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Mädchen wird weiter vermisst

Die armenische Familie, die elf Jahre in Dresden lebte, wurde am Montagabend getrennt abgeschoben. Jetzt kommen mehr Details der Umstände ans Licht.

© Roland Halkasch

Von der zehnjährigen Tochter der abgeschobenen armenischen Familie fehlt weiter jede Spur. „Es gibt eine Vermisstenanzeige, unsere Kollegen suchen das Kind“, bestätigt Polizeisprecher Marko Laske.

Am Montagabend wurde die Familie, die elf Jahre in Dresden lebte und deren drei Kinder in Deutschland geboren worden, abgeschoben. Der Vater und die zwei sechs und acht Jahre alten Söhne wurden in der Nacht nach Düsseldorf auf den Flughafen gebracht, die Mutter musste nach einem Zusammenbruch im Krankenhaus behandelt werden. Die Zehnjährige ist seit Montagabend weg.

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Inzwischen sind der Vater und die Kinder in Armenien angekommen, so Mike Gärtner vom Flüchtlingsrat. In welcher Stadt genau, ist unklar. Auch ob und welche Hilfestellung sie in dem für sie fremden Land bekommen, weiß Gärtner nicht. In manchen Fällen komme es vor, dass die Familien bei der Abschiebung von den Behörden etwas Bargeld für die ersten Tage bekommen. Ob die fünf Armenier Geld erhalten haben, ist unklar.

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Die Mutter liegt weiter im Krankenhaus. Wie jetzt bekannt wurde, gab es am 3. August, also einen Tag vor dem ersten Abschiebeversuch, einen Prozess vor dem Amtsgericht gegen sie. Wie Gerichtssprecherin Birgit Keeve bestätigte, wurde sie wegen Erschleichung eines Aufenthaltstitels angeklagt. Das Verfahren wurde aber gegen eine Geldauflage eingestellt. Für Mutter und Tochter steht noch kein erneuter Rückführungstermin fest, sagt Ingolf Ulrich, Sprecher der Landesdirektion Sachsen. „Bevor die aufenthaltsbeendenden Maßnahmen fortgeführt werden, muss zunächst eine nochmalige amtsärztliche Untersuchung durch die Landeshauptstadt Dresden die Reisefähigkeit der Mutter bestätigen“, so Ulrich.

Die Geschichte der Familie hatte hohe Wellen geschlagen, Anwohner demonstrierten dagegen. Doch laut Landesdirektion belogen die Eltern die Behörden. Statt irakische, wie angegeben, sind sie armenischen Staatsbürger. (SZ/jv, lex)