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Archäologen entdecken mittelalterliche Stadtmauer

Bei den Grabungen im Hof des Zwingers sind die Fachleute aber auch auf einen Fund aus der Steinzeit gestoßen.

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© Steffen Unger

Von Peter Hilbert

Thea Redke kauert vorm Glockenspielpavillon, streicht mit ihrer Spachtel behutsam über alte Steine. In der Grube ist ein Teil der alten Stadtmauer freigelegt.

Thea Redke und andere Mitarbeiter des Landesamtes für Archäologie forschen im Zwinger nach den Spuren der Geschichte. Im Oktober 2013 hatten sie mit den Grabungen begonnen. Zum Auftakt legten sie vorm Wallpavillon ein besonderes Stück der Baugeschichte frei. Barockbaumeister Matthäus Daniel Pöppelmann hatte den Zwingergarten zwischen 1709 und 1718 gleich dreimal gestalten lassen. Davon zeugen übereinanderliegende Schichten, die die Archäologen freigelegt hatten. Auf der anderen Seite des Zwingerhofes sind sie jedoch in den vergangenen Wochen auf noch viel ältere Funde gestoßen, erklärt Grabungsleiter Hartmut Olbrich und verweist auf die letzte der vier freigelegten Flächen, in der Thea Redke arbeitet. Dort haben die Archäologen ein Stück der alten Stadtmauer vom Anfang des 13. Jahrhunderts entdeckt, ein gutes Beispiel romanischer Backsteinarchitektur.

„Das ist eine eigenwillige Konstruktion“, sagt der Fachmann. Über dem Backsteinmauerwerk sind halbe Ziegelsteine versetzt. „Es ist kein Wunder, dass früher ständig Reparaturen nötig waren.“ Die Mauer sollte aber wahrscheinlich bereits wegen ihrer Größe eine abschreckende Wirkung haben. Direkt davor ist auch ein Stück des ehemaligen Stadtgrabens freigelegt. Zwar ist diese Stadtmauer auch schon in alten Plänen dargestellt. Doch ihr realer Verlauf in diesem Bereich des Zwingers weicht ein Stück davon ab.

Wenige Steinwürfe entfernt haben die Archäologen Reste einer weiteren Stadtmauer freigelegt, die Mitte des 16. Jahrhunderts errichtet wurde. Darauf soll die alte Zwingergrotte gestanden haben. Diese Mauer hatte jedoch kein langes Leben. „Sie war zu niedrig und damit kein sicherer Schutz für das Schloss“, so Olbrich. Also wurde sie in den 1570er-Jahren wieder abgerissen und durch eine größere Mauer mit Bastionen ersetzt, die sich bis zum heutigen Zwingerteich und weiter bis zur Elbe erstreckte. Zwischen der ganz alten und der Stadtmauer aus dem 16. Jahrhundert soll noch eine zwischen 1427 und 1431 gebaute gestanden haben. „Die konnten wir aber noch nicht nachweisen“, sagt er.

Olbrichs Archäologen haben noch weitere wertvolle Funde entdeckt. Dazu zählen Fragmente barocker Skulpturen, so eine Hand vom Anfang des 18. Jahrhunderts. Der älteste Fund ist ein Feuerstein aus der Steinzeit. Das lasse darauf schließen, dass schon vor Tausenden Jahren in der Nähe eine Siedlung war.

Allerdings setzen die Fachleute nicht nur Schaufeln ein, um den Untergrund des Zwingerhofs zu erkunden. Derzeit sind drei Archäologen einer Marburger Spezialfirma mit dem Bodenradargerät im Einsatz. „Die elektromagnetischen Wellen werden bis in eine Tiefe von etwa zwei Metern ausgestrahlt“, erklärt Torsten Riese, der die Messungen leitet. Die im Boden verborgenen Schichten reflektieren die Wellen. Mit diesen Messdaten werden später auf dem Computer dreidimensionale Modelle des Zwingerhofes zusammengestellt. Bis Ostern sollen dort alle archäologischen Untersuchungen beendet sein.