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Arbeit und Bildung

Junge deutsche Startups revolutionieren die Textilbranche

Deutschland galt jahrzehntelang als eines der Vorreiterländer der Textilindustrie.

© Whirligigtop / pixabay

Die industriellen Erfindungen zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden erfolgreich implementiert und weiterentwickelt. Deutsche Textilien waren weltweit gefragt. Der weltberühmte US-Nähmaschinenhersteller Singer hatte sogar in Hamburg eine Niederlassung und die Singer Nähmaschinen wurden innerhalb von zwei Jahren zum Bestseller auf der ganzen Welt. Im 21. Jahrhundert nähen deutsche Frauen relativ wenig im Vergleich zu früher, wo in beinahe jedem Haushalt eine Nähmaschine stand. Jedoch nimmt der Trend zum Nähen seit einigen Jahren wieder an Fahrt auf und nicht zuletzt Corona hat dazu geführt, dass es nicht nur wieder mehr Nähmaschinen in deutschen Haushalten gibt, sondern auch junge Unternehmen einen positiven Einfluss auf die Textilherstellung in der heutigen Zeit haben.

Kleider machen Leute

Die Textilbranche in Deutschland ist ein riesiger Kosmos aus Unternehmen unterschiedlichster Art, die auf vielfältige Weise bei der Entstehung und Vermarktung von Stoffen zusammenwirken. Am Ende stehen Textilien mit einer unglaublichen Bandbreite an ihrer jeweiligen Bestimmung entsprechenden Eigenschaften. Seien es Stoffe für Möbelstücke, die Ausstattung von Fußböden und Spielzeugen oder schlicht Kleidungsstücke. Der Mensch definiert sich über die Textilien, mit denen er sich umgibt. Er braucht sie, und in einer modernen Gesellschaft erfüllen sie mehr Zwecke zugleich denn je. So können zum Beispiel leuchtende Elemente an der Kleidung einerseits ästhetisch sein, andererseits erfüllen sie aber auch einen nicht zu unterschätzenden Sicherheitsaspekt.

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Leute machen Kleider

So existieren heutzutage Arten von Stoffen, die man sich noch vor wenigen Jahren nicht hat vorstellen können. Leuchtende Stoffe, wasserabweisende Stoffe, reißfeste Stoffe, atmende Stoffe und dergleichen mehr fluten den Markt und finden ihre Nischen unter anderem in Industrie, Forschung, Sport und Freizeit. Dahinter stecken Unternehmen, die Technologien miteinander verbinden, verrückte Ideen umsetzen und dabei oftmals auch nachhaltig produzieren. Industrie und Dienstleistungssektor finden in der Textilbranche zusammen und bringen die Kleidung an den Verbraucher.

Deutsche Start-ups ganz vorn

Vor allem in Deutschland und speziell auch in Sachsen sprießen die Startups nur so aus dem Boden. Das funktioniert deshalb so gut, weil die Branche die Diversität der Ideen und Ansätze nicht nur ermöglicht oder toleriert, sondern sogar braucht. Vor allem Jungunternehmer verbinden Trends mit Innovation und nachhaltigem Gedankengut. Die Etablierung auf dem Markt neben großen Namen klappt deshalb so gut, weil es in Deutschland eine umfassende Vernetzung gibt, die auch kleinen mittelständischen Unternehmen den Zugang zu lukrativen Aufträgen ermöglicht.

Beispiele für innovative und ambitionierte Start-ups gibt es viele: Während das Unternehmen fairjeans die Jeans-Produktion bereits von Billiglohnländern nach Mitteleuropa verlagert, setzt die Sewts GmbH auf vollständig heimische Textilproduktion – allerdings erfolgt hier die Fertigung mit Robotern. Das Kölner Start-up KAYA&KATO wiederum lässt einen Teil seiner Produkte in Deutschland bei den Alexianer Werkstätten und der Caritas Wertarbeit händisch nähen. So zeigt das Unternehmen gleichzeitig ein Herz für sozial benachteiligte Menschen.

Näherinnen wieder gefragt

Mit wachsender Begeisterung wenden sich vor allem junge Frauen wieder vermehrt der Nähmaschine zu. Speziell für Kinder ist selbstgenähte, einzigartige Kleidung aktuell voll im Trend. Aber auch Menschen aller anderen Altersgruppen streben nach Individualität und wie eingangs festgestellt, definiert sich der Mensch nun mal zuallererst über seine Kleidung.

So entstehen unzählige Klein- und Kleinstbetriebe, aber auch expandierende Unternehmen mit steigender Mitarbeiterzahl, da die Menschen in Deutschland wieder mehr wollen als das immer Gleiche aus den immer gleichen Labels, die mittlerweile überall auf der Welt vertreten sind. Man ist zudem wieder bereit, für in Deutschland hergestellte und damit preisintensivere Kleidung zu bezahlen.

© ivabalk / pixabay

Ein gesunder Binnenmarkt ist außerdem in Krisenzeiten nicht verkehrt. Fehlte es Anfang 2020 noch an Alltagsmasken, werden sie nun in rauen Mengen hergestellt und sind zu einem modischen Accessoire geworden.

Mit der Nähmaschine für den Eigenbedarf

Oftmals sind es junge oder werdende Mütter, die ihre Begeisterung für das Nähen entdecken und sich nach Stoff und Faden, vor allem aber nach der richtigen Nähmaschine umsehen. Sei es, dass sie für sich selbst nach modischer, passender Kleidung suchen, oder einfach in den verschiedenen Größen tolle Kleidchen, Hosen und Strampler sowie Mützen nähen wollen, in die ihre Kinder nach und nach hineinwachsen. Vielleicht ist es ein finanzieller Aspekt, vielleicht aber auch ein uralter Wunsch, für seine Nachkommen bestmöglich zu sorgen.

Fakt ist jedoch, dass dieses rege Treiben unter Müttern der ganzen Textilbranche guttut. Stoffe aller Art werden gekauft und vernäht. Nähmaschinen, Garn, Scheren, Schablonen und Ratgeber werden konsumiert. Nicht zuletzt allerdings gibt es außerdem einen enormen Effekt auf jene Mütter, die nicht nähen. Auch sie wollen einzigartige Kleidung und Kuscheltiere für sich und ihre Kinder und sind bereit, dafür zu bezahlen.

Die Textilbranche in Deutschland ist im Umbruch. Nicht allein die großen Etablierten bestimmen die Richtung, es sind die vielen Kleinen in ihrer ganz eigenen Dynamik. Die Kundenorientierung kehrt sich um und plötzlich nimmt nicht mehr der Kunde die Branche in den Fokus, sondern zunehmend beäugt die Branche wieder den Kunden, ganz wie es sein sollte. Kleider machen Leute, aber die Leute machen die Kleider.

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit dem externen Redakteur C. Laube.

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