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Arche im Hinterhof

Ralph Marscholek ist mit seinem Laden „Naturkost Arche“ neu in Görlitz. Für Biofans ist er aber kein Unbekannter.

© Nikolai Schmidt

Von Sabine Ohlenbusch

Görlitz. Schön kühl ist es an heißen Tagen im ehemaligen Hefelager der Rabryka. „Hier ist schon damals der Kühlraum gewesen“, sagt Ralph Marscholek, „das ist auch gut für Obst und Gemüse.“ Deshalb hat der Neugörlitzer auch im hinteren Teil seines großzügig geschnittenen Geschäfts einen Raum abgeteilt, der durch eine Holztür mit Fenster zu erreichen ist. Solche begehbaren Frischekammern sind sonst nur bei großen Supermärkten oder im Großhandel zu finden. In der ehemaligen Hefefabrik ist der Bereich doppelt gemauert und an Boden und Decke isoliert, um auch im Hochsommer die Hitze draußen zu halten.

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Das Konzept des Kühlraums auch im Bioladen hat Ralph Marscholek aus seinem alten Geschäft mitgebracht. Schon seit zehn Jahren hat er nämlich mit Naturkost in der Lausitz Erfahrungen gesammelt: Auf dem Lebensgut in Pommritz im Landkreis Bautzen hat er den Hofladen geführt. Als sich aber die großen Umbrüche auf dem Biobauernhof mit angeschlossenem Wohnprojekt ankündigten, brachten ihn Kunden auf die Idee, sich einmal in Görlitz umzusehen. Stammkunden, die aus dem Umland nach Pommritz kamen und einen ähnlich weiten Weg nach Görlitz auf sich nehmen wollen. Einige alte Bekannte seien bereits vorbeigekommen.

Bautzen stand als neuer Sitz auch im Raum, das Flair hat Ralph Marscholek aber besser in Görlitz gefallen. So ist er Ende 2015 bei einer Spazierfahrt in der Neißestadt auf die Rabryka gestoßen. Das Gelände gefiel ihm auf Anhieb. Der angetroffene Hausmeister sei begeistert gewesen von der Idee eines Bioladens in dem Industriedenkmal. Auch die folgenden Eindrücke waren gut, und so unterschrieben Ralph Marscholek und der Eigentümer Bernhard Icking im Mai 2016 einen Mietvertrag über die Räume im Erdgeschoss der Rabryka.

Danach hat der Vermieter erst einmal kräftig investiert und Fenster, Fliesen und Farben der 180 Quadratmeter großen Geschäftsfläche erneuert. „Es ist sehr schön geworden“, schwärmt Ralph Marscholek. Er plant, auf Dauer auch Kaffee und Kuchen in einem kleinen Rahmen im vorderen Teil unter den halbrunden Bogenfenstern anzubieten. Eine Kundentoilette ist auf jedem Fall schon einmal vorhanden.

Ralph Marscholek stammt aus einem Dorf bei Fulda und zog 2005 aufs Lebensgut, weil er nach knapp zehn Jahren Berlin die Nase voll vom ungesunden Stadtleben hatte. Auch dort hatte er mit ökologisch erzeugten Lebensmitteln zu tun: Er verkaufte Bio-Gemüse auf Wochenmärkten. In der Rabryka gefällt es Ralph Marscholek sehr. „Es herrscht hier eine schöne Atmosphäre“, beschreibt er.

Die Naturkost Arche ist das vierte Geschäft, das die Görlitzer mit natürlichen Lebensmitteln versorgt – neben Bio im Bahnhof sowie Biomarkt und Reformhaus des Ehepaars Niedrig in der Innenstadt. „Bio-Artikel sind zunehmend gefragt“, kommentiert Andreas Niedrig die Neueröffnung, „der Trend zur Masse macht die Nische auch für große Ketten interessant.“ In der ursprünglichen Drogerie am Demianiplatz führt er eine Familientradition seit 17 Jahren fort. Er sieht diese Bewegung auch kritisch: Der Kuchen werde dadurch nur anders verteilt – gerade, wenn immer mehr Menschen auf den Zug aufspringen.

Ralph Marscholek argumentiert, dass für die Supermärkte aber andere Gesetze gelten als für kleine Geschäfte. „Inhabergeführte Läden laufen nicht unbedingt nach Versorgungsschlüssel“, ist seine Meinung. Neben Stammkunden setzt er auf das Leben auf dem Gelände der Rabryka, wo außer durch einen hier ansässigen Schmied und einen Zimmermann auch durch den Verein Second Attempt sich rund 20 bis 30 Menschen regelmäßig aufhalten.

Seinen Lieferanten aus Pommritz hat Ralph Marscholek mitgebracht. Beginnen möchte er mit einem Grundsortiment und dieses nach den Wünschen der Kunden erweitern. Brot bezieht er vom Lindenhof in Pommritz, der auch Ziegen- und Kuhkäse auf dem Wochenmarkt Elisabethstraße anbietet. Auch mit dem Stadtgut Görlitz und dem Hofgut Krauscha arbeitet Ralph Marscholek zusammen.

Einen bewährten Service für Großfamilien möchte er am neuen Standort ebenfalls wieder anbieten. Sie können größere Mengen bestellen, um Vorräte anzulegen. Außerdem wird der Heckenhof in Sohland an der Spree Gemüsekisten ab sofort in den Laden liefern. Rund 20 Abonnenten des solidarischen Landwirtschaftsbetriebs kommen in Zukunft ihre Kisten in der Naturkost Arche abholen.