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Arbeiten am Fundament

Die Sächsische Aufbaubank baut an ihrem Finanzpolster – und bald auch am neuen Sitz in Leipzig.

© SAB

Von Lars Radau, Dresden

Ein solides Fundament ist Stefan Weber wichtig. Im übertragenen wie im wörtlichen Sinne. Doch der Vorstandschef der Sächsischen Aufbaubank (SAB) wirkte gestern bei der Bilanz-Pressekonferenz des Instituts fast ein wenig beleidigt darüber, wie unterschiedlich die Arbeiten am Fundament wahrgenommen werden. Als Banker ist Weber nämlich „richtig stolz“ auf ein Manöver, mit dem die staatliche Förderbank mittelfristig ihr Zinsergebnis sichern und ihre Ertragslage verbessern will.

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Die SAB hat im vergangenen November rund eine Milliarde Euro in die Hand genommen und von der Baden-Württembergischen Landeskreditbank (L-Bank) ein Darlehens-Portfolio zurückgekauft. Das, sagt Weber, besteht im Wesentlichen aus Krediten für die sächsische Wohnungswirtschaft, die ursprünglich auch im Rahmen sächsischer Förderprogramme zugesagt wurden. Vermittelt und bearbeitet hatte die SAB die Darlehen ohnehin schon – damals noch als Zweigbetrieb der L-Bank. Jetzt kämen die Kredite gewissermaßen nach Hause zurück. „Das macht es für die Kunden einfacher“, sagt Weber. Diese, meist kommunalen Wohnungsgenossenschaften, müssten für Gespräche nicht mehr nach Baden-Württemberg reisen.

Weitaus wichtiger für die SAB ist aber der Vorteil für die eigene Bilanz. Weil die zurückgekauften Darlehen im Vergleich zur heutigen Marktsituation hohe Zinssätze haben, musste die SAB der L-Bank ein Aufgeld von rund 121 Millionen Euro zahlen. Diesen Zuschlag, sagt Weber, habe die SAB für 2015 komplett als Ausgabe gebucht, statt ihn über die Laufzeit – teilweise bis ins Jahr 2031 – zu verteilen. Dieser Einmalaufwand, so Weber, werde durch laufende höhere Erträge in den kommenden Jahren ausgeglichen. Zudem könne das Institut so die Auswirkungen der derzeitigen Niedrigzinsphase zumindest zu einem Teil kompensieren. „Wir bezahlen die Kosten jetzt – und schieben die Erträge in die Zukunft“, erklärt Weber. Das sei „besser als andersherum“ und eben Teil eines soliden Fundaments.

Ein sehr solides Fundament soll auch in Leipzig entstehen – dorthin wird die SAB im Januar 2017 offiziell ihren Sitz verlegen. Wann genau die Förderbank tatsächlich die Arbeit in einem rund 60 Millionen teuren Neubau auf dem ehemaligen Robotron-Gelände in der Nähe des Hauptbahnhofes aufnehmen will, darüber wollte Weber gestern keine Prognose abgeben. Er habe großen Respekt vor dem Baugrund, gelegen „mitten im Urstromtal des Flusses Pleiße“. Im Laufe dieses Sommers rechnet die SAB-Spitze mit der Baugenehmigung. Erst wenn die Baugrube fertig sei, lasse sich die Bauzeit abschätzen, betont Weber. Dann könne auch über die Aufgabenverteilung an den Standorten Dresden und Leipzig gesprochen werden, die im Haus bereits seit geraumer Zeit für Unruhe und Befürchtungen sorgt. „In den nächsten zwei Jahren spielt das eher noch keine Rolle“, ist der Vorstandschef überzeugt. Ende 2018 könnte der fünfgeschossige Neubau stehen.

Die Sorgen der insgesamt rund 1 220 Mitarbeiter kann Weber offenbar nur begrenzt nachvollziehen. „Wir reden ja nicht von einem Umzug nach Miami“, sagt er flapsig. Und schiebt dann schnell hinterher, dass es vor allem um „sinnvolle Lösungen“ für alle Beteiligten gehe. Zwangsversetzungen werde es ebenso wenig geben wie eine „regionale Proporzverteilung“. Neben den Arbeiten am Fundament läuft der normale Alltagsbetrieb der SAB weiter, aus Webers Sicht „so stabil und unspektakulär, dass es fast schon langweilig ist“. 2015 bewilligte die Bank knapp 32 000 Förderanträge – gut 27 Prozent mehr als im Vorjahr. Ein Grund, so Weber, sei die neue EU-Förderperiode 2014 bis 2020, die im vergangenen Jahr „erst richtig angelaufen“ sei. Insgesamt traf die SAB mehr als 55 600 Förderentscheidungen und gewährte im Volumen von rund 1,65 Milliarden Euro Zuschüsse, Darlehen und Bürgschaften.

Das meiste Geld floss mit einem Anteil von 28 Prozent in die Förderung von Umwelt und Landwirtschaft, knapp gefolgt von Infrastruktur und Städtebau mit einem Anteil von 27 Prozent. Auf die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt entfielen 21 Prozent und damit weniger als im Jahr zuvor.