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Arbeitsplätze aus dem Internet

Als erstes Land im Osten hat Sachsen eine digitale Strategie. Die beginnt mit Baggern.

© Symbolfoto: dpa

Dresden. Diesen Satz sagen Politiker selten: „Wir haben keine Zeit mehr“, räumte Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) am Dienstag ein. Sachsen ist mit dem schnellen Internet bisher zu langsam vorangekommen. Doch die Landesregierung hat gestern neue Zuschüsse beschlossen – und eine ganze Strategie „Sachsen Digital“ auf 169 Seiten. Wer schon schnelles Internet hat, kann sie beim Wirtschaftsministerium auch schnell herunterladen. Darin finden sich Vorhaben mit Namen wie Breitbandkoordinierungsausschuss und Cybercrime-Kompetenzzentrum.

Sachsen ist von den neuen Ländern das erste, das sich eine solche Strategie vornimmt. Dafür gab es Lob von Dirk Röhrborn, Geschäftsführer der Softwarefirma Communardo und Sachsens Landessprecher im Branchenverband Bitkom. Röhrborn durfte als einer von 18 Experten in einem Beirat die Entstehung des Internet-Papiers begleiten. Er weiß allerdings auch: Länder wie Bayern waren schneller und haben sich noch höhere Ziele gesetzt.

Late Night Shopping Dresden
Late Night Shopping Dresden
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Zur langen Einkaufsnacht unter dem Motto "Late Night Shopping" lädt das City Management Dresden am Freitag, 2. Oktober, in die Dresdner Innenstadt ein. Vom Neumarkt an der Frauenkiche bis zur Prager Straße beteiligen sich zahlreiche Händler und die großen Einkaufsgalerien an der Aktion.

Geld für Tiefbau: Gemeinden schaffen schnelles Internet selbst an

Sachsen liegt auf dem drittletzten Platz in Deutschland, wenn es um die Versorgung geht – nicht bei Strom und Wasser, aber bei Internet-Verbindungen mit mindestens 50 Megabit pro Sekunde. Dresden und Leipzig haben laut Minister Dulig „schon eine sehr vernünftige“ Breitband-Infrastruktur. Doch auf dem Lande und vor allem im Gebirge fehle es an Leitungen.

Die Unternehmen wie Telekom und Vodafone haben sich laut Dulig bisher zu sehr zurückgehalten. Wo sie nicht investieren wollen, soll künftig der Staat für die Technik sorgen. Das teuerste sind dabei die Tiefbauarbeiten für die Kabel, doch auch Funktechnik kann angeschafft werden – Städte und Gemeinden entscheiden jeweils selbst darüber. Ein Breitbandkompetenzzentrum soll die Kommunen beraten.

Plan fürs Jahr 2025: doppeltes Tempo beim Herunterladen

In Deutschland haben etwa 65 Prozent der Wohnungen Anschluss an schnelles Internet mit 50 Megabit pro Sekunde, in Sachsen nicht einmal jede zweite. Die Landesregierung hat bisher das Ziel verfolgt, bis zum Jahr 2018 Sachsen fast flächendeckend mit dieser Technik zu versorgen – nämlich 95 Prozent der Haushalte.

Nun legt Dulig die Latte höher: Doppelt so schnelles Internet ist nun das Ziel. Mindestens 100 Megabit pro Sekunde sollen erreichbar werden und zwar bis 2020 in der Hälfte der Wohnungen und 2025 flächendeckend. Die Kosten schätzt Dulig auf 2,6 Milliarden Euro – hauptsächlich aufzubringen von den Telekommunikationsfirmen. Doch wo sie fernbleiben, sollen die Kommunen sich um die Technik kümmern und dafür von Bund und Land den weitaus größten Teil des Geldes bekommen.

Bis zu 92 Prozent der Kosten will das Land übernehmen, sagte Dulig. Wenn sich eine Gemeinde mit 50 Megabit zufriedengibt, muss sie allerdings bis zu 20 Prozent der Kosten selbst tragen. Branchenexperte Röhrborn lobte das neue Fernziel. Die technische Entwicklung gehe allerdings weiter, auch 100 Megabit würden auf Dauer nicht ausreichen. Ähnlich äußerte sich Claudia Maicher, netzpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag: Gezielte Investitionen in Glasfaserkabel seien nötig, keine Zwischenschritte. Finanzschwache Kommunen können nach Maichers Einschätzung ihren Eigenanteil von acht bis 20 Prozent nicht aufbringen. Der Freistaat hat zunächst 300 Millionen Euro Zuschüsse im Haushalt vorgesehen.

Strategiepapier: neue Arbeit nicht nur in der Softwarebranche

Dulig sieht das schnelle Internet als nur einen Beitrag zur Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft. Für Sachsen sei das eine „Überlebensaufgabe“, auch wenn mancher Beschäftigte Angst vor der Technik habe. Der Minister sagte, nach einer Studie könne die Digitalisierung in Deutschland 610  000 Arbeitsplätze vernichten, 960 000 neue schaffen. Von den neuen müsse Sachsen möglichst viele abbekommen. Nicht nur in der Industrie gebe es Chancen, auch in Dienstleistung, Handel und Landwirtschaft.

Das Strategiepapier „Sachsen Digital“ zählt Projekte auf, wie den automatisierten Verkehrsfluss und Tests mit Telemedizin. Experte Röhrborn sieht in dem Papier eine gute Zusammenstellung vorhandener Projekte, aber zu wenige Visionen. Er glaubt, dass in seiner Software-Branche noch viele Stellen entstehen können und hofft auf bessere Schulbildung: Sachsen sei eines von zwei Bundesländern ohne Informatik-Leistungskurse. Auch das mehrfach angekündigte Software-Institut für Sachsen müsse bald kommen; laut Dulig wird darüber noch mit dem Bund verhandelt.

www.smwa.sachsen.de