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Arbeit und Bildung

Vom Eimer zum modernen Einsatzfahrzeug

Wie Innovationen die Feuerwehren veränderten

© Bildquelle: Markus Distelrath / pixabay

Aneinandergereihte Häuser wie auf einer Perlenkette. Mauer an Mauer und dazu viel Holz. Was für die einen idyllisch klingt, lässt bei anderen die Alarmglocken schrillen. Vor allem bei Feuerwehrleuten. Denn eine dichte Bebauung in Holzbauweise lässt im Ernstfall Flammen rasch von Haus zu Haus wandern. Doch sah die Realität vor einigen Jahrhunderten genauso aus. Zum Beispiel im alten Rom. Deswegen wurde dort eine der ersten Truppen aus Sklaven zusammengestellt, die sich um Brände kümmern sollte. Heute ist das Römische Reich längst Geschichte und so manche Innovation, die später das Feuerwehrwesen veränderte, wurde ebenfalls schon wieder von einer anderen verdrängt. Denn um Brände zu bekämpfen oder Menschen aus Wracks zu befreien, muss man vor allem eines: „immer up-to-date sein“. Das gilt für die Ausrüstung und die Fahrzeuge genauso wie für das Know-how.

Ein lautes „Feurio“ schrillt durch die Nacht

Während im alten Rom noch Sklaven zur gefährlichen Brandbekämpfung gezwungen wurden, verpflichtete man im Mittelalter die Gemeinden dazu, sich um den Brandschutz zu kümmern. Eine Schlüsselfigur war damals der Nachtwächter oder der Türmer. Er war die Sirene des Mittelalters und informierte die Bevölkerung über jegliche drohende Gefahr, wie auch über entstehende Brände. Dazu benutzte er den Ruf „Feurio“, der zu dieser Zeit sehr oft durch die Nacht schrillte. Außerdem wurden Turmglocken und Fahnen dazu benutzt, die Information weiterzugeben. Zu Beginn mussten sich die Innungen und Zünfte, also die Handwerker selbst um das Löschen der Flammen kümmern. Eine der ältesten, bekannten Feuerwehrordnungen aus Meran aus dem Jahr 1086 bestätigt dies.

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Im 13. und 14. Jahrhundert kam es zu ersten, verpflichtenden Präventivmaßnahmen. So mussten die Bürger ab einer gewissen Uhrzeit alle Feuer ausmachen oder einen Eimer Wasser für Notfälle parat haben. Auch Feuerschleifen wurden eingerichtet. Diese großen Bottiche auf Schlittenkufen wurden mit Wasser gefüllt und in der Nähe des Ortszentrums platziert. Daneben entstanden Löschwasserteiche und Pumpwerke. In puncto Ausrüstung musste sich die Feuerwehr mit sehr einfachen Hilfsmitteln zufriedengeben. Ledereimer, Wasserfässer, Leitern, Einreißhaken oder Dachkrücken zählten zu den wichtigsten Utensilien. Ab dem 14. Jahrhundert gab es einfache Spritzen (allerdings schon etwa 250 v.Ch. von den Römern erfunden), die teils bis zum Beginn des 20 Jahrhunderts eingesetzt wurden und von Pferden oder den Wehren zum Einsatzort befördert wurden.

Eine Erfindung aus Leder revolutioniert die Welt

Im 16./17. Jahrhundert kam es schließlich zu einer bahnbrechenden Innovation, die das Feuerwehrwesen maßgeblich veränderte: Der Schlauch wurde erfunden. Zunächst fertigte man ihn aus Leder an, später wurde dieses vernietet. In diese Zeit fallen auch die Gründungen erster Berufsfeuerwehren wie etwa jene der Berufsfeuerwehr Wien. Sie wurde 1686 ins Leben gerufen. Immer öfter wurden Feuerwehrleute dann mit alten Militärhelmen ausgestattet und auch die Schläuche entwickelten sich stetig weiter. So tauchten Mitte des 18. Jahrhunderts erste Hanfschläuche auf. Viele Jahrzehnte später kam eine Gummi-Einlage dazu.

Die Industrialisierung hält Einzug ins Feuerwehrwesen

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich im deutschsprachigen Raum schließlich jenes System, das auch heute noch vorherrschend ist, wobei die älteste deutsche Berufsfeuerwehr 1851 als ihr Gründungsjahr angibt. Carl Ludwig Scabell war dessen Gründer. Kurze Zeit später, im 20. Jahrhundert, brachte die Industrialisierung neue Innovationen mit sich: Dampfspritzen, zunächst noch von Pferden gezogen, später selbstfahrend mithilfe von Verbrennungs- oder Elektromotoren, revolutionierten das Feuerwehrwesen. Die ersten verbrennungsmotorgetriebenen Einsatzfahrzeuge erleichterten die Arbeit zusätzlich. Beides kombiniert ergab die Lafettenspritze. Diese Feuerwehrspritzen wurden auf Einachsanhängern montiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde außerdem so manche Feuerwehrflotte mit alten Militärfahrzeugen aufgestockt.

© Bildquelle: Dimitri Houtteman / pixabay

Auf 80 Einwohner kommt ein Feuerwehrmitglied

Heute gibt es in Deutschland rund 23.700 Feuerwehren, wobei 95 Prozent davon Freiwillige Wehren sind. Sie zählen über eine Million aktive Feuerwehrleute. Hinzu kommen 250.000 Mitglieder der Jugendfeuerwehren und 200.000 in Alters- und Ehrenabteilungen. Damit kommt in Deutschland auf 80 Einwohner im Schnitt ein Feuermitglied. Toppen kann das nur das Nachbarland Österreich: Hier liegt das Verhältnis bei 43:1. Immer wichtiger werden auch die Frauen: 9 Prozent aller Aktiven sind mittlerweile weiblich. Der Anteil steigt kontinuierlich. Waren es in den vergangenen Jahrhunderten noch vordergründig Brandeinsätze, die sie zu meistern hatten, so sind es heute immer mehr Technische Einsätze und Katastrophenhilfen. Daher hat sich auch die Ausrüstung verändert und wurde erweitert. Neben Pumpen, Schläuchen, Stahlrohren, Funksystemen, Pressluftatmern oder tragbaren Leitern verfügen Feuerwehrleute über hydraulische Rettungsgeräte wie Spreizer, Schneidgerät oder Zylinder, Ölbindemittel, Auffangbehälter oder Sprungrettungsgeräte. Und auch Fahrzeuge werden an die neue Realität angepasst: So werden zum Beispiel auch spezielle Wägen und Geräte für Flugnotfälle wichtiger, die sogenannten ICAO-Löschzüge. Sie bestehen aus Flugfeldlöschfahrzeugen, Führungsfahrzeugen und Hilfeleistungslöschfahrzeugen oder Rüstfahrzeugen. Darüber hinaus wird oft ein Rettungstreppenfahrzeug eingesetzt. So auch am Flughafen Düsseldorf. Diese Rettungstreppe E5000 von Rosenbauer dient bei Flugunfällen den Passagieren als schnellstmöglicher Rettungsweg aus dem verunglückten Flugzeug hinaus, sowie dem Löschtrupp oder medizinischem Personal als Weg in das Flugzeug hinein.

Diese Text entstand in Zusammenarbeit mit dem externen Redakteur P.-J. Meyer

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