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Qualität der Arbeit nimmt in Sachsen zu

Befristete Jobs, Teilzeit - eine Studie zur Qualität der Beschäftigung zeigt, was sich in den letzten Jahren geändert hat. Sachsen hat in vielen Punkten gewonnen.

In welche Richtung fahren Arbeitsuchende? Die Qualität der Beschäftigung in Sachsen hat laut einer neuen Studie zugenommen.
In welche Richtung fahren Arbeitsuchende? Die Qualität der Beschäftigung in Sachsen hat laut einer neuen Studie zugenommen. © Archivfoto/SZ/ Jörg Schubert

Dresden. Die Einkommen in Dresden sind niedriger als in Düsseldorf, die Arbeitszeit ist in vielen sächsischen Betrieben länger als in Firmen mit Tarif im Westen. Doch in den vergangenen Jahren haben sich viele Arbeitsbedingungen in Sachsen verbessert.

Eine neue Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt, wo Sachsen inzwischen Vorteile hat. Die Forscher um Antje Weyh haben festgestellt, dass es in Sachsen mehr „Normalarbeitsverhältnisse“ und weniger „atypische Beschäftigungsformen“ gibt als im deutschen Durchschnitt.

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Als atypisch betrachten die Forscher beispielsweise befristete Arbeitsverträge. Die haben in den vergangenen Jahren an Bedeutung verloren, heißt es in der Studie zur „Qualität der Beschäftigung in Sachsen“. Sächsische.de stellt die wichtigsten Erkenntnisse vor.

Normalarbeitnehmer: In Sachsen häufiger als in Deutschland insgesamt

Klarer Vorteil für Sachsen: Nur 17 Prozent der Beschäftigten haben „atypische“ Arbeitsverhältnisse, in Deutschland insgesamt 22 Prozent. Als atypisch, also abweichend von der Norm, bezeichnen die Arbeitsmarktforscher vier Erwerbsformen: befristete Beschäftigung, Leiharbeit, Teilzeit mit höchstens 20 Wochenstunden und Minijobs. Der Studie zufolge sind 83 Prozent der abhängig beschäftigten Sachsen „Normalarbeitnehmer“.

Die Daten stammen vorwiegend aus dem Jahr 2018, Corona-Einflüsse wurden noch nicht einbezogen. Das Institut IAB gehört zur Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg, hat aber auch Forscher in Chemnitz.

Befristete Jobs: Rückgang in Sachsen stärker als bundesweit

In Sachsen haben rund 125.000 Beschäftigte einen befristeten Arbeitsvertrag. Und diese Zahl ist in den fünf Jahren seit 2013 um mehr als 18 Prozent zurückgegangen. In Deutschland insgesamt ging die Zahl nur um 2,5 Prozent zurück. Allerdings ist in Sachsen ein höherer Anteil Fachkräfte unter den Befristeten.

Den Forschern ist auch aufgefallen, dass in Sachsen mehr Frauen und mehr Menschen im Alter ab 55 befristet beschäftigt sind. Ein Grund dafür könnte der hohe Anteil an Dienstleistungsberufen sein. Auf dem Bau und in Industriebetrieben mit internationaler Konkurrenz seien Befristungen selten, schreiben die Forscher.

In Dresden arbeiten 82 Prozent aller Beschäftigten als Dienstleister. Dort und in Leipzig ist auch der Anteil der befristeten Arbeitsverträge am höchsten.

Stabilität: Sachsen wechseln seltener den Arbeitsplatz

Der hohe Anteil von Arbeitsplätzen im öffentlichen Dienst gilt den Forschern als ein Grund dafür, dass die Beschäftigung in Sachsen recht stabil ist. Sachsen wechseln seltener den Arbeitsplatz als Beschäftigte in Deutschland insgesamt. Während Beschäftigungen von mehr als sechs Jahren Dauer anderswo seltener geworden sind, hat sich in Sachsen keine große Änderung im Zeitraum von 2013 bis 2018 gezeigt.

