Jahr länger als zwei Monate unbesetzt. Vorausgegangen war eine Untersuchung, bei der die Entwicklung der Jobsituation im Pflegebereich in 40 deutschen Städten analysiert wurde.

Dort, wo Menschen ganz unmittelbar und alternativlos auf Hilfe angewiesen sind, schlägt der Fachkräftemangel inzwischen personelle Schneisen, die kaum noch ausgeglichen werden können. Betroffen sind nicht nur Krankenhäuser und Altenheime. Auch in der ambulanten Pflege steigt die Belastung. Darauf weist die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Baua) hin. Vor allem die Arbeit „in ergonomisch kritischen Positionen“ und der häufige Wechsel zwischen den Pflegeorten sowie der Stress durch die regelmäßigen Autofahrten gelten demnach als potenziell problematisch. „Damit korrespondieren gesundheitliche Folgen wie Schwierigkeiten beim Abschalten nach der Arbeit oder emotionale Erschöpfung - das Leitsymptom von Burnout“, heißt es in einer Untersuchung der Baua zum Thema. Eine „angemessene Personalausstattung sowie der Aufbau von Springerpools für kurzfristige Personalausfälle“ könnten Druck abfedern. Unterstützung biete etwa die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW).

Neue Beratungsstelle in Sachsen

Weil sich solche Empfehlungen aufgrund des Personalmangels offenbar immer schlechter umsetzen lassen, soll in Sachsen ein neues Beratungsangebot geschaffen werden. Das Projekt ist an der TU angesiedelt und soll nach Angaben des Sächsischen Sozialministeriums unter anderem in Zusammenarbeit mit den Trägern berufspädagogischer Fortbildungen zielgruppenspezifische Beratungsformate konzipieren. Angesprochen werden sowohl Azubis als auch Praxisanleiter. „Wir hoffen, dass sich die Unterstützung der Praxisanleiterinnen und Praxisanleiter auch positiv auf die Auszubildenden auswirkt und damit der mitunter hohen Abbruchquote besonders zu Beginn der Ausbildung erfolgreich entgegengewirkt werden kann“, so Sozialstaatssekretärin Dagmar Neukirch bei der Übergabe des entsprechenden Fördermittelbescheides in Dresden.

Das Angebot wird mit 173.000 Euro aus Bundes- und Landesmitteln unterstützt. Es soll zunächst zwölf Monate laufen. Danach wird das Modellprojekt ausgewertet. Der Fokus auf Praxisanleiter kommt nicht von ungefähr. Sie sind in den Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern die direkten Ansprechpartner der Auszubildenden und damit doppelt gefordert: Als Pflegefachkräfte und als Multiplikatoren. Dabei erfahren sie auch ganz unmittelbar, wo die Schwachstellen in der Pflege liegen, was Auszubildenden und Berufseinsteigern Probleme macht und im schlimmsten Fall dafür sorgt, dass sie den Beruf wieder verlassen. Die fachliche Expertise der TU will gegensteuern. So sollen im Rahmen des Projekts an der Professur für Gesundheit und Pflege/Berufliche Didaktik unter Leitung von Prof. Dr. Anja Walter Kontakt- und Beratungsmöglichkeiten geschaffen werden, die die Praxisanleiter konkret unterstützen. Start der Initiative gegen den Fachkräftemangel in der Pflege ist am 1. September.

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