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Mit Benefits zum neuen Mitarbeiter

Jobticket und Dienstrad, Yogakurs und Rückenschule, Workation und Sabbaticals – Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern heute Vorteile jenseits von Obstkorb und Tischkicker. Die sogenannten Benefits werden bei der Besetzung von freien Stellen immer wichtiger.

Von Annett Kschieschan
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Arbeiten, wo andere Urlaub machen – das geht auch im Rahmen sogenannter Workations. Sie gehören zu den begehrteren Benefits für Mitarbeiter.
Arbeiten, wo andere Urlaub machen – das geht auch im Rahmen sogenannter Workations. Sie gehören zu den begehrteren Benefits für Mitarbeiter. © AdobeStock

Lisa geht jede Woche ins Fitnesscenter. Ihren Arbeitsort muss sie dafür nicht verlassen. Das kleine Center gehört zum Unternehmen und ermöglicht allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern das kurze Workout oder die Yoga-Stunde zwischendurch. Ein Problem ist das auch deshalb nicht, weil im Unternehmen flexible Arbeitszeiten gelten. Jeder entscheidet selbst, ob er früh am Schreibtisch sitzen möchte oder eher später startet. Lisa nutzt auch das Job-Ticket und kann dank des Zuschusses ihrer Firma günstiger Bus und Bahn fahren. Mit all diesen Vorteilen liegt Lisas Arbeitgeber im Trend, denn ohne sogenannte Benefits – also konkrete Vorteile für Mitarbeiter – haben Unternehmen heute schlechte Karten, wenn es um Neueinstellungen geht.

Wer heute gut ausgebildet ist und einen Job sucht, schaut in der Regel nicht nur auf das Gehalt und potenzielle Karrierechancen. Die gute Vereinbarkeit von Arbeit und Freizeit, eine soweit wie möglich freie Zeiteinteilung, die Möglichkeit zum Homeoffice gehören vor allem für jüngere Arbeitnehmer zu den ganz handfesten Gründen, eine Stelle anzutreten – oder eben nicht. Aufgrund des Fachkräftemangelns in nahezu allen Branchen haben Berufseinsteiger und -wechsler allen Krisenlagen zum Trotz die Wahl. Das stellt Unternehmen vor die Herausforderungen, künftigen Angestellten ein Gesamtpaket zu bieten, das sich positiv von den Angeboten der Konkurrenz abhebt.

Aber mit welchen Benefits kann man heute punkten? Der inzwischen schon zum geflügelten Wort gewordene „kostenlose Obstkorb“ reicht jedenfalls nicht. Und auch der Tischkicker, mit dem in den Nuller-Jahren hippe Werbeagenturen um Nachwuchs warben, lockt heute kaum noch jemanden ins Team. Was Befragungen zufolge aber tatsächlich überzeugt, ist der Mut zu flexiblen Arbeitsmodellen, die diesen Namen auch verdienen. Ohne die Möglichkeit zum Homeoffice treten viele Bewerberinnen und Bewerber nicht mehr zum Vorstellungsgespräch an. Die Pandemie hat gezeigt, dass diese Form der Arbeit für viele Menschen sehr gut funktioniert, weil sie Vereinbarkeit ermöglicht, Geld spart und die Umwelt weit weniger belastet als der tägliche Arbeitsweg mit dem Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln.

Gutes Gehalt bleibt wichtig

Zunehmend geht es Beschäftigten nicht nur um die Arbeit vom heimischen Schreibtisch, sondern von der ganzen Welt aus. 62 Prozent aller Befragten gaben in der jüngsten Newoka-Studie an, dass es für sie bei der Jobwahl entscheidend ist, ob der Arbeitgeber die Möglichkeit zur Workation anbietet, also zur Arbeit von jedem (Urlaubs-)Ort aus. In einem bestehenden Arbeitsverhältnis würden 40 Prozent der Befragten eine 14-tägige Workation einer Gehaltserhöhung vorziehen.

Ist Geld also heute weniger wichtig für Arbeitnehmer? Pauschal stimmt das nicht – gerade in Krisenzeiten ist finanzielle Sicherheit ein starkes Kriterium für eine Jobzusage. Das bestätigt die Studie „Arbeitszufriedenheit in Krisenzeiten“ der Personalvermittlung Avantgarde Experts. Ein Ergebnis: Noch immer ist ein gutes Gehalt Hauptfaktor bei der Frage nach der Zufriedenheit mit dem aktuellen Job. Jeder Dritte Befragte gab auch an, dass eine offenere Kommunikation seine Arbeitszufriedenheit erhöhen würde. Das Thema Homeoffice und flexible Arbeitszeiten folgt auf dem Fuße und ist jüngeren Arbeitnehmern besonders wichtig, während ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – wohl häufig aus Gewohnheit – weniger Wert auf entsprechende Angebote legen.

Benefits sind dennoch nicht nur etwas, um den beruflichen Nachwuchs zu locken. Jobrad und Jobticket gehören zu den gefragtesten Vorteilen, die Arbeitnehmer gerne nutzen, weil beides Mobilität günstiger und umweltschonender macht. Ein großes Thema ist die Gesundheitsvorsorge. Auch hier hat die Pandemie für neuen Fokus gesorgt. Das Interesse an Sportkursen, Ernährungsberatung, Yoga und Mediation wächst. Arbeitnehmer, die hier Angebote schaffen, sind klar im Vorteil.Wer arbeitet, wünscht sich manchmal einfach eine Auszeit, die über den normalen Urlaub hinausgeht. Sogenannte Sabbaticals machen es möglich – wenn der Arbeitgeber mitspielt. Und das tun auch in Deutschland immer mehr Firmen. Das Sabbatical ist ein unbezahlter Sonderurlaub, der zwischen einem Monat und einem Jahr dauern kann. Einen Mitarbeiter mehrere Monate lang zu ersetzen, kann im Betriebsalltag kompliziert sein. Trotzdem kann sich die Auszeit auch für das Unternehmen auszahlen. Ein ausgeruhter, motivierter Mitarbeiter, der erfahren hat, dass sein Arbeitgeber seine Bedürfnisse ernst nimmt und unterstützt, fühlt sich entsprechend wohl an seinem Arbeitsplatz und wird diesen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht so schnell für ein Angebot der Konkurrenz verlassen.

Unternehmensbenefits sind längst nicht mehr die Kirsche auf dem Kuchen, sondern ausschlaggebend für eine erfolgreiche Personalpolitik. Sie ersetzen kein gutes Gehalt, bilden aber gemeinsam mit einer offenen, hierarchiearmen Unternehmenskultur die Basis für Neueinstellungen und sind damit auch ein durchaus wirkungsvolles Instrument beim Kampf gegen den Fachkräftemangel.