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So halten’s Behörden im Kreis Bautzen mit dem Homeoffice

In Corona-Zeiten sollen Kontakte reduziert werden. Deshalb plädiert die Regierung für Arbeit von zu Hause aus. Wo das auf Zustimmung stößt und wo auf Ablehnung.

Homeoffice wird mancherorts als Segen empfunden, anderenorts als Fluch. Ämter und Behörden im Landkreis Bautzen handhaben es ganz unterschiedlich.
Homeoffice wird mancherorts als Segen empfunden, anderenorts als Fluch. Ämter und Behörden im Landkreis Bautzen handhaben es ganz unterschiedlich. © Symbolfoto: dpa

Bautzen. Am Homeoffice scheiden sich die Geister. Es gibt leidenschaftliche Befürworter und entschiedene Gegner - und in Corona-Zeiten den Aufruf der Regierung, es möglichst oft zu nutzen. Wie halten es Ämter und Behörden im Landkreis Bautzen mit dem Thema?

700 Mitarbeiter vom Landkreis arbeiten zu Hause

Von den rund 1.800 Beschäftigten des Landratsamtes arbeiten derzeit etwa 700 von zu Hause aus. Gut 80 von ihnen tun dies ohnehin überwiegend dauerhaft. Ihnen stellt das Landratsamt sowohl das Mobiliar als auch die nötige Technik zur Verfügung. Mehr als 600 Beschäftigte arbeiten vorübergehend von zu Hause aus, mit ihrer eigenen Technik, sagt Amtssprecherin Cynthia Thor.

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Es gibt aber Bereiche, die sich nicht für Homeoffice eignen. Als Beispiele nennt sie das Bürgeramt. Und einige Tätigkeiten können schlicht und einfach nicht zu Hause erledigt werden, unter anderem die der Straßenwärter und Hausmeister. "Es gibt auch Kollegen, die lieber ins Büro kommen, zum Beispiel wegen einer nicht ausreichenden Internetverbindung zu Hause oder fehlender Ruhe aufgrund geschlossener Schulen und Kitas."

Bürgermeister handhaben das Thema unterschiedlich

Auch in den Rathäusern gibt es Mitarbeiter, die nicht im Homeoffice arbeiten können. "Zum Beispiel dürfen Steuer- und Personalakten die Verwaltung nicht verlassen", sagt etwa Bischofswerdas Stadtsprecher Sascha Hache. Knapp 200 Mitarbeiter zählt die Stadtverwaltung, vom Oberbürgermeister bis zum Schülerlotsen. Etwa 40 bis 50 von ihnen könnten theoretisch im Homeoffice arbeiten, knapp 30 tun dies auch.

Wie viele der rund 530 Mitarbeiter der Bautzener Stadtverwaltung von zu Hause aus tätig sind, könne "pauschal nicht beantwortet werden", sagt Stadtsprecher Markus Gießler. "Die Zahl der Mitarbeiter, die mobil von zu Hause arbeiten, variiert."

Der Kamenzer Oberbürgermeister Roland Dantz (parteilos) hält nicht viel von Homeoffice-Zwang und verweist auf das strenge Hygienekonzept der Stadtverwaltung. Für etwa 20 der rund 210 Angestellten werde dennoch Heimarbeit ermöglicht.

Die Stadtverwaltung in Pulsnitz beschäftigte sich bereits im ersten Lockdown mit dem Thema. „Die erste Welle war der Anlass für die Anschaffung unter anderem von Laptops“, erklärt Bürgermeisterin Barbara Lüke (parteilos). Dabei ging es vor allem darum, die Sicherheitsanforderungen zu gewährleisten. „Das geht nur mit stadteigener Technik, nicht so einfach am heimischen PC.“

Im Königsbrücker Rathaus wurde bisher Homeoffice so gut wie gar nicht angewandt. „Es gibt nur einen Mitarbeiter, der diese Form des Arbeitens ab und zu nutzt“, sagt Bürgermeister Heiko Driesnack (CDU). Die Stadtverwaltung sei ein Dienstleister, die Mitarbeiter sollten also ansprechbar und präsent sein.

Dagegen bekennt sich Wilthens Stadtoberhaupt Michael Herfort (CDU) zum digitalen Rathaus, das in der Stadt schrittweise schon seit 2018 eingeführt wird. Von den 53 Beschäftigten arbeiten 30 im Büro. Theoretisch können sie alle im Homeoffice arbeiten, technisch bedingt aber nicht gleichzeitig: "Das ist auch nicht nötig. Zeitgleich können maximal bis zu 20 Beschäftigte inklusive den Amtsleitern und mir zu Hause im Einsatz sein", sagt Herfort.

Finanzamt unterstützt Homeoffice mit Ausnahmen

Von den 211 Bediensteten des Finanzamtes Bautzen können derzeit 117 im Homeoffice arbeiten, berichtet Amtsleiterin Katja Schimke. Etwa 80 von ihnen nutzen das auch. "Die Möglichkeit wird sehr gut angenommen und von unseren Führungskräften sehr unterstützt. Allerdings gibt es bei uns auch Bereiche, deren Arbeit von zu Hause nicht erledigt werden kann. Auch Bedienstete, die aufgrund ihrer Wohnsituation nicht sicherstellen können, dass andere Personen keine Einsicht in Akten erhalten, arbeiten nicht von zu Hause."

Landesämter stellen Technik bereit

Im Statistischen Landesamt des Freistaates Sachsen in Kamenz arbeitet derzeit etwas mehr als die Hälfte der Beschäftigten im Homeoffice, teilt Renate Recknagel von der Pressestelle des Amtes mit. Genaue Zahlen nennt sie ebenso wenig wie Vincent Richter von der Bautzener Außenstelle des Landesamtes für Schule und Bildung. Aber die Behörde arbeite weitgehend digital, erklärt der Sprecher. "Dazu wurden die Beschäftigten mit technischen Geräten und nötigen Zugriffsrechten ausgestattet."

88 Mitarbeiter zählt die Bautzener Niederlassung des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) - und fast alle können im Homeoffice arbeiten. 75 machen davon zumindest zeitweise Gebrauch, berichtet Rosalie Stephan von der Lasuv-Pressestelle, weitere fünf sollen noch im Februar folgen.

18 Frauen und Männer arbeiten in Königswartha im Referat Fischerei des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. Pressesprecherin Karin Bernhardt gibt zu bedenken, dass sich von zu Hause aus zwar eine Fischereiprüfung organisieren lässt, aber zum Beispiel überwinternde Fische betreuen - das geht nur vor Ort. Deshalb schwanke täglich die Zahl der Mitarbeiter im Homeoffice.

Regionalplaner nutzen auch private Computer

In der Verbandsverwaltung des Regionalen Planungsverbandes Oberlausitz-Niederschlesien ist allen 15 Mitarbeitern die Möglichkeit zum mobilen Arbeiten eingeräumt worden, sagt Leiter Wolfgang Zettwitz. Die Regionalplaner nutzten dafür auch ihre private Technik. Wer auf interne Daten des Verbandes zurückgreifen müsse, könne dies von drei Laptops, die bei Bedarf zur Verfügung gestellt werden. Da sich nicht alles zu Hause erledigen lässt, kommen alle Mitarbeiter mindestens einmal wöchentlich ins Büro - zu abgestimmten Zeiten, damit sie sich nicht begegnen.

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