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Politik

Warum Migranten oft weniger verdienen

Menschen aus dem Ausland bekommen in Deutschland im Schnitt deutlich weniger Gehalt als Einheimische. Dafür gibt es mehrere Gründe.

Menschen aus dem Ausland arbeiten überdurchschnittlich häufig in Helferberufen.
Menschen aus dem Ausland arbeiten überdurchschnittlich häufig in Helferberufen. © Daniel Bockwoldt/dpa (Symbolfoto)

Berlin. Menschen ohne deutschen Pass verdienen hierzulande im Schnitt weniger als die Bundesbürger. Das geht aus einer aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage des AfD-Abgeordneten René Springer hervor. Demnach lag laut einer Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) das mittlere Einkommen (Median) von sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Vollzeit mit deutscher Staatsangehörigkeit im Jahr 2019 bei 3.509 Euro brutto. Ausländische Staatsangehörige bekamen 2.614 Euro brutto - also rund ein Viertel weniger.

Im Jahr 2010 lag der Unterschied zwischen den Gehältern von Bundesbürgern und Menschen aus dem Ausland erst bei 11,6 Prozent, Arbeiter ohne deutschen Pass bekamen damals im Median 317 Euro weniger. Median ist ein Mittelwert, der beim Gehalt Ausreißern nach oben oder nach unten ein geringeres Gewicht gibt als der einfache Durchschnitt.

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Besonders groß ist die Differenz zwischen Beschäftigten mit deutscher Staatsbürgerschaft und jenen mit Pässen etwa aus Syrien, Afghanistan oder Eritrea. Aus diesen Ländern stammen die meisten Flüchtlinge. Menschen aus diesen Staaten bekamen im Jahr 2019 im Median 1.475 Euro brutto weniger und damit nur rund 58 Prozent des Einkommens der Bundesbürger.

Weniger Berufserfahrung und Kompetenzen

Auch in einzelnen Bereichen werden die Unterschiede im Gehalt deutlich. So verdienten ungelernte Arbeitskräfte aus dem Ausland im Schnitt 415 Euro weniger als ihre Kollegen aus Deutschland. Menschen aus Albanien, Serbien oder Nordmazedonien bekamen dabei 208 Euro, Menschen aus Syrien, Afghanistan oder Eritrea 657 Euro weniger.

Etwa 16 Prozent der deutschen Erwerbstätigen (rund 3 Millionen Menschen) waren im vergangen Jahr im Niedriglohnsektor beschäftigt. Zum Vergleich: Von den Beschäftigten mit ausländischer Staatsangehörigkeit waren es gut 37 Prozent (gut eine Millionen Menschen).

Die Bundesregierung weist darauf hin, dass die Arbeiter aus dem Ausland weniger Berufserfahrungen und Kompetenzen hätten und deshalb tendenziell weniger Geld als der Durchschnitt bekämen. Würden also mehr Menschen mit ausländischem Pass beschäftigt, könne das "einen dämpfenden Effekt auf das Median-Entgelt ausüben".

"Menschen, die frisch eingewandert sind, stehen in Deutschland am Anfang ihrer Karriere", betont auch Herbert Brücker vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der BA. "Ihre Löhne werden im Laufe ihres Berufslebens deutlich steigen." Zudem seien viele Migranten sehr jung - Menschen mit viel Berufserfahrung verdienten bis zu 80 Prozent mehr als Berufsanfänger, sagte Brücker der dpa.

Überdurchschnittlich häufig in akademischen Berufen

"Einwanderung darf nicht zu Lohndumping bei den Beschäftigten führen", warnt der AfD-Abgeordnete René Springer in einer Mitteilung über die Entgeltunterschiede. Er pocht auf eine Kurskorrektur der Einwanderungspolitik der Bundesregierung.

Arbeitsmarktforscher Brücker betont: "Auf die Entlohnung der Berufe an sich hat der Zuzug von Migranten nur marginale Effekte." In Helferberufen seien die Verdienste seit 2010 sogar deutlich gestiegen. Brücker zufolge arbeiten Menschen aus dem Ausland aber nicht nur überdurchschnittlich häufig in diesem Bereich. Auch in akademischen Berufen seien sie überdurchschnittlich oft vertreten.

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Der Mindestlohn und die Förderung berufsabschlussbezogener Weiterbildung könnten nach Ansicht der Bundesregierung dabei helfen, die Unterschiede im Einkommen zu verringern.

Laut BA waren im Dezember 2019 fast 21 Millionen deutsche Staatsangehörige sozialversicherungspflichtig in Vollzeit beschäftigt und gut 3 Millionen Menschen aus dem Ausland. (dpa)

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