In Leipzig ist der „Stellenumschlag“ laut Studie am schnellsten, am geringsten im Erzgebirge. Als dauerhaft gelten Stellen auch in Landwirtschaft, Energiewirtschaft und Finanzen. Bei Akademikern beobachten die Forscher einen Trend zu kurzfristigeren Arrangements.

Von den Beschäftigten unter 25 Jahre haben mehr als die Hälfte eine Arbeit für höchstens zwölf Monate. Männer wechseln häufiger die Stelle als Frauen.

Leiharbeit: Im Westen zuletzt viel stärker gewachsen als in Sachsen

Etwa 44.000 Sachsen waren 2018 bei Leiharbeitsfirmen angestellt. Ihre Zahl ist zuvor kaum noch gewachsen: um 2,3 Prozent seit 2013. In Deutschland insgesamt dagegen nahm diese „atypische“ Beschäftigungsform um gut 36 Prozent zu.

Drei Viertel der sächsischen Leiharbeiter sind Männer, sie sind im Schnitt älter als die Leiharbeiter bundesweit und haben mehr Berufserfahrung. Der Anteil der Ausländer an der Leiharbeit ist in Sachsen geringer, aber in Sachsen ist ohnehin der Ausländeranteil gering.

Teilzeit: Ostdeutsche Frauen haben westdeutsche überholt

Ostdeutsche Frauen waren lange Zeit viel seltener als westdeutsche in Teilzeit beschäftig. Aber in den letzten Jahren hat sich das Verhältnis gedreht. Die Teilzeitquote in Sachsen ist auf 31 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten gestiegen.

Nur 22 Prozent der Teilzeitbeschäftigten sind Männer. Frauen gehen ab einem Alter von 28 Jahren zunehmend in Teilzeit, also oft in Verbindung mit Kindererziehung, Männer häufig erst mit 58. Wenig Teilzeitjobs gibt es in Bau und Industrie, mehr in Verwaltung, Handel, Gesundheitswesen und Unterricht.

In Sachsen finden sich eher wenige Teilzeitstellen in Landkreisen wie Meißen und Zwickau mit viel Industrie, aber einen hohen Teilzeitanteil hat der Kreis Görlitz. Rund 154.000 Sachsen hatten im Jahr 2019 ausschließlich Minijobs – vor allem in Gastronomie, Wohnungswesen und Handel.

Einkommen: Weniger Niedriglöhner, aber unterschiedlicher Maßstab

In Sachsen ist der Anteil der Niedriglohnempfänger an allen Vollzeitbeschäftigten geringer als bundesweit – und der Anteil ist in den vergangenen Jahren gesunken: seit 2013 um fast vier Prozentpunkte auf 13,2 Prozent im Jahr 2018. Dazu kann der gesetzliche Mindestlohn beigetragen haben.

Das bedeutet aber nicht, dass die Einkommen im Osten plötzlich höher als im Westen wären. Vielmehr kommt es bei „niedrig“ darauf an, womit verglichen wird. Als Niedriglohn bezeichnen die Forscher einen Lohn, der weniger als zwei Drittel des mittleren Lohns in einer Region beträgt.

In Sachsen lag der mittlere Lohn bei Vollzeit im Jahr 2018 bei 2.582 Euro brutto monatlich. In Deutschland insgesamt gab es 734 Euro mehr. Demnach galt in Deutschland jemand mit weniger als 2.210 Euro im Monat schon als Niedriglöhner, in Sachsen dagegen erst unterhalb von 1.722 Euro.

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Noch nie konnten so viele sächsische Beschäftigte von Weiterbildungsmaßnahmen profitieren, schreiben die IAB-Forscher. Im ersten Halbjahr 2018 haben 55 Prozent der sächsischen Betriebe ihren Mitarbeitern den Zugang zu Weiterbildung eröffnet. 41 Prozent der Beschäftigten nahmen teil, in Deutschland 36 Prozent. Frauen zeigten sich dabei stärker interessiert als Männer, was an der Art der Kurse liegen kann: Häufig ist Weiterbildung in öffentlicher Verwaltung, Sozial- und Erziehungswesen.

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