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Wirtschaft

Arbeitslosigkeit steigt in Sachsen

Sachsens Arbeitsagentur sieht keine Anzeichen für einen massenhaften Verlust von Jobs als Folge der Pandemie.

Die Zahl der Arbeitslosen in Sachsen ist im Dezember leicht gestiegen.
Die Zahl der Arbeitslosen in Sachsen ist im Dezember leicht gestiegen. © Matthias Weber/photoweber.de

Dresden. Die Zahl der Arbeitslosen in Sachsen ist im Dezember leicht gestiegen. Nach Angaben der Landesarbeitsagentur vom Dienstag waren im Dezember rund 128.000 Frauen und Männer im Freistaat ohne Job. Das sind 1.500 mehr als im Vormonat und etwa 17.500 mehr als im Dezember 2019. Die Arbeitslosenquote lag bei 6,0 Prozent.

Zähltag für die Daten ist der 15. eines Monats. Der Dezember-Wert von 128.000 Menschen ohne Job entspricht in etwa dem Jahresdurchschnitt 2020. Die Quote lag im Schnitt bei 6,1 Prozent und entsprach damit dem Wert von 2018.

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Die Folgen der verschärften Corona-Maßnahmen lassen sich an den Arbeitslosenzahlen im Dezember noch nicht ablesen. Stichtag für die Erhebung war der 10. Dezember, als die Geschäfte noch geöffnet hatten.

Nach den Worten von Agentur-Chef Klaus-Peter Hansen hat Kurzarbeit einen deutlicheren Anstieg der Arbeitslosigkeit verhindert. In der Hochphase hätten über 50.000 Betriebe in Sachsen für mehr als eine halbe Million Mitarbeiter Arbeitslosengeld angezeigt. Der Höchststand sei im April und Mai erreicht worden, als etwa 30.000 Betriebe für fast 300.000 Beschäftige Kurzarbeitergeld abgerechnet hätten. Die Zahl sei bis zum zweiten Lockdown kontinuierlich gesunken und habe zuletzt bei unter 100.000 gelegen. Insgesamt wurde im vergangenen Jahr mehr als 700 Millionen Euro Kurzarbeitergeld ausgezahlt, in der Spitze täglich über fünf Millionen Euro.

„Noch nie dagewesene Herausforderung“

Im November und Dezember seien die Anzeigen von Kurzarbeit wieder deutlich nach oben gegangen, sagte Hansen. Allerdings sei die Zahl der davon betroffenen Menschen deutlich geringer als im Frühjahr, weil die Industrie nicht betroffen ist. Im Dezember zeigten knapp 5.600 Betriebe für gut 50.000 Beschäftigte Kurzarbeit an, vor allem Firmen aus den Branchen Handel, Kfz-Reparatur, Gebäudebetreuung und Gastronomie. Zwischen angezeigten und tatsächlichen Kurzarbeitern gibt es eine Differenz, die erst nach der Abrechnung feststeht.

Hansen sprach von einer „noch nie dagewesenen Herausforderung“ durch die Corona-Pandemie. „Die Spuren sind deutlich: Alle drei Arbeitsmarktindikatoren – Arbeitslosigkeit, Beschäftigung und gemeldetes Stellenangebot – haben sich seit April dieses Jahres verschlechtert.“ Vor allem die „Brandmauer Kurzarbeitergeld“ sichere viele tausend Jobs in Sachsen. „Und wir befinden uns weiterhin in der Brandbekämpfung“, so Hansen.

Mit einer Massenarbeitslosigkeit als Folge der Pandemie rechnet der Agentur-Chef nicht. Es gebe keine Indikatoren für eine Insolvenzwelle: „Ich sehe die nicht. Das heißt aber nicht, dass der Arbeitsmarkt nicht von Risiken betroffen ist.“ Er habe die Sorge, das älteren Unternehmern, die vielleicht durch Hochwasser und Finanzkrise ihre Firmen schon mehrmals wiederaufbauen mussten, die Kraft für einen nochmaligen Neuanfang fehlt.

Corona überlagere viele Themen

Je eher die Bewältigung der Pandemie gelinge, desto eher werde man deren Folgen am Arbeits- und Ausbildungsmarkt bewältigen, sagte Hansen. Spätestens ab Sommer werde man mit den Folgen von Corona aufräumen können und frühestens 2022 wieder Zahlen wie vor der Pandemie haben. Danach würden „die alten Sorgen wieder die neuen sein“.

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Corona überlagere viele Themen, die trotzdem laufen, sagte Hansen und erinnerte an Demografie, Digitalisierung und Strukturwandel. Es werde einen großen Qualifizierungsbedarf in den Betrieben geben. Dem dient auch ein neues Projekt, dass sich unter dem Slogan „Berufsberatung im Erwerbsleben“ vor allen an Mitarbeiter kleinerer Firmen richtet, die von Strukturwandel betroffen sind. Gleiches gilt für Leute, die nach Pausen im Erwerbsleben einen Wiedereinstieg planen. (dpa)

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