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Arbeitslosigkeit: Wie groß ist der Corona-Effekt in Dresden?

Die Stadtverwaltung hat die Auswirkungen von Corona auf den Arbeitsmarkt ermittelt. Welche Branchen und welche Stadtteile besonders betroffen waren.

Dresdner Einkaufszentren wie die Centrum Galerie durften über Monate hinweg nur einen Teil ihrer Geschäfte öffnen. Die Mitarbeiter mussten in Kurzarbeit, andere haben ihren Job ganz verloren oder aufgegeben.
Dresdner Einkaufszentren wie die Centrum Galerie durften über Monate hinweg nur einen Teil ihrer Geschäfte öffnen. Die Mitarbeiter mussten in Kurzarbeit, andere haben ihren Job ganz verloren oder aufgegeben. © Arvid Müller (Archiv)

Dresden. Dichte Kneipen, geschlossene Klamottenläden und Hotels, die keine Urlauber beherbergen durften: Die Corona-Krise hat viele Dresdner nicht nur in die Kurzarbeit, sondern sogar in die Arbeitslosigkeit getrieben. Doch wie stark war der Corona-Effekt wirklich? Lässt sich das überhaupt herausfinden? Die Stadtverwaltung hat diesen Versuch unternommen und kommt zu einem recht eindeutigen Ergebnis.

Wie stark ist die Arbeitslosigkeit in Dresden gestiegen?

Im März 2020 baute sich die erste Corona-Welle auf und mündete in einem Lockdown. Die Arbeitsagentur zählte damals 16.410 Arbeitslose in Dresden. Damit hatte die Pandemie in diesem Monat noch keine großen Auswirkungen. Im Gegenteil, im Vergleich zum Vorjahresmonat suchten sogar etwa 400 Menschen weniger einen Job, wie aus den Zahlen der Agentur für Arbeit hervorgeht. Vermutlich, da noch niemand wirklich wusste, wie sich das Infektionsgeschehen und die damit verbundenen Corona-Regeln entwickeln würden.

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Der erste große Rückschlag für den Arbeitsmarkt folgte dafür im April: Mit 18.426 Arbeitslosen waren plötzlich etwa 2.400 Dresdner mehr arbeitslos als im April des vorherigen Jahres. Die Arbeitslosenquote stieg innerhalb von nur vier Wochen von 5,5 auf 6,2 Prozent. Bis in den August hinein kamen weitere Entlassungen dazu, sodass die Quote auf 6,8 Prozent kletterte. Erst die darauffolgenden Monate sorgten für eine leichte Entspannung, bis zum Jahreswechsel zumindest.

Mit der zweiten Corona-Welle baute sich eine noch größere Kündigungswelle auf. So suchten im März dieses Jahres mehr als 20.100 Dresdner eine Arbeit. Inzwischen erholt sich der Arbeitsmarkt spürbar. So hatten im Juni genau 18.580 Menschen in der Stadt keinen Job. Das entspricht einer Quote von 6,1 Prozent. "In den Junizahlen können wir eine deutliche Erholung auf dem Dresdner Arbeitsmarkt ablesen. So hat sich die Arbeitslosigkeit besser entwickelt als noch im Mai und wir nähern uns bei der Arbeitslosenquote nun wieder der Sechs-Prozent-Marke", sagt der Dresdner Arbeitsagentur-Chef Jan Pratzka.

Welche Branchen waren und sind noch stark betroffen?

"Der Arbeitsmarkt ist im Wandel", ordnet Pratzka die Zahlen ein. Im Unterschied zur landesweiten Entwicklung sei in Dresden die Zahl der Beschäftigten wieder gestiegen. So seien zum Beispiel im Gesundheits- und Sozialwesen zum Jahresende 2020 mehr als 1.500 zusätzliche Beschäftigte gezählt worden. "Wiederum gab es in den von der Pandemie besonders betroffenen Bereichen wie Gastronomie und Handel auch Beschäftigungsverluste", so Pratzka weiter.

Am stärksten betroffen war die Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen, die zum Beispiel über einen Job in der Gastronomie Studium oder Ausbildung finanzieren. Hier stieg die Zahl der Arbeitslosen von Dezember 2019 zu Dezember 2020 um mehr als 30 Prozent.

Wie sieht es mit Kurzarbeit aus?

Kurzarbeit geht deutlich zurück. Für Mai war sie noch für 392 Personen in 51 Betrieben angezeigt. Wie viele Arbeitnehmer sie tatsächlich in Anspruch nehmen mussten, ist allerdings unklar. Diese Zahlen werden erst mit einiger Verzögerung gemeldet. Die neuesten stammen von Dezember. In diesem Monat befanden sich in Dresden 21.689 Menschen in Kurzarbeit. Im Schnitt fielen etwa 50 Prozent der Arbeit aus.

Überdurchschnittlich stark zu nahm die Arbeitslosigkeit bei Ausländern in Dresden, wobei zu beachten sei, dass es diesen Trend schon vor Corona gab und der Ausländeranteil in den vergangenen Jahren generell zunahm, so Ramona Haase von der Kommunalen Statistikstelle in der Stadtverwaltung.

Wie groß ist jetzt der Corona-Effekt?

Um diese Frage zu klären, hat die Statistikstelle die Zahl der Neu-Arbeitslosen zwischen April und Dezember 2020 betrachtet und mit der des Vorjahreszeitraums verglichen. In Dresden wechselten demnach sechs Menschen pro 1.000 Beschäftigte mehr in die Arbeitslosigkeit als im Jahr zuvor.

Auch Leipzig und Chemnitz sind untersucht worden. In Leipzig gingen sieben je 1.000 Arbeitnehmer mehr in die Arbeitslosigkeit, in Chemnitz waren es drei mehr. "Damit waren demnach die drei sächsischen kreisfreien Städte unterschiedlich stark von den Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen, Leipzig am stärksten und Chemnitz am wenigsten."

Die Ursachen dafür könnten vielfältig sein, so Haase weiter. Unterschiedliche wirtschaftliche Strukturen, etwa regionale Unterschiede hinsichtlich der Bedeutung einzelner Wirtschaftsbereiche, stellten dabei eine wesentliche Komponente dar.

Wie sah es in den Stadtteilen aus?

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Die meisten Arbeitslosen insgesamt lebten im Dezember des vergangenen Jahres im Stadtteil Gorbitz-Süd, so die Statistikstelle. Mit 870 Personen waren dies fünf Prozent aller in Dresden gemeldeten Arbeitslosen. In Prohlis-Süd wohnten mit etwa 730 Menschen nochmals knapp vier Prozent aller in Dresden als arbeitslos registrierten Personen.

"Abgesehen von der Inneren Altstadt waren im Dezember 2020 in allen anderen Dresdner Stadtteilen mehr Menschen von Arbeitslosigkeit betroffen als noch ein Jahr zuvor."

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