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Arbeitsstunden für Sex-Drängler

Weil er mit einer Frau ins Bett wollte, drohte er ihr damit, ihre Nacktfotos zu veröffentlichen. Die Sache ging nach hinten los.

Von Alexander Schneider

Vielleicht war ja gähnende Langeweile der Grund, warum ein 20-Jähriger meinte, eine junge Frau zum Sex mit ihm zwingen zu müssen. Der junge Mann hat keinen Beruf, lebt in den Tag hinein – alleine in einer Dreiraumwohnung. Die Mutti kommt einmal die Woche vorbei, kocht, wäscht, putzt und lässt dem Sohnemann ein Bündel Geldscheine da. Viel mehr passiert offenbar nicht, jedenfalls hat Jugendrichterin Susanne Halt nicht viel mehr von dem Angeklagten erfahren. „Sie können doch nicht 24 Stunden am Tag schlafen“, sagte sie. Es gelang ihr nicht, ihn aus der Reserve zu locken. Der 20-Jährige stand wegen Nötigung vor dem Amtsgericht Dresden. Immerhin hatte er den Vorwurf eingeräumt.

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Wenn die Ferne ruft

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Bei einem ersten Versuch einer Gerichtsverhandlung in der Woche zuvor war der Angeklagte plötzlich im Saal zusammengebrochen, als die Richterin ihm das Beweismaterial gezeigt hatte. Es war die Unterhaltung mit dem 18-jährigen Mädchen, mit dem er unbedingt Sex haben wollte. Laut Anklage habe der Mann die Frau per E-Mail unter Druck gesetzt, Nacktfotos von ihr ins Internet zu stellen. Von einem Moment auf den nächsten rang der eher stille Mann nach Luft und sackte zusammen. Der Richterin blieb nichts anderes übrig, als einen Notarzt rufen zu lassen und den Prozess vorerst zu beenden. Die schlechte Konstitution des Angeklagten könnte mit seiner offenbar recht inaktiven Lebensweise zusammenhängen. Beim zweiten Prozesstermin jedoch hielt der Angeklagte durch.

Viel sprach jedoch nicht für den Angeklagten. Die 18-Jährige hatte schon am ersten Tag ausgesagt, dass sie den Mann über eine Freundin im Internet kennengelernt habe. Sie hätten Fotos von sich ausgetauscht, auch sehr private. Beim ersten Treffen seien sie auch gleich im Bett gelandet. Sie habe den Eindruck gehabt, er wolle sich nur mit ihr treffen, um mit ihr Sex zu haben. Das jedoch wollte sie nicht. Da sei er beleidigend geworden. Später habe er nicht nur damit gedroht, sondern tatsächlich ein Nacktbild bei Facebook veröffentlicht. Sie habe ihn daher angezeigt.

Richterin Halt sprach von einer „schäbigen Tat“ und verurteilte den Angeklagten nach Jugendstrafrecht zu 80 Arbeitsstunden. Außerdem muss er sich an eine Einrichtung wenden, die ihm bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz helfen soll.

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