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Arbeit und Bildung

Zeitarbeit als Instrument bei starken Produktionsschwankungen

Die Zeitarbeit ist ein beliebtes Diskussionsthema, weil es bei vielen Menschen stark polarisiert.

Bei unerwartet guter Auftragslage werden innerhalb kurzer Zeit fähige Mitarbeiter benötigt.
Bei unerwartet guter Auftragslage werden innerhalb kurzer Zeit fähige Mitarbeiter benötigt. © Michal Jamoluk / pixabay.com

Die zahlreichen Vor- aber auch Nachteile führen dazu, dass die Zeitarbeit von den verschiedenen Interessensgruppen sehr unterschiedlich angesehen wird. Eines ist aber vor allem in den letzten Monaten stark aufgefallen: Sie ist ein ausgesprochen beliebtes Instrument, wenn es darum geht, starke Produktionsschwankungen in Betrieben professionell zu handeln.

Wie verbreitet ist Zeitarbeit in Deutschland?

Im internationalen Vergleich ist die Zeitarbeit in Deutschland sehr weit verbreitet. Laut einer entsprechenden Statistik, die im November 2020 auf Statista veröffentlicht wurde, gibt es in Deutschland rund 11.500 Unternehmen, deren schwerpunktmäßige Tätigkeit die Überlassung von Arbeitskräften an Unternehmen ist.

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Von dieser Möglichkeit machen aktuell rund 900.000 Menschen hierzulande Gebrauch. Das macht immerhin einen Anteil von etwa 2,3 Prozent am Gesamtarbeitsmarkt aus.

Die Gehälter, die von den Zeitarbeitsfirmen bezahlt werden, waren vor allem in der Vergangenheit immer wieder ein Thema, bei dem die Emotionen hochgekocht sind. Die nackten Zahlen dazu: Das durchschnittliche Bruttoarbeitsentgelt in der Zeitarbeit in Deutschland liegt aktuell knapp unter 2.000 Euro.

Das Thema Zeitarbeit ist immer noch sehr männlich besetzt. Der Anteil der männlichen Zeitarbeitnehmer beträgt 71 Prozent. Sehr erfreulich: Mehr als jeder Dritte, der sich für die Zeitarbeit in einem Unternehmen entscheidet, wird in weiterer Folge von einem Betrieb übernommen. Die größten beiden Unternehmen dieser Branche nach Umsatz, Anzahl der Zeitarbeitnehmer und internen Mitarbeitern sind Adecco und Randstad.

Was genau verbirgt sich hinter dem Begriff Zeitarbeit?

Bei der Zeitarbeit überlässt ein sogenannter Personaldienstleister sein Personal für einen Zeitraum an ein bestimmtes Unternehmen. Die Zeitarbeitnehmer sind dabei mit unterschiedlichen Verträgen bei den Personaldienstleistern ausgestattet. Bei den seriösen Vertretern der Branche wie beispielsweise Randstad oder Adecco haben sie in der Regel einen unbefristeten Arbeitsvertrag.

So kommen die Zeitarbeitnehmer im Rahmen dieses Vertrages zu wechselnden und zeitlich begrenzten Arbeitseinsätzen bei den unterschiedlichsten Unternehmen. Vor allem in den folgenden Berufsfeldern ist die Zeitarbeit sehr verbreitet:

● Industrie und Handwerk

Dienstleistung und Service

Marketing und Vertrieb

Wirtschaft und Administration

Gesundheit und Sozialwesen

Finanz- und Rechnungswesen

IT und Technik

Welche Vorteile haben Unternehmen von Zeitarbeit?

Die langfristige Unternehmensplanung ist in Zeiten der Digitalisierung sehr schwierig geworden. Nicht immer lässt sich bereits lange im Voraus einschätzen, wie sich die Branche und das eigene Unternehmen entwickeln werden. So kann es erforderlich werden, entsprechend schnell und flexibel zu reagieren, um einen bestimmten Auftrag nicht an einen Mitbewerber zu verlieren.

Für Unternehmen bietet sich das Modell „Zeitarbeit“ deshalb vor allem an, um Auftragsspitzen und Kapazitätsschwankungen abzudecken.

Für die Umsetzung von bestimmten Projekten ist in vielen Betrieben weder das Know-how noch die Kapazität vorhanden. Auch hier greifen Unternehmer gerne auf Personal von Zeitarbeitsfirmen zurück. Gerade hier kommt es sehr oft dazu, dass die entsprechenden Mitarbeiter in weiterer Folge dauerhaft übernommen werden, vor allem bei einem positiven Projektverlauf.

Auch zeitlich begrenzte Ausfälle durch Urlaube, Mutterschutz oder Elternzeit lassen sich durch die Arbeitskräfteüberlassung gut ausgleichen.

Der Barmer-Gesundheitsreport zeigt, dass Sachsens Arbeitnehmer überdurchschnittlich oft krank sind. Die Anzahl der Krankschreibungen liegt hier fast neun Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Im Jahr 2019, also lange vor der Corona-Pandemie, kam es allein in Sachsen so zu über 2,5 Millionen Fehltagen, die teilweise ganze Produktions- und Serviceabteilungen lahmgelegt haben. Um hier schnell reagieren zu können, greifen Unternehmen ebenfalls gerne auf die Arbeitskräfte der Zeitarbeitsfirmen zurück.

Start-ups scheuen in vielen Fällen lange Zeit davor zurück, eigene Mitarbeiter einzustellen, weil ihnen der Verwaltungsaufwand dafür zu hoch ist. Stattdessen lagern sie in der Regel die unterschiedlichsten Unternehmensprozesse auf andere Unternehmen und Dienstleister aus. Eine Möglichkeit für einen sanften Einstieg zur Arbeit mit eigenem Personal stellt hier ebenfalls die Zeitarbeit dar.

Die Neo-Unternehmer haben so in aller Ruhe die Möglichkeit, sich mit dem Personal „anzufreunden“ und mittelfristig einen Teil der geliehenen Belegschaft auch fix zu übernehmen. Vor allem haben sie aber dadurch nicht das Risiko, bei Auftragsschwankungen auf hohen Fixkosten sitzenzubleiben, die gerade in der Startphase ruinös sein können.

In Sachsen liegt die Krankenstandsquote weit über dem Bundesdurchschnitt. Durch Zeitarbeit können Ausfälle gut kompensiert werden.
In Sachsen liegt die Krankenstandsquote weit über dem Bundesdurchschnitt. Durch Zeitarbeit können Ausfälle gut kompensiert werden. © guvo59 / pixabay.com

Welche Chancen bieten sich für Arbeiter und Angestellte durch Zeitarbeit?

Für viele Arbeitssuchende gilt die Annahme eines Jobs über eine Zeitarbeitsfirma als letzte Option. Dabei wäre es empfehlenswert, sich lieber auf das halbvolle Glas zu konzentrieren als ständig über die Nachteile der Zeitarbeit nachzudenken.

Der Einsatz in unterschiedlichen Unternehmen in verschiedenen Positionen erweitert nicht nur die eigenen Kenntnisse, sondern vergrößert darüber hinaus vor allem das berufliche Netzwerk bedeutend.

Gerade Scanner-Persönlichkeiten sind ständig auf der Suche nach einer neuen Herausforderung, weil sie sich schnell langweilen, wenn sie immer nur die gleiche Tätigkeit durchführen. Für sie ist die Anstellung in einem Zeitarbeitsunternehmen also schon allein deshalb empfehlenswert, weil ihnen hier die entsprechenden Jobs automatisch vermittelt werden. Der bürokratische Aufwand, der durch die ständigen Bewerbungen, Einstellungsgespräche und in weiterer Folge auch Kündigungen entsteht, entfällt in diesem Fall.

Nicht zuletzt ist es für viele Arbeitnehmer auch die Möglichkeit, attraktive Unternehmen von ihren Fähigkeiten zu überzeugen, in denen sie auf dem üblichen Weg sonst eventuell nie eine Chance erhalten hätten. Der Umweg über die Arbeitnehmerüberlassung kann sich also durchaus auszahlen, um langfristig an einen interessanten und lukrativen Arbeitsplatz zu gelangen.

Hartz 4 wirkt in Deutschland oftmals wie ein Stempel. Wenn Arbeitgeber in den Bewerbungsunterlagen lange Ausfallzeiten entdecken, landen diese oftmals fast automatisch auf dem gefürchteten Nein-Stapel.

In vielen Fällen können die Menschen aber nichts dafür, dass sie längere Zeit nicht beruflich im Einsatz waren. Die Gründe hierfür können unterschiedlich sein. Durch das geringere Risiko einer Einstellung über die Arbeitskräfteüberlassung bekommen genau diese Menschen nun wieder eine Chance, sich auch im beruflichen Umfeld neu zu beweisen.

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit dem externen Redakteur A. Ziegler.

